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08.11.2013

17:46 Uhr

Contemporary Istanbul

Disparat am Bosporus

VonStefan Kobel

Der türkische Markt für zeitgenössische Kunst steht noch am Anfang. Das spiegelt sich auch im Angebot der Messe "Contemporary Istanbul". Es gibt viel gefällige Dekoration, aber auch provokative Kunst.

Messeimpressionen beim Aufbau der Contemporary Istanbul 2013. Contemporary Istanbul

Messeimpressionen beim Aufbau der Contemporary Istanbul 2013.

IstanbulDie Contemporary Istanbul (CI) ist eine ungewöhnliche Messe, so disparat wie das Land. Dem westlich geschulten Blick springen vor allem zwei Dinge ins Auge. Das eine ist die enorme qualitative Spreizung der türkischen Kunstofferte. Hier wird wirklich jedem etwas geboten, von der gefälligen Deko bis zur sperrigen, teils provokativen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen. Das meiste gehört jedoch in die erste Kategorie. Zum anderen scheint Kunst in der Türkei überhaupt erst in diesem Jahrhundert in die Welt getreten zu sein. Dario Beskinazi von der Istanbuler Galerie X-Ist hat dafür eine Erklärung: „Wir sind schnell reich geworden. Bis um 2000 herum gab es hier praktisch gar nichts. Länder wie Rumänien oder Bulgarien sind europäisch. Die hatten immer eine gewisse Tradition und großartige Künstler, auch während der Diktatur. Wir hingegen leben in einer asiatisch und vielleicht ein bisschen europäisch geprägten Kultur.“

Ali Güreli, Chairman und Besitzer der Kunstmesse Contemporary Istanbul. Contemporary Istanbul

Ali Güreli, Chairman und Besitzer der Kunstmesse Contemporary Istanbul.

Die verschiedenen Einflüsse hält Beskinazi allerdings als ideal für die Produktion jetzt. Der Markt stecke hingegen noch in den Kinderschuhen. "Die meisten Sammler kaufen aus finanziellen Gründen. Sie haben ein Haus, ein Auto, vielleicht noch ein Auto.“ Und irgendwann komme dann Kunst dazu. „Dass jemand Kunst versteht und sie zu einem Teil seines Lebens machen möchte, ist noch die Ausnahme", setzt der Galerist hinzu.

Nur im Austausch wachsen Ideen

Mustafa Taviloğlu sieht das naturgemäß etwas anders. Der Inhaber der Modekette Mudo sammelt seit 40 Jahren junge türkische Kunst (und seit einiger Zeit internationale Emerging Artists) und eröffnet 2014 sein eigenes Kunstzentrum. Er konstatiert allerdings ebenfalls, dass in den letzten fünf bis zehn Jahren die Kunstszene und die Produktion explodiert seien. Die einzige Chance für die einheimische Kunst sieht er im internationalen Anschluss. Wer wie er für die und mit der Kunst lebe, brauche einfach die Auseinandersetzung mit künstlerischen Ideen, die nun einmal nur aus dem Austausch wachsen könnten.

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