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13.11.2015

08:44 Uhr

Contemporary Istanbul

Klare Verhältnisse - unklares Profil

VonStefan Kobel

Die „Contemporary Istanbul“ ist nach Besucherzahlen einer der stärksten Kunstmessen der Welt. Nach dem eindeutigen Ergebnis der türkischen Parlamentswahlen sieht der Veranstalter beste Aussichten für eine weitere Internationalisierung. Bei der Qualität hat die Messe allerdings noch viel Spielraum nach oben.

Wang Quingsong: "Temple", 2011, 180 x 300 cm Die Fotoarbeit liegt in einer Edition von 8 zu 60.000 Dollar vor. Quelle: Dirimart Gallery, Istanbul

Auf dem Stand der Istanbuler Galerie Dirimart

Wang Quingsong: "Temple", 2011, 180 x 300 cm Die Fotoarbeit liegt in einer Edition von 8 zu 60.000 Dollar vor. Quelle: Dirimart Gallery, Istanbul

IstanbulGutgestimmt geht Ali Güreli in die zehnte Ausgabe seiner „Contemporary Istanbul“ (CI). Der Eigentümer und faktische Direktor von Istanbuls größter und ältester Messe für zeitgenössische Kunst glaubt, allen Grund zur Zuversicht zu haben. Mit dem Sieg der AKP bei den Parlamentswahlen ist vermeinliche Stabilität in die Türkei zurückgekehrt. „Ich glaube, dass wir dieses Jahr die 80.000 Besucher überschreiten werden“, erklärt er stolz.

Ali Güreli glaubt an mehr als 80.000 Messebesucher in diesem Jahr. Foto: Stefan Kobel auf der Contemporary Istanbul

Zuversichtlicher Eigentümer und Messedirektor

Ali Güreli glaubt an mehr als 80.000 Messebesucher in diesem Jahr. Foto: Stefan Kobel auf der Contemporary Istanbul

Tatsächlich ist der Andrang zur Vernissage nur noch mit dem bei der Art Basel, der Frieze London oder der Tefaf zu vergleichen, und das bei lediglich knapp über 100 teilnehmenden Galerien. Der rege Publikumszuspruch wird nicht zuletzt darin begründet sein, dass 38 Galerien aus der Türkei stammen. Deren Angebot ist häufig recht farbenfroh und für westliche Besucher ungewohnt.

Einheimischer Geschmack

Am fragwürdigsten sind allerdings einige der vermeintlich großen Galerien aus dem Westen, die hier das Bild auflockern sollen. Vor allem im prestigeträchtigen (ebenerdigen) Obergeschoss des Halic Congress Center sucht das Auge oft vergeblich Halt.

So gibt sich Marlborough (New York, London, Madrid, Barcelona) alle Mühe, den einheimischen Geschmack zu treffen. Neben Graphiken von Miro, Picasso oder Chillida (bei Galeria Joan Gaspar aus Barcelona) wird der Besucher etwa mit geschmäcklerischen Arbeiten Julian Lennons (Emmanuel Fremin Gallery, New York) behelligt, der seine Schmetterlings-Faltbilder à la Rorschach mit der Ansicht einer Jaume Plensa-Skulptur als Körper verziert (Auflage 3, 7.000 Dollar).

Die im Untergeschoss ausstellende Galerie Lelong aus Paris und New York, die Plensa vertritt und Arbeiten von ihm am Stand hat, ist davon verständlicherweise nicht sehr angetan. Bei einer Messe mit funktionierendem Zulassungsausschuss dürfte derartiges kaum vorkommen.

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