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13.11.2014

17:45 Uhr

Contemporary Istanbul

Renditeerwartung ist ein schlechter Ratgeber

VonStefan Kobel

Die Türken haben das Vertrauen in die Kunst als Anlage verloren. Als sie vor Jahren anfingen, in die Kunst ihres Landes zu investieren, glaubten sie, gute Investments zu tätigen. Mittlerweile ist klar, dass sie keinen nennenswerten Sekundärmarkt hat. Die einheimischen Galerien auf der Kunstmesse Contemporary Istanbul haben es daher schwer, neue Ware abzusetzen.

Auf dem Stand von Marlborough: Ahmet Gunestekins Ölgemälde "Zeus'un Mutluluğu" (Zeus' Happiness), 2014, 130 x 130 cm. (Ausschnitt)

Auf dem Stand von Marlborough: Ahmet Gunestekins Ölgemälde "Zeus'un Mutluluğu" (Zeus' Happiness), 2014, 130 x 130 cm. (Ausschnitt)

IstanbulGroßes hat sich Ali Güreli vorgenommen, der Eigentümer und Direktor der Contemporary Istanbul (CI). “Unser Ziel war es, eine der zehn führenden Kunstmessen der Welt zu werden, und das ist der Fall”, erklärt der Unternehmer und Betreiber von mehreren Fünf Sterne-Hotels. Von Marketing und Event-Organisation versteht der Mann etwas. Das ist der neunten Ausgabe der Kunstmesse anzumerken. Scheinbar ganz Istanbul war zur Eröffnung am Mittwochabend in das Messe- und Kongresszentrum gekommen, um sich selbst und die Kunst zu feiern.

Was es zu sehen bekam, unterschied sich deutlich von dem, was die sechs Wochen zuvor abgehaltene jüngere und kleinere Art International geboten hatte. Das ist durchaus gewollt, so Güreli: “Wir glauben an Lokalität. Globalisierung existiert in dem Sinne nicht. Wenn man eine Messe etablieren will, muss man auch den lokalen Markt repräsentieren. Wir wollen keine Blue Chip Galerien. Die sind überall, es würde Istanbul nicht allzu viel bringen. Die hiesigen Sammler gehen ohnenhin auf alle großen Messen. Ich glaube nicht, dass türksiche Sammler einen Kapoor oder Cragg hier kaufen würden.”

Am liebsten bunt und abstrakt

Von den 108 Ausstellern stammen 42 aus dem Ausland. Der relativ hohe Ausländer-Anteil fällt jedoch kaum auf, weil die meisten von ihnen in ihrer Heimat keine große Rolle spielen. Die Pariser Galerie Lelong gehört zu den Ausnahmen und nimmt dieses Jahr an beiden Messen teil, weil in der Stadt gerade eine institutionelle Ausstellung von Joan Mirò läuft. Davon will sie profitieren, indem sie auf dem Stand einen eigenen Raum mit Arbeiten des Spaniers eingerichtet hat. Überwiegend bietet sie jedoch jüngere Künstler mit Bezug zur Türkei an.

Die meisten anderen internationalen Galerien tun es ihnen gleich. Marlborough New York etwa ist nur mit zwei Künstlern angereist. Einer davon ist Ahmed Gunestekin, dessen geometrische Konstruktionen - zwischen Gemälde und Wandobjekt - ab 25.000 Dollar kosten. Mit gutem Willen kann man die Werke eklektisch nennen. Auf alle Fälle sind sie bunt abstrakt. Damit passt sich die Galerie perfekt ins Erscheinungsbild der Messe ein. Selbst Art Basel-Aussteller fahren ein ortsspezifisches Programm, das sich von ihren Auftritten auf großer Bühne unterscheidet. Dirimart aus Istanbul hat zwar Hochkarätiges dabei - Sarah Morris und Franz Ackermann etwa. Doch vieles ist stark farbig und am liebsten ungegenständlich. Offen Provokantes oder gar Nacktheit findet sich kaum. Dabei ist die Türkei vordergründig immer noch eine Demokratie, und Sittenwächter sind hier vorerst noch nicht vorstellbar. Es handelt sich eher um eine Art freiwilliger Selbstkontrolle von Ausstellern und Publikum. Gekauft wird, was gefällt. "CI sollte immer auch eine Messe für lokale Kunst sein, das heißt Kunst, die in der Region entsteht", erklärt Güreli.

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