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12.05.2015

15:39 Uhr

Cornelius Gurlitt

Erste Erben erhalten Bilder zurück

Die Suche nach möglicher NS-Raubkunst und den ursprünglichen Besitzern von Bildern aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt ist mühselig. Ein Jahr nach dem Tod des Kunstsammler gehen nun die ersten Bilder an Erben.

MünchenDie ersten beiden Raubkunst-Bilder aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt können an die Erben der früheren jüdischen Besitzer herausgegeben werden. Die zuständige Rechtspflegerin habe dies am Dienstag genehmigt, teilte das Amtsgericht mit. Der Nachlasspfleger hatte die Herausgabe von „Zwei Reiter am Strand“ von Max Liebermann und „Sitzende Frau“ von Henri Matisse im März beantragt. Gurlitt war am 6. Mai 2014 gestorben.

Da um das Erbe des Kunstsammlers noch immer gestritten wird, mussten die möglichen Erben der Rückgabe zustimmen. An wen die Bilder gehen, wurde aus Datenschutzgründen nicht bekanntgegeben.

Bei den Werken hatte sich aus Expertensicht der Verdacht auf Nazi-Raubkunst bestätigt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte die Verträge für die Rückgabe bereits vor Wochen unterschrieben.

Der Fall Gurlitt

Vater und Sohn Gurlitt

Cornelius Gurlitt war der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt (1895-1956). Dieser hatte wegen seiner jüdischen Wurzeln zwar unter den Nazis zu leiden, er gehörte aber nach Darstellung von Experten auch zu den zentralen Figuren des NS-Kunsthandels.

1500 Werke

Nach dem Tod seiner Eltern, erst des Vaters, 1968 auch der Mutter, war Sohn Cornelius Gurlitt (geboren 1932) für die Sammlung von mehr als 1500 Werken, darunter Arbeiten von Matisse, Picasso und Monet, verantwortlich. Er hielt sie im Verborgenen.

Kunstmuseum als Alleinerbe

2012 entdeckten Fahnder im Zuge von Zoll- und Steuerermittlungen einen Großteil der Bilder in seiner Münchner Wohnung. Die Werke wurden sichergestellt. Cornelius Gurlitt starb im Mai 2014. Er setzte das Kunstmuseum Bern als Alleinerben ein.

Raubkunst

Die Raubzüge der Nationalsozialisten haben viele Menschen um ihren materiellen Besitz gebracht. Die Nazis enteigneten unter anderem jüdische Sammler oder zwangen sie, ihre Kunstschätze unter Wert zu verkaufen. Die im Zuge der Verfolgung den Opfern abgenommenen Werke werden Nazi-Raubkunst genannt. Teile der Sammlung Gurlitt stehen unter Raubkunst-Verdacht.

Sogenannte „Entartete Kunst“

Der Begriff „entartet“ stammt aus der Nazi-Rassenlehre. Die Nationalsozialisten übertrugen ihn auf moderne Kunst, die nicht zu ihrem Kunstverständnis und Menschenbild passte. Als „entartet“ diffamierte das NS-Regime unter anderem Werke des Expressionismus, Surrealismus und Kubismus. 1937 zeigten die Nazis in München die Propaganda-Schau „Entartete Kunst“ mit zuvor beschlagnahmten Werken. Teile der Sammlung Gurlitts konnten nach Angaben der Datenbank Lostart dem Beschlagnahmegut der nationalsozialistischen „Aktion Entartete Kunst“ zugeordnet werden.

Provenienzforschung

Das Wort Provenienz bezeichnet die Herkunft, die Abstammung, den Ursprung. Bei der Provenienzforschung versuchen Experten, die Herkunft von Kunstwerken zu klären. Museen wollen zum Beispiel ausschließen, dass sich Nazi-Raubkunst in ihren Beständen befindet. Dazu prüfen die Fachleute etwa die Eingangsdaten und die Preise, zu denen Werke gekauft wurden. Die Suche ist oft mühsame Detektivarbeit, denn meist sind die fraglichen Bilder und Skulpturen durch mehrere Hände gegangen, wurden getauscht oder bei Auktionen verkauft.

Mindestens zwei weitere Gemälde stehen nach Abgaben von Grütters zur Herausgabe an Erben an. Auch bei „La Seine vue du Pont-Neuf, au fond le Louvre“ (Die Seine, von Pont-Neuf aus gesehen, im Hintergrund der Louvre) von Camille Pissarro und bei dem Carl-Spitzweg-Bild „Das musizierende Paar“ wurde der Verdacht auf Raubkunst bestätigt.

Laut einer Vereinbarung zwischen Deutschland und dem Kunstmuseum Bern als Erben der Sammlung liegt der Teil der Sammlung, der unter Raubkunst-Verdacht steht, in der Verantwortung des Bundes. Gurlitt hatte das Kunstmuseum Bern als Erben eingesetzt. Ob das Erbe tatsächlich an das Kunstmuseum geht, ist noch nicht endgültig entschieden. Ansprüche hat auch eine Cousine erhoben, die derzeit noch um einen Erbschein streitet.

Die zehn teuersten Kunstwerke bei Auktionen

Platz 1: „Die Frauen von Algier“

Pablo Picassos „Die Frauen von Algier“ wurden bei Christie's in New York am 11. Mai 2015 für 179,365 Millionen Dollar versteigert.

(Stand aller Angaben: Mai 2015)

Platz 2: „Drei Studien von Lucian Freud“

Francis Bacons „Drei Studien von Lucian Freud“ wurde bei Christie's in New York am 12. November 2013 für 142,4 Millionen Dollar versteigert.

Platz 3: „Zeigender Mann“

Alberto Giacomettis Skulptur „Zeigender Mann“, bei Christie's in New York am 11. Mai für 141,285 Millionen Dollar versteigert.

Platz 4: „Der Schrei“

Edvard Munchs „Der Schrei“ wurde bei Sotheby's in New York am 2. Mai 2012 für 119,92 Millionen Dollar versteigert.

 

Platz 5: „Nackte, grüne Blätter und Büste“

Pablo Picassos „Nackte, grüne Blätter und Büste“ wurde bei Christie's in New York am 4. Mai 2010 für 106,48 Millionen Dollar versteigert.

Platz 6: „Silver Car Crash (Double Disaster)“

Andy Warhols „Silver Car Crash (Double Disaster)“ wurde bei Sotheby's in New York am 13. November 2013 für 105,44 Millionen Dollar versteigert.

Platz 7: „Junge mit Pfeife“

Pablo Picassos „Junge mit Pfeife“ wurde bei Sotheby's in New York am 5. Mai 2004 für 104,16 Millionen Dollar versteigert.

Platz 8: „Schreitender Mann I“

Alberto Giacomettis Skulptur „Schreitender Mann I“ wurde bei Sotheby's in London am 3. Februar 2010 für 65 Millionen Pfund (103,93 Millionen Dollar, damals 74 Millionen Euro) versteigert.

Platz 9: „Chariot (Karren)“

Alberto Giacomettis Skulptur „Chariot (Karren)“ wurde bei Sotheby's in New York am 4. November 2014 für 100,96 Millionen Dollar versteigert.

Platz 10: „Dora Maar mit Katze“

Pablo Picassos „Dora Maar mit Katze“ wurde bei Sotheby's in New York am 3. Mai 2006 für 95,21 Millionen Dollar versteigert.

Cornelius Gurlitt, Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, stand mit seiner Sammlung von mehr als 1500 Bildern in München und Salzburg monatelang im Zentrum einer Debatte um Nazi-Raubkunst. In Gurlitts Schwabinger Wohnung waren vor drei Jahren rund 1280 Kunstwerke gefunden worden, 238 weitere erst zwei Jahre später in seinem Haus in Salzburg.

Von

dpa

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