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28.07.2011

13:18 Uhr

Côte d'Azur

Kunst ist überall

VonOlga Grimm-Weissert

46 Kunsthäuser an der Côte d'Azur haben sich zusammengetan, um zeitgenössische Kunst zu zeigen, die hier entstand. Ein erfrischender Überblick, der für jeden Geschmack etwas bietet.  

Natacha Lesueur, M, 2006 (Ausschnitt). Quelle: N. Lesueur

Natacha Lesueur, M, 2006 (Ausschnitt).

Paris„art is alone/Kunst ist alleine“ behauptet der provokante Nizzaer Künstler Ben (Vautier) auf einer seiner schwarzen Bildtafeln in weißer Handschrift. Aber der 75-jährige Ben ist in diesem Sommer in bester Gesellschaft. Denn an der Côte d'Azur zeigen 46 Institutionen 200 Künstler. Die Mammutveranstaltung hat den Anspruch, sechzig Jahre zeitgenössische Kunst zu präsentieren, die im Einzugsbereich der Côte d'Azur entstand. Der komplizierte Titel der Gemeinschaftsinitiative lautet: „Die zeitgenössische Kunst und die Côte d'Azur: ein Territorium für Experimente. 1951 – 2011“.

Maurice Fréchuret, Direktor von drei staatlichen Museen in Nizza, Biot und Vence, überzeugte staatliche,  städtische und private Institutionen und Galerien, an der Mammut-Veranstaltung teilzunehmen. So entstand eine bisher nie erlebte Dynamik, an der sich alle Kulturschaffenden zwischen Cannes und Menton beteiligen.

Guter Überblick

Das Resultat ist qualitativ unterschiedlich, je nach den  materiellen Mitteln, der Geschmacksrichtung und dem Ideenreichtum der Organisatoren. In jedem Fall ist der  Überblick über das Schaffen von drei Künstlergenerationen aufschlussreich: beginnend mit den anerkannten, teils schon verstorbenen Künstlern. Wie César, Arman, Jean Dubuffet, George Brecht und Erik Dietman. Die Generation der 40- bis 50-Jährigen ist besonders gut vertreten, was zum weiteren Ansteigen ihres Marktwertes beitragen wird. Erfreulich, dass auch ganz junge Künstler dabei sind, die in den letzten Jahren die Nizzaer Kunstakademie „Villa Arson“ absolvierten.

Céleste Boursier-Mougenot, O.T., Klangskulptur, 2011 Quelle: Francois Fernandez

Céleste Boursier-Mougenot, O.T., Klangskulptur, 2011

Sammler einbeziehen

Eine der gelungensten Ausstellungen präsentiert der „Espace de l'art concret“. Der „Raum für konkrete Kunst“ ist das städtische Museum von Mouans-Sartoux, in der Nähe von Cannes. Er ist der geometrischen Abstraktion vorbehalten und wurde vom Schweizer Künstler Gottfried Honegger und der Tochter von Josef Albers, Sybil Albers-Barrier, gegründet. Seine junge Direktorin Fabienne Fulchiéri bat  neun Sammler der Region, ihr jeweils einen Künstler aus ihren Privatsammlungen, vorzuschlagen; sowie  den Künstlern Aufträge für die Räume und den Park des  Museums zu erteilen. Die Werke wurden im Einvernehmen zwischen den Künstlern, Sammlern und der Direktorin konzipiert. Die Sammler bezahlten die Künstler und übernehmen die Arbeiten nach der Ausstellung in ihren Besitz. Diese originelle Formel ist kostensparend für das Museum. Die Künstler fanden es beruhigend, dass ihre Produktionskosten und Honorare garantiert waren.

Klangkunst im Garten

Besondere Beachtung verdient der 50 Jahre alte Medien- und Installationskünstler Céleste Boursier-Mougenot. Er arbeitet mit Tönen und Naturphänomenen, oft Tieren. Für den Park des „Raums der konkreten Kunst“ baute Boursier-Mougenot einen luftigen Käfig aus Metall-Kleiderbügeln, die im Wind einen leisen Klangteppich anstimmen. Der Auftraggeber dieser Arbeit ist Gilles Fuchs, einer der aktivsten französischen Sammler, der aus der Parfümstadt Grasse stammt. Boursier-Mougenots Werke findet man an mehreren Orten der Veranstaltungs-Serie. Z.B. in Mougins, in der historischen öffentlichen Waschanlage, wo er echte Fische und deren Videobilder sinnverwirrend mixt und mit Tönen unterlegt.

Skulpturen aus weißem Schaum

„Die Skulptur mal anders“ lautet das kecke Motto im „Öko-Park“ von Mougins, wo drei Künstlergenerationen 3000 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Der Kunstflaneur stößt auf Skulpturen von César, Arman, Ben, Nikki de Saint Phalle, Martial Raysse, Noël Dolla, Karim Gheloussi, Tatiana Trouvé u.a. Der 1966 in Monaco geborene Michel Blazy amüsiert mit seinen „Schaum-Fontänen“, die im Zeitlupentempo aus drei grauen Mülleimern quellen. Blazys Kunst ist einfach und überzeugend.

Aus Metallabfällen, Steinen und Holz formt Bernard Pagès (*1940) seine im Park von Mougins ausgestellten Skulpturen. Die man auch bei seiner  Galeristin Catherine Issert in Saint-Paul-de-Vence entdeckt. Issert offeriert ihr gesamtes Galerie-Programm, indem sie  den ganzen Sommer lang Wechselausstellungen hängt.  

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