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11.04.2011

11:29 Uhr

Cristina Lucas

Landkarten der Geschlechter

VonAngelika Stucke

Die spanische Künstlerin nimmt sich und die Welt gern auf den Arm. Humor ist immer mit im Spiel, wenn Sie in Fotos, Zeichnungen und Videoinstallationen ihren Finger in die Wunden der Gesellschaft legt.

Chistina Lucas´ geschlechtsspezifische Landkartenzeichnung "Male / Female (Europe)" 2008. Quelle: Deweer Gallery

Chistina Lucas´ geschlechtsspezifische Landkartenzeichnung "Male / Female (Europe)" 2008.

Quelle: Deweer Gallery

MadridCristina Lucas wirkt ein bisschen so, als säße ihr der Schalk im Nacken. Ein kleines, beinahe spöttisches Grinsen umspielt ihren Mund, auch wenn sie von ernsten Dingen wie zum Beispiel von der Freiheit spricht. Diesem hohen Gut der Menschheit, für das einige arabische Völker zur Zeit ihr Leben einsetzen, ergeht es in Lucas’ Videoinstallation „La liberté raisonnée“ gar nicht gut; zum Schluss wird die Freiheit dort vom Volk mit Füßen getreten.

An Eugène Delacroix’ Gemälde „La Liberté guidant le peuple“ (1830) hat die spanische Künstlerin ihre Arbeit angelehnt. Sie ist zurzeit in der kollektiven Ausstellung „Heldinnen“ des Madrider Thyssen Museums zu sehen und in der Einzelaustellung der Künstlerin „Light Years“ im mexikanischen Museum Amparo in Puebla. Sechs Ausführungen gibt es von „La liberté raisonnée“. Nur eine ist noch bei ihrer Madrider Galerie Juana de Aizpuru zu haben, für 22.000 Euro.

Die meisten Menschen lassen sich gern führen

„Die Freiheit ist immer auch etwas Störendes und mit viel Arbeit verbunden,“ sagt Cristina Lucas nachdenklich. Sie hat sich eigens für das Gespräch in die Aizpuru-Galerie aufgemacht. „Ich glaube nicht, dass wir sie genügend lieben!“, urteilt sie und spricht dann davon, dass sich die meisten Menschen in unseren freien Wohlstandsgesellschaften doch ganz gern führen und leiten lassen ohne selbst all zu viel Verantwortung übernehmen zu wollen.

In ihren Werken setzt sich die 1973 im andalusischen Jaén geborene Lucas immer wieder mit Machtstrukturen auseinander, unabhängig davon, ob sie politischer, kirchlicher oder geschlechtsspezifischer Natur sind. Mit klarem Blick spürt sie die Wunden der Gesellschaft auf und legt ihren Finger dorthin, wo es schmerzt. Allerdings tut sie dies nicht ohne eine feine Portion an Humor, selbst wenn sie sich in immer neuen Interpretationsansätzen mit dem Thema der Landkarte auseinandersetzt.

Landkarten zeigen, was zuvor verborgen war

„Karten haben mich schon immer interessiert, weil man durch sie die Welt besser verstehen kann“, sagt Lucas. Es ist fantastisch, dass es auf unseren geografischen Landkarten keine weißen Flecken mehr gibt,“ findet sie. „Aber wie sieht es mit den anderen Karten aus, die man zeichnen kann? Zum Beispiel mit geschlechtsspezifischen Landkarten?“

In der Zeichnung „Mundo masculino y mundo feminino“ (2008) versucht Lucas, den weiblichen und männlichen Welten nachzugehen, indem sie etwa die Begriffe für Vagina und Penis in der jeweiligen Umgangssprache der Länder ermittelt. Was sie zeichnet, sind Sprachräume, deren Grenzen durch dieselbe Bezeichnung festgelegt werden. Dabei stellt sie fest, dass es zwischen männlicher und weiblicher Welt keine Übereinstimmung der Grenzen gibt. Je nachdem, ob die Bezeichnung der weiblichen oder männlichen Geschlechtsorgane herangezogen wird, verändern sich die Gebiete. So formieren sich die Andenländer zum Land „Concha“ (Vagina). Dieselbe Region auf der „männlichen“ Landkarte ergibt zwei verschiedene „Länder“ namens „Pinca“ und „Pija“.

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