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19.12.2011

15:04 Uhr

Crowdfunding: „Hotel Desire"

Wie man Filme über Sex und Stromberg finanziert

VonDésirée Linde

„Hotel Desire" ist ein Beispiel für perfektes Marketing. Die Macher versprachen eine Revolution des Sexfilms und über das Netz wurden Geldgeber gefunden. Jetzt soll der „Stromberg"-Film genauso finanziert werden.

Der vom heuchlerischen Kunstbetrieb genervte Maler Julius (Clemens Schick) und die von Kind und Arbeit gestresste Antonia (Saralisa Volm). PR/Fiessbach

Der vom heuchlerischen Kunstbetrieb genervte Maler Julius (Clemens Schick) und die von Kind und Arbeit gestresste Antonia (Saralisa Volm).

DüsseldorfBesser hätte es für Sergej Moya und sein Team nicht laufen können. Sein Neo-Porno avanciert zum Verkaufsschlager. Der Film wurde laut der Videoload und IPTV-Abteilung bei der Deutschen Telekom innerhalb der ersten Tage öfter heruntergeladen als die Blockbuster „Harry Potter" und „Hangover 2" .Damit stehe das Werk des 23-jährigen Regisseurs mit deutlichem Abstand auf Platz 1 der Videoload-Verkaufscharts. Seit dem 7. Dezember ist „Hotel Desire" als Download bei Videoload.de für 2,99 Euro zu kaufen.

Überraschend ist der Erfolg nicht. Denn die Macher haben im Vorfeld alles richtig gemacht. Sie haben, erstens, eine Revolution des Genres ausgerufen. Denn „Hotel Desire" will weder Porno noch Erotikfilm sein. Er zeigt Sex expliziert, die Bilder sollen allerdings nicht ordinär und auf Geschlechtsteile in Aktion reduziert bleiben, sondern ästhetisch und „echt" daherkommen. Zu sehen ist daher schon mal eine Gänsehaut auf dem Oberschenkel von Hauptdarstellerin Saralisa Volm, die das Zimmermädchen Antonia spielt.

Doch dort, wo bei herkömmlichen Filmen, die eine Geschichte erzählen, in denen Sex nur „vorkommt", der verschämte Schnitt folgt, hält bei „Hotel Desire" die Kamera weiter drauf. Fast bis zum Ende. Denn anstatt andere Körperflüssigkeiten als Schweiß und Speichel zu zeigen, schneidet Moya dann doch lieber direkt zur „Zigarette danach".

Andererseits ist der Sex in die zum Teil ganz amüsant erzählte Handlung - frustriertes Zimmermädchen trifft auf attraktiven, aber blinden Hotelgast (Assoziationen mit dem Fall „DSK" gleich inklusive) - eingebettet. Der Akt, ästhetisch gefilmt, als Hauptthema nimmt rein zeitlich immerhin ein Viertel des Vierzigminüters ein.

Dieses gewollt große Projekt nannte das Produktionsteam dann PornNEO. Das klang nach der Neuerfindung des Genres und ein bisschen nach dem neuen Sexfilm fürs Bildungsbürgertum, dem der Hardcore-Porno zu schlicht und der Erotikfilm zu brav ist.

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