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29.01.2010

10:53 Uhr

Dada-Kunst

Was vom Multitalent Raoul Hausmann übrig blieb

VonOlga Grimm-Weissert

Für deutsche Dada-Freunde und Avantgarde-Forscher könnte eine Auktion in Paris interessant werden. Dort wird am 8. Februar der Nachlass des 1971 in Limoges verstorbenen Oberdadaisten Raoul Hausmann versteigert. Die Taxen sind bewusst niedrig angesetzt.

Nur noch drei Exemplare dieser Dada-Gründungsschrift (Ausschnitt) sind nachweisbar. ST. Cyr

Nur noch drei Exemplare dieser Dada-Gründungsschrift (Ausschnitt) sind nachweisbar.

Paris. Der Nachlass des Dadaisten Raoul Hausmann (1886-1971) kommt am 8. Februar im Hôtel Drouot-Richelieu unter den Hammer von Arnaud Cornette de Saint Cyr. Der in Wien geborene Hausmann war ein Bürgerschreck und zählte ab 1918 mit seiner Geliebten Hannah Höch zu den Gründungsmitgliedern der revolutionären, antibürgerlichen Dada-Bewegung.

Hausmanns vielfältiges Werk umfasst Ölgemälde, Fotografie, Foto-Collagen, Zeichnungen, Grafik, sowie Poesie und theoretische Schriften. Der als "entartet" diffamierte Dadaist musste 1933 emigrieren. 1939 ließ er sich in der von den Nazis nicht besetzten Zone in der Nähe von Limoges nieder. Ab 1944 lebte er mit seiner zweiten Frau Hedwig Manckiewitz und der jungen Marthe Prévot in Limoges. Hausmann überließ Prévot 1971 seinen Nachlass. Marthe Prévot verkaufte bis zu ihrer Entmündigung jahrelang Werke, insbesondere an den "Fond d'art contemporain du Limousin" in Rochechouart, der mehr als 700 Werke plus das Archiv aufbewahrt. Neben der Berlinischen Galerie, deren Hausmann-Bestand bis 1933 reicht, die bedeutendste Werkkonzentration.

Niedrige Schätzpreise locken


Prévot beauftragte den Experten für moderne Malerei, Laurent Desse, mit der Erstellung des Werkverzeichnisses. Er redigierte auch den gut gegliederten Auktionskatalog, der 278 Lose mit Zeichnungen, Grafik, Fotos, Fotomontagen und Ölgemälde Hausmanns, insbesondere aus den 1950/1960er Jahren enthält. Sowie 40 Werke von Künstlern, die sich auf Hausmann berufen. Die Schätzpreise liegen meist zwischen 200 und 1.500 Euro. "Sie sind bewusst niedrig gehalten, um die größtmögliche Zahl an Interessenten anzuziehen", bemerkt der Experte Desse.

Das Starlos indes stammt nicht aus dem Nachlass, sondern aus einer Privatsammlung. Das Dada-Gründungsmanifest "Material Dada - Material der Malerei, Plastik, Architektur" erschien 1918 in 23 Exemplaren. Inzwischen sind aber nur noch drei Ausgaben nachweisbar. Das mit 13.000 bis 15.000 Euro geschätzte Werk enthält vier aquarellierte Holzschnitte.

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