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24.09.2011

13:59 Uhr

Das Beste im Handel

Alte Kunst mit Schnäppchenpotenzial

VonChristian Herchenröder

Alte Kunst findet unter deutschen Sammlern derzeit nur wenig Abnehmer. Zu Unrecht, denn besonders in diesem Sammelgebiet ist die Chance auf ein Schnäppchen groß - im Gegensatz zur zeitgenössischen Kunst.

Die Gemälde von Francesco Solimena (hier „Adam und Eva“) sind in Deutschland nur selten zu bekommen. Galerie Arnoldi-Livie

Die Gemälde von Francesco Solimena (hier „Adam und Eva“) sind in Deutschland nur selten zu bekommen.

BerlinMaterialschwund und Geschmackswandel: das sind die beiden Faktoren, die den Markt für Alte Kunst bewegen. Deutsche Käufer tun sich schwer, weil hier mehr Kennerschaft gefordert ist. Und die wird in unserem Bildungssystem kaum noch gefördert. So ist der deutsche Kunsthandel und mit ihm die einschlägigen Auktionshäuser seit einem Jahrzehnt zum Dorado vorwiegend für ausländische Käufer geworden. Der Materialmangel bei Altmeistergemälden der Spitzenklasse wird durch Expansion ins 19. Jahrhundert einigermaßen kompensiert. Aber der Absatz älterer Kunst läuft entweder über die Cross-over-Schiene mehrgleisigen Geschmacks oder über die Erkenntnis, dass viele Werke des traditionellen Sammelgebiets nur ein Bruchteil dessen kosten, was man für die Mainstream-Werke der zeitgenössischen Kunst ausgeben muss.

So entfuhr dem Maler Georg Baselitz, der ein eingefleischter Sammler Alter Kunst ist, jüngst bei einem Besuch der Münchener Galerie Daxer & Marschall: „Das sind ja herrliche Sachen, und die kosten nichts.“

„Die Altmeisterzeichnung ist eine Frage der Bildung und kein Prestigeobjekt“, betont der Hamburger Spezialhändler Thomas LeClaire und fügt hinzu: „Wir leben von US-Museen und internationalen Sammlern, die wir auf der Pariser Messe ,Salon de Dessin' erreichen.“ Das gilt nicht nur für die Zeichnung, sondern auch für Gemälde. Die deutschen Händler haben einen guten Ruf, weil sie nur wenig Material aus Auktionen anbieten, vielmehr immer wieder ohne Umwege aus Privatbesitz kaufen können. Konrad Bernheimer, der in München und London (Galerie Colnaghi) wirkt, werden jetzt häufiger als früher Bilder direkt von Privatsammlern angeboten: „Einige von ihnen sind von den Auktionshäusern enttäuscht.“

Die Münchener Galerie Arnoldi-Livie, deren aktuelles Angebot von Gemälden und Zeichnungen von der Kölner Malerschule um 1450 bis zum französischen Symbolisten Odilon Redon reicht, wünscht sich mehr deutsche Käufer. An marktfrischen Werken aus Privatbesitz herrscht bei ihr kein Mangel. Gerade hat sie einen Katalog mit 29 aus der Wiener Albertina restituierten Zeichnungen der Sammlung Berolzheimer publiziert, der einen großen Verkaufserfolg hatte. Eine weitere, aus dem Berliner Kupferstichkabinett restituierte Gruppe wird folgen.

Ein Hingucker bei Arnoldi-Livie ist ein Gemälde von Francesco Solimena. Der prägte die neapolitanische Malerei des 18. Jahrhunderts und war an den europäischen Höfen begehrt. Seine Werke sind im deutschen Handel nur selten zu haben. Mit 98.000 Euro ist das Gemälde „Adam und Eva“ angesetzt.

Nach übereinstimmender Aussage deutscher Händler bringen ihre Internetauftritte wenig. Zwar werden die Kataloge heruntergeladen, aber es sind immer die Gleichen, die anfragen. Dafür wächst allmählich und gezielt die Gruppe der Käufer, die aus der Moderne kommen.

Gefragt sind Objekte, die magische Einzelwirkung haben. Das kann ein Goldgrundgemälde sein, eine Wolkenstudie von Carl Gustav Carus oder eine mittelalterliche Skulptur in originaler Fassung. Solche Sogkraft geht auch von den Scherenschnitten aus, die der Romantiker Phillip Otto Ruge von einer Hyazinthe oder Ahornblättern fertigte. Das Auktionshaus Karl + Faber versteigert sie am 28. Oktober zu Schätzpreisen ab jeweils 25.000 Euro.

Bei der Alten Kunst und der Kunst aus dem vielfältigen 19. Jahrhundert sind die Sammelwünsche inzwischen differenzierter als auf dem Markt für die Klassische Moderne, wo sich nach Aussage des Bremer und Berliner Händlers Wolfgang Werner „die richtig großen Sachen besser verkaufen als die, die für 50.000 bis 200.000 Euro zu haben sind“. Geld ist angesichts der Börsenmisere genug vorhanden. Es muss sich nur neue, subtilere Geschmackswege suchen.

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