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24.09.2011

12:07 Uhr

Das Beste im Handel

Zeitgenössische Fotokunst lockt die Sammler

VonChristiane Fricke

Im Ansehen der Sammler - und auch preislich - hat die Fotografie mittlerweile mit der Malerei gleichgezogen. Dennoch machen deutsche Fotogaleristen den größten Umsatz mit ausländischen Kunden.

Das Foto „Satiric Dancer, Paris“ von André Kertész gilt als „Mona Lisa“ der Fotografie. Reuters

Das Foto „Satiric Dancer, Paris“ von André Kertész gilt als „Mona Lisa“ der Fotografie.

DüsseldorfEs ist in Deutschland selbstverständlich, für ein Auto 80.000 Euro auszugeben. Für eine Fotografie denselben Preis zu bezahlen ist für viele undenkbar. „Es ist eine Katastrophe“, seufzt die Kölner Galeristin Priska Pasquer. 90 Prozent ihres Umsatzes mit deutscher und russischer Avantgarde der 1920er- und 1930er-Jahre und mit japanischer Fotografie macht sie mit ausländischen Kunden. Dabei geht es dem Fotomarkt grundsätzlich sehr gut. „Die Fotografie befindet sich auf gleicher Augenhöhe wie die Malerei“, erklärt der Berliner Fotohändler Rudolf Kicken. Sie wird von Museumswänden gestohlen, gefälscht und steht inzwischen sogar auf der Einkaufsliste altehrwürdiger Gemäldesammlungen wie dem Frankfurter Städel Museum.

Auch preislich hat die Fotografie mit der Malerei gleichgezogen. Etwa 380.000 Euro ist Frantisek Drtikols dekorativ inszenierter Akt „Die Welle“ (1925) wert, der kürzlich von der Wand des Kunstgewerbemuseums in Prag gestohlen wurde. 2 Millionen Euro müssen bei Kicken für die „Mona Lisa“ der Fotografie, für André Kertész' „Satiric dancer, Paris“ von 1926 bezahlt werden.

Mehr ist nach Einschätzung von Kicken nicht drin. Anders als bei den kameralos hervorgebrachten Fotogrammen, den auf Fotopapier belichteten Objekten von Lazlo Moholy-Nagy, die mit 300.000 Euro bewertet werden.

Doch wenn in Werte wie die Klassische Moderne investiert wird, sind deutsche Sammler in den seltensten Fällen dabei. Hierzulande haben die Nazis den Kontakt zur Sammelkultur der 1920er- und 1930er-Jahre gekappt, hier ist das wohlhabende Bildungsbürgertum eine aussterbende Spezies.

„Es gibt eigentlich keine richtigen Fotosammler mehr“, konstatiert auch Thomas Zander. Dafür aber umso mehr Kunstsammler, die auch Fotografie erwerben. Für sein Spezialgebiet, die sogenannte amerikanische „Straight Photography“ (sachliche Fotografie) und die konzeptuelle Fotografie seit den 60er-Jahren kann der Kölner Galerist deshalb ein positiveres Bild zeichnen.

Widersprüchlich ist die Lage am Markt für die zeitgenössische Fotografie. „Wir sind eigentlich etwas nervös“, fasst der Hamburger Galerist Robert Morat die Stimmungslage vor dem Hintergrund der anhaltenden Finanzmarktkrise zusammen. Aber auch er hat Geschäfte mit Sammlern gemacht, die in Kunst statt in Aktien investieren wollten.

Dabei haben die Preise für die zeitgenössische Fotokunst ein ganz anderes Niveau als viele Klassiker. Für weniger als 5.000 Euro sind hier bereits Arbeiten arrivierter Künstler zu haben. Zum Beispiel Joakim Eskildsens Pigmentdrucke aus der jüngst auch als Buch publizierten Serie der „Romareisen“, die bei Morat 3.500 Euro kosten.

Der Herbst ist die wichtigste Saison für den Fotohandel und das Ereignis die Spezialmesse Paris Photo im November. Sie ist der Gradmesser für die Verfassung des Fotohandels. Auf der Paris Photo machen die deutschen Galeristen die Umsätze, von denen sie in Deutschland nur träumen. Das ist auch der Grund, warum sich die Fotografie auf deutschen Messen immer rarer macht. In dieses Bild passt letztlich auch das Nischendasein, das die Fotografie im deutschen Auktionshandel abgibt.

Für die Zukunft erwartet der Handel stetig, aber langsam wachsende Umsätze, die insbesondere vom Interesse der ausländischen Privatsammler und Museen gespeist werden. Mit der Kauflust der deutschen Museen wird eigentlich nicht mehr gerechnet.

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