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06.06.2012

22:13 Uhr

Das Ende des ARD-Flops

Thomas Gottschalk sagt zum Abschied „Ciaociao“

VonChristian Bartels

Thomas Gottschalk plauderte sich auch in seiner letzten „Gottschalk live“-Show flott und nett durch ein recht absurdes Inhalte-Pensum. Auch wenn es am Ende des ARD-Flops karitativ statt prominent-boulevardig zuging: Gut, dass endlich Schluss ist.

Moderator Thomas Gottschalk hat seine letzte Ausgabe von „Gottschalk Live“ präsentiert. dpa

Moderator Thomas Gottschalk hat seine letzte Ausgabe von „Gottschalk Live“ präsentiert.

Jugendlich im Jeansanzug, aber ziemlich abgespannt im Gesicht - so saß Thomas Gottschalk am frühen Mittwochabend noch einmal vor immer wieder euphorisiert applaudierendem Publikum. Und für einen Moment schien es, als würde der Titelstar der gescheiterten ARD-Show „Gottschalk live“ im eng angefüllten Studio in eigener Sache ausholen.

Wie im Märchen, in dem es ja heißt: „Als er seine letzte Stunde kommen fühlte...“, so fühle er sich, sagte er - zumindest ein gewaltiger Kontrast zu den längst tragikomisch anmutenden Werbesprüchen zum Showstart à la „Er ist in der ganzen Welt zu Hause. Er hat einfach alles gemacht...'Fast', sagt Thomas Gottschalk, 'denn das war alles nur Warm-Up. Jetzt geht's erst richtig los'“. 

Doch dass die letzte Ausgabe der vom öffentlich-rechtlichen WDR und der Bertelsmann-Firma Grundy Light Entertainment herstellten Show im Juni vor der Fußball-EM gesendet werden würde, das hatte die ARD schon im April beschlossen. Es ist längst überall kommentiert worden, auch von Gottschalk selbst. Er legte also einen heiteren Gag nach („Ich bin einer der wenigen Moderatoren, die es geschafft haben, sich zweimal in einem halben Jahr von seinem Publikum zu verabschieden“), und begann dann mit dem, was er seit Januar montags bis donnerstags immer gemacht hat: das absurd angefüllte Pensum seiner aktuellen Sendung durchzuhecheln. 

Seit Anfang Mai besteht das Programm nicht mehr darin, mit möglichst prominenten Gästen zu plaudern und dazu irgendwas mit Internet anzustellen, sondern im diametralen Gegenteil darin, unprominente Menschen vorzustellen, die karitative Projekte verfolgen und dafür Geld gebrauchen können. Solches Geld verteilte „Gottschalk live“ unter dem Titel „66 Träume“. Ein paar Projekte wurden im Schnelldurchlauf vorgestellt. 

Gottschalks Karrierestationen

Ab 1971

Freier Mitarbeiter des Jugendfunks beim Bayerischen Rundfunk (BR), ab 1973 Sprecher der „Abendschau“-Nachrichten.

1976

Gottschalk wird beim BR Festangestellter und heiratet seine Thea. Erfolg mit witzigen Radiomoderationen bei „Pop nach acht“.  

1977

Er moderiert die Sendung „Telespiele“, die zunächst in einigen Dritten Programmen und ab 1980 bundesweit bei der ARD läuft.

1982

Mit Mike Krüger ist Gottschalk im Kinofilm „Piratensender Powerplay“ zu sehen. Weitere Filmrollen folgen. Zudem wechselt Gottschalk zum ZDF. Bis 1987 präsentiert er dort „Na sowas“, eine Mischung aus Talk- und Musikshow.

26. September 1987

Er moderiert erstmals die ZDF-Sendung „Wetten, dass..?“ als Nachfolger von Frank Elstner.

1990

Gottschalk arbeitet auch für RTL. Von 1992 bis 1995 moderiert er eine Late-Night-Show. 1992/1993 pausiert er bei „Wetten, dass..?“

1995 bis 1997

Neben „Wetten, dass..?“ moderiert er „Gottschalks Hausparty“ bei Sat.1.

1999

Mit seinem Bruder Christoph gründet er die Vermarktungsfirma Dolce Media GmbH in München.

3. Dezember 2011

Gottschalk moderiert zum letzten Mal „Wetten, dass..?“. Es ist seine 151. Show.

23. Januar 2012

Die Vorabendshow „Gottschalk live“ startet in der ARD.

September 2012

Thomas Gottschalk sitzt in der aktuellen „Das Supertalent“-Staffel von RTL in der Jury neben Michelle Hunziker und Dieter Bohlen.

Ein behinderter Schauspieler bekam eine kleine Rolle in einer ARD-Vorabendserie und freute sich, ein Verein, in dem nichtbehinderte und behinderte Menschen gemeinsam trommeln, bekam einen Wunsch erfüllt und freute sich. Viel Freude, Jubel und Dank war in schnell geschnittenen, aufwändig produzierten und mit Radiohits unterlegten Einspielfilmchen zu sehen und zu hören. 

Kommentare (2)

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07.06.2012, 10:27 Uhr

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

VGerber

08.06.2012, 02:21 Uhr

Die ARD reagiert. Wie die ARD in einer Pressemitteilung bekannt gab, soll der gescheiterte Gottschalk Talk durch eine neue Serie ersetzt werden. "Hertha vor Gericht - ein Verein klagt an", so der Sender, sei ein völlig neuartiges zielgruppenübergreifendes Konzept der Vorabendunterhaltung. Der Sportdirektor des Hauptstadtvereins, Michael Preetz, war kürzlich eingeladen, um seine Ideen für neue Klagen gegen den DFB vorzustellen. Wie ein Sprecher der ARD mitteilte, zeigten sich die anwesenden Programmdirektoren beeindruckt. Insider berichten, dass Preetz insbesondere mit Themen wie 'Unabsteigbarkeitsgarantie', 'Zwei-Tore-Vorsprung für alle Pflichtspiele' sowie 'Diplomatenstatus für Hertha-Profis' überzeugen konnte. Die Sendung soll bereits nach der EM ausgestrahlt werden. Für die Moderation des anspruchsvollen Formats konnte das einstige Schlachtschiff der deutschen Fernsehunterhaltung… Eigentlich gar nicht lustig, oder?

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