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03.03.2012

16:24 Uhr

David Hockney

Der mit dem iPad malt

VonMatthias Thibaut

David Hockney erfindet mit dem iPad die Freiluftmalerei neu. Doch ausgedruckt wirkt sie in der Royal Academy wie fade Poster- Kunst. Die Besucher aber stehen Schlange.

David Hockney: Die Frühlingslandschaft entstand in kürzester Zeit auf dem iPad. Royal Academy of Arts, London

David Hockney: Die Frühlingslandschaft entstand in kürzester Zeit auf dem iPad.

London„Vorausbuchung dringend geraten.“ Das scheint bei Londoner Ausstellungen rund um Olympia die Regel zu sein. Erst Leonardo, nun die Blockbuster-Ausstellungen mit Malerei von Lucian Freud (National Portrait Gallery) und David Hockney in der Royal Academy. Für Hockney hat die Royal Academy gerade neue Termine für Nachtsitzungen bis Mitternacht anberaumt, um dem Ansturm gerecht zu werden: Mag die Resonanz der Kritik gemischt sein, das Publikum weiß, was es liebt.

„A Bigger Picture“ ist der richtige Titel - nicht nur wegen der Rückerinnerung an Hockneys berühmtes Swimming-Pool-Gemälde „A Bigger Splash“. Masse ist Programm. Dies ist keine Retrospektive, Hockney stellt vielmehr ein ausuferndes, fröhlich dickköpfiges Alterswerk aus, dass sich unbefangen über jede (Selbst-)Kritik hinwegsetzt. Und sich ausschließlich um Landschaft und Natur dreht.

Doch Hockneys Landschaftsmalerei hat es in sich, wenn man das Medium betrachtet. Der 74-Jährige malt mit dem iPad vom Auto aus: „The Arrival of Spring in Woldgate in 2011“.

Die Serie über den Frühlingsanfang vor seinem Heimatdorf verblüfft mehr als alle anderen Exponate. Mit der App "Brushes" malt Hockney auf dem iPad im Schnellverfahren Bilder für technikverliebte Menschen. Mit einem speziellen Programm, das auch bei Vergrößerungen die „Pixelierung“ vermeidet, druckt er sie in zwei Formaten aus.

Der Meister hat die iPad-Malerei lange geübt. Zunächst zeichnete Hockney regelmäßig auf seinem iPhone und verschickte die Bildbotschaften per E-Mail an Freunde. Dann wurde das Erscheinen des ersten iPads zur Erfindung eines neuen künstlerischen Instruments und Genres.

Hockney vergleicht die iPad-Malerei mit der Aquarellmalerei - nur sei sie noch schneller, bestens geeignet, die Veränderungen des Frühlings, den Wechsel des Lichts im Nu einzufangen. „Turner hätte es geliebt. Man kann mit übereinandergelegten, transparenten Schichten sehr, sehr subtil arbeiten.“

Die Zeichnungen haben das matte, pastellige Leuchten des Backlight-Screens, das die Farbigkeit weicher und dezenter macht als bei seinen Ölbildern. Man sieht, was für ein fantastisch schneller und unermüdlicher Zeichner Hockney ist - ein alter Mann „in a hurry“.

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