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24.01.2014

16:56 Uhr

Debatte um Moderator

Der Kampf gegen die Lanz-Krise

VonDésirée Linde

Das Krisenmanagement beim ZDF nach dem Patzer von Markus Lanz kam nur langsam in Gang. Jetzt bemühen sich Sender und Moderator um Schadensbegrenzung. Die Kritik werde im Sender bis „in die Führungsspitze wahrgenommen“.

Gerade im Netz schlagen Markus Lanz Wellen der Empörung entgegen wegen seiner Sendung vom 16. Januar mit Sahra Wagenknecht. Er war der Linken-Politikerin immer wieder ins Wort gefallen. dpa

Gerade im Netz schlagen Markus Lanz Wellen der Empörung entgegen wegen seiner Sendung vom 16. Januar mit Sahra Wagenknecht. Er war der Linken-Politikerin immer wieder ins Wort gefallen.

Mainz/DüsseldorfMit einer solchen Welle der Empörung hat das ZDF nicht gerechnet. „Das Echo auf die Sendung hat uns überrascht“, sagte ZDF-Sprecherin Regina Henrich-Dieler Handelsblatt Online. Sie meint damit den Sturm der Entrüstung, der nach der Sendung „Markus Lanz“ mit Sahra Wagenknecht als Gast am 16. Januar über den Moderator hereingebrochen war.

Die Vorwürfe: Er habe die Politikerin auf so penetrante Art immer wieder unterbrochen, so dass sie kaum einen Satz zu Ende habe sprechen können, er habe in oberlehrerhaftem Beharren auf abwegigen Nachfragen bestanden, sei dann noch einen Schulterschluss gegen Wagenknecht mit Stern-Journalist Hans-Ulrich Jörges eingegangen und habe so eine Front gegen die Linken-Vize gebildet.

Dass der Sender von den Reaktionen der Zuschauer im Netz so überrascht wurde, erklärt wohl auch, warum das Krisenmanagement beim ZDF und in der Lanz-Redaktion anfänglich hakte. Denn die Zuschauerredaktion hatte auf die Beschwerden noch mit einem Schreiben reagiert, in der der Eindruck erweckt wurde, die Linken-Politikerin sei mit dem Verlauf der Sendung zufrieden gewesen.

Stationen im Leben von Markus Lanz

Die Geburt

Im Jahr 1969 wird Lanz im Südtiroler Bruneck in Italien geboren.

Die Ausbildung

Mit 22 Jahren beginnt der Südtiroler eine zweijährige Lehre als Kommunikationswirt.

Nächster Halt: RTL

Nach seiner Ausbildung und einem Volontariat bei Radio Hamburg fängt Markus Lanz 1995 bei RTL in Hamburg als Nachrichtensprecher eines Regionalmagazins an.

Aufstieg bei RTL

1997 startet Lanz als Moderator der Sendung „Guten Abend RTL“. Als Schwangerschaftsvertretung von Barbara Eligmann übernimmt er ein Jahr später die Moderation von „Explosiv“. Fünf Jahre später ist er Redaktionsleiter.

Kurzes Zwischenspiel bei „Outback“

Im Jahr 2002 präsentiert der Südtiroler elfmal die Reality-TV-Serie „Outback“.

Der Wechsel zum ZDF

Der Moderator wechselt 2008 zum ZDF und präsentiert seitdem die Talkshow „Markus Lanz“ an drei Abenden in der Woche. Außerdem startet er mit der Kochshow „Lanz kocht“. 2012 wird er Nachfolger von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..?“

Privates Glück

Nachdem 2006 seine Beziehung zu Birgit Schrowange, mit der er den zwölfjährigen Sohn Laurin hat, auseinandergeht, heiratet Markus Lanz Mitte 2011 die Betriebswirtin Angela Gessmann. Die Trauung findet in seinem Südtiroler Heimatdorf gut abgeschirmt von Fans und Presse statt. (Quelle: dpa)

Erst nachdem diese via Twitter widersprochen hatte und diese Behauptung des ZDF als „arg frech“ bezeichnet hatte, waren die Verantwortlichen des Mainzer Senders sensibilisiert genug, um offiziell mitteilen zu lassen, dass die Kollegen in der Lanz-Redaktion lediglich, den „subjektiven Eindruck“ gehabt hätten, Frau Wagenknecht, sei zufrieden gewesen.

Mit einer Entschuldigung ebenfalls via Twitter versuchte der Sender die gröbsten Wogen zu glätten: „Sorry@SWagenknecht“ schrieb das ZDF, das sei „wohl nach der Sendung falsch angekommen – gibt sicher nochmal die Möglichkeit dies auszuräumen.“

Doch in der „Bild“-Zeitung hatte die Politikerin nachgelegt: „Eine Sternstunde der Streitkultur“ sei die Diskussion mit Lanz nicht gewesen. „Klar hat mich geärgert, dass ich dauernd unterbrochen wurde.“ Zu einer erneuten Talkrunde bei Markus Lanz wolle sie vorerst nicht gehen: „Mein Bedarf ist gedeckt!“

Mittlerweile haben sich online schon mehr 173.000 Unterzeichner dafür ausgesprochen, dass sich das ZDF von Lanz trennen möge. Trotz aller Kritik an dem Kanal – auch anonyme Unterschriften sind möglich – teilt das ZDF mit, die Kritik „sehr ernst“ zu nehmen – ganz gleich wo und wie sie geäußert werde. Sachliche Kritik könne dabei teils nachvollzogen werden und werde „bis in die Führungsspitze wahrgenommen“. Sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel ähnliche Sätze über ihr angezähltes Personal, war das stets kein gutes Omen für die Betroffenen.

Doch, so das ZDF, man müsse auch die Relation im Auge behalten: „Den 170.000 Unterzeichnern stehen immerhin auch noch 1,5 Millionen gegenüber, die die Sendung gesehen haben und sich nicht beschwert haben“, sagt Sprecherin Regina Henrich-Dieler.

Lanz selbst hatte sich bereits nach fast einer Woche des Schweigens in die Offensive gewagt und sich um Schadensbegrenzung bemüht. Er äußerte sich öffentlich zu den Vorwürfen. „In einem längeren Telefonat“ habe er sich bei Sahra Wagenknecht entschuldigt und Fehler eingeräumt. „Weil sie ein Vollprofi ist, ist sie solchen Diskussionen auch – wie wenig andere – gewachsen“, sagte der Moderator dem Branchendienst DWDL.de.

Kommentare (6)

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Trojaner

24.01.2014, 17:12 Uhr

Es wird Zeit, dass der öffentlich rechtliche Rundfunk zum Pay-TV mutiert. Dann gibt es vielleicht halbwegs kultivierte Moderatoren - denn für eine Lanz-Sendung werden die Wenigsten zahlen wollen.

Munganperoni

24.01.2014, 17:34 Uhr

Komisch, warum das HB hier in dem Artikel für die Unterschichten-Belustigung "Wetten dass" Werbung macht? Die Sendung ist für einen halbwegs intelligenten Menschen eh schon schwer zu verkraften. Mit Lanz als Moderator gibt es schon mindestens einen Grund mehr, das Anschauen dieser Sendung zu boykottieren. Ich gehöre nicht zu denen, die denken 'oh, dafür habe ich meine Gebühren bezahlt und deshalb muss ich das auch schauen'. Schlimm genug, dass die politische Klasse die Staatspropaganda-Steuer nun offiziell gemacht hat. Aber deshalb muss ich mich nicht auch noch freiwillig verblöden lassen.

Account gelöscht!

24.01.2014, 18:01 Uhr

Dass das ZDF bis hinauf in seiner Führungsspitze von der Welle der Kritik an der Lanz-Sendung überrascht war, stellt einmal mehr unter Beweis, dass dieser Sender wie - von klitzekleinen und unbedeutenden Ausnahmen abgesehen - alle öffentlich-rechtlichen Propagandasender des Parteienstaates sich weit von der politisch wach gewordenen Bevölkerung entfernt hat.

Der Chef der Wirtschaftswoche hat vor einiger Zeit in einer bemerkenswerte Rede vom "Ende des Frontalunterrichts" gesprochen. Er hat damit gemeint, dass das Medienzeitalter, in dem (überspitzte Formulierung von mir zur Verdeutlichung des Gesagten) die weisen Redakteure die dumme Bevölkerung belehrten und diese andächtig zuhörte, vorüber sei. In Zeiten des Internets, in denen sich jeder Interessierte umfassend informieren und ein eigenes Urteil bilden kann, funktioniert diese Art von Frontalunterricht nicht mehr.

Offensichtlich fällt es dem mit Zwangsgebühren finanzierten Staatsfernsehen schwer, sich auf die neue Situation einzustellen. Die Menschen lassen sich Agit-Prop-Informationen nicht länger bieten und verlagen faire, sachorientierte, selbstkritische und unmanipulative Berichterstattung und Kommentierung.

Wenn man die derzeit ablaufende völlig einseitige Berichterstattung des Staatsfernsehens über die Vorgänge z.B. in der Ukraine und in Syrien, aber auch die Verharmlosung der EUdSSR, auf die Europa zusteuert sieht, erkennt man, dass die Fernsehgewaltigen noch einen langen Lernprozess vor sich haben.

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