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24.09.2012

16:44 Uhr

Der Fall Jakob von Metzler

Nah dran an der Wirklichkeit

Vor zehn Jahren wurde der Bankierssohn Jakob von Metzler entführt und ermordet. Eine gelungene ZDF-Verfilmung des Falls rehabilitiert den Ex-Chefermittler Wolfgang Daschner. Das Werk berührt mit seiner Authentizität.

Jakob wurde 2002 entführt und ermordet - Habgier war das Motiv. ap

Jakob wurde 2002 entführt und ermordet - Habgier war das Motiv.

Hamburg/FrankfurtEs gab diesen einen Moment im Büro Friedrich von Metzlers. Diesen Moment zwischen dem Vater des entführten und ermordeten Jakob von Metzler und dem damaligen Frankfurter Vize-Polizeichef Wolfgang Daschner, der später selbst vor Gericht stand, weil er bei der Suche nach dem Kind dem Täter Folter androhen ließ.

Nach vielen Versuchen habe Daschner sich damals dann doch bereiterklärt zu dem Projekt, beschreibt Filmproduzent Nico Hofmann jenen Moment. Von Metzler soll mit einer Träne im Auge geantwortet haben: „Egal, was uns allen widerfahren ist, ich bin Ihnen so unendlich dankbar.“ Eine Szene jenseits des Films, den das ZDF am 24. September gezeigt hat.

„Der Fall Jakob von Metzler“ beginnt mit der Entführung des elfjährigen Bankierssohns durch den Jurastudenten Magnus Gäfgen vor zehn Jahren und endet mit der Verurteilung Daschners 2004. Unter strengster Geheimhaltung auch vor dem Metzler-Anwesen in Frankfurt gedreht, sorgte die Produktion bereits seit Bekanntwerden vor einigen Wochen immer wieder für Schlagzeilen.

Wie stehen Jakobs Eltern und Geschwister zu der Verfilmung? Die Antwort hatten die Macher bereits auf der ersten Pressekonferenz in Hamburg - um einen Protest Gäfgens zu verhindern, wurde der Film nicht auf DVD verschickt - gegeben: Der Frankfurter Bankiersfamilie war die Verfilmung ein „persönliches Anliegen“, sagte die zuständige ZDF-Redakteurin Caroline von Senden.

Produzent Hofmann, der mit seiner Firma Teamworx schon erfolgreiche Produktionen wie „Der Tanz mit dem Teufel - Die Entführung des Richard Oetker“, „Der Tunnel“, „Dresden“ und „Die Luftbrücke“ realisierte, betont: „Der Familie geht es überhaupt nicht um eine Darstellung ihrer selbst - das am allerwenigsten.“ Es gehe ihr darum zu zeigen, wie sehr sich die Polizei eingesetzt habe. Von Senden: „Es war das Gefühl der Familie Metzler, dass hier jemandem, der das Leben ihres Sohnes versucht hat zu retten, Unrecht widerfahren ist.“ Und auch Schauspieler Robert Atzorn, der den Chefermittler Daschner gibt, hofft, dass dieser Film „auch ein bisschen zu seiner Rehabilitierung beiträgt“.

Kommentare (13)

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MikeM

24.09.2012, 17:03 Uhr

Schlimm, dieser Artikel! So abscheulich dieses Verbrechen an dem Jungen auch war, es rechtfertigt nicht die Aufgabe unserer Grundrechte. Soll die Polizei zukünftig einfach drauflos foltern dürfen, weil sie einen Verdacht hat?

Account gelöscht!

24.09.2012, 18:28 Uhr

Was soll denn das?
Gäfgen wurde n_i_c_h_t gefoltert!!!!

Außerdem ging es um die Rettung eines kleinen Jungen, von dem angenommen werden konnte/musste, dass er noch am Leben war. Und dafür war es notwendig zu erfahren, wo er sich befindet.

Yush

24.09.2012, 18:33 Uhr

Sie haben den Artikel offenkundig falsch verstanden. Es geht, wie der Titel besagt, um die Frage: "Wie hättest Du entschieden?".

Es geht in dem Artikel nicht um eine juristische Bewertung - diese ist unzweifelhaft. Es geht um die unausgewogene Reaktion der Medien und der Öffentlichkeit, die sich auf das juristisch unzweifelhafte Fehlverhalten zweier Polizisten konzentrierte und verteufelte. Daschner's Entscheidung, so unrechtmäßig sie auch war, war eine zutiefst menschliche Entscheidung und er war dennoch so pflichtbewusst und korrekt seine Anordnung der Folterandrohung, schriftlich und somit offiziell in den Akten festzuhalten. Hätte er es auf Vertuschung angelegt, wäre er sicherlich juristisch damit durchgekommen. Dann wäre eine Verteufelung mehr als angemessen gewesen.
Zudem: Die Polizei hat nicht gefoltert, sie hat Folter angedroht. Das ist unmenschliche Behandlung, aber keine Folter.
Ich selbst bin der Meinung, dass Daschner's Verurteilung vor Gericht, die einzig richtige war. Andernfalls hätte der Rechtstaat an Autorität eingebüßt. Allerdings stimme ich dem Artikel zu, dass Daschner & Co die Verteufelung in den Medien und der Öffentlichkeit nicht verdient haben.

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