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18.03.2004

07:49 Uhr

Der reinste Horror

Neu im Kino: Mel Gibsons "Die Passion Christi"

Selten wurde um einen Film im Vorfeld so viel Aufhebens gemacht. Viele fühlten sich berufen, etwas zu sagen, positiv wie negativ, so dass wir alle gespannt sind, den kontrovers diskutierten Jesus-Film endlich zu sehen.

Vorweg: aus filmischer Sicht ist es ein guter Film. Mel Gibson hat mit historischen Spektakeln als Schauspieler, Regisseur und Produzent Erfahrung gesammelt. Das Arrangement der Massen-Szenen in Jerusalem, die Dialoge (in aramäisch und lateinisch, deutsch untertitelt), das Dekor (gedreht wurde in Italien), die Farben (gelb-braun dominiert), die Musik: Das alles fügt sich eindrucksvoll zusammen. Aber darum geht es nicht.

Es geht darum, ob Mel Gibson die Bibel (die vier Evangelien) "richtig" interpretierte, oder ob er falsche, vielleicht sogar antisemitische Akzente setzte. Nur: Wer will das beurteilen? Zudem entzieht sich der Film solchen Fragen. Er erzählt den Leidensweg Christi auf eine sehr drastische Weise, von der Gefangennahme bis zur Kreuzigung. Er zeigt, wie ein Außenseiter (Jim Caviezel) gedemütigt, geschlagen, gepeinigt, geschunden wird, jedem Schmerz, jeder Grausamkeit folgt eine nächste, größere.

Mel Gibson setzt die physische Zerstörung eines Körpers nachdrücklich und radikal ins Bild, mit vielen blut-roten Großaufnahmen. Das ist keine schöngeistige Auseinandersetzung mit der Bibel. Es ist eine verstörende, kompromisslose und peinigende Darstellung der Leiden und des Todes Christi: eigentlich ein Horrorfilm.

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