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31.01.2007

07:05 Uhr

Designer Naoto Fukasawa

Naoto Normal

VonElke Trappschuh

Die Designszene ihren „Held des Supernormalen“ gefunden: Naoto Fukasawa. Auf der Kölner Möbelmesse durfte er zuletzt seine Vision des „idealen Hauses“ vorstellen. Zurückhaltend wie Clark Kent, die bürgerliche Existenz von Superman.

Statt Farbe setzt Naoto Fukasawa auf Weiß.

Statt Farbe setzt Naoto Fukasawa auf Weiß.

DÜSSELDORF. Superhelden sind nicht normal. Sie tragen leuchtend bunte Capes, und wenn sie auftreten, dann brennt der Boden, und ganze Städte liegen danach in Schutt und Asche. Und jetzt hat die Designszene ihren eigenen gefunden: Naoto Fukasawa. Auf der Kölner Möbelmesse durfte er zuletzt seine Vision des „idealen Hauses“ vorstellen. Doch statt Farbe und Knalleffekte setze er auf ein Ambiente Weiß in Weiß, in dem nicht nur Regal und Sofa, sondern auch Badewanne und Bildschirm, Lampe und CD-Player, Luftbefeuchter, Toaster und andere Hausgeräte gerade wegen ihrer bestechenden Einfachheit ins Auge fallen. Zurückhaltend wie Clark Kent, die bürgerliche Existenz von Superman.

„Held des Supernormalen“ nennt man ihn – da lacht der kleine Mann mit dem unauffälligen Gebaren, typisch Japaner, amüsiert auf, um gleich ernst nachzusetzen: „Ich hab's gern normal.“

Doch wieso dann dieser ordinäre Superlativ? Wieso diese acht Meter hoch aufragenden weißen „Zimmerwände“ der Kölner Show, in denen man sich aufs Sofa setzt wie zu Hause – und sich fühlt wie auf einer metropolitanen Plaza? „Ja genau“, sagt Fukasawa, „das ist nicht der Normalfall. Aber Wand ist Wand, Wand bildet Raum, und eine hohe Wand bildet einen anderen Raum als eine niedrige.“ Ergo: „Auch zwischen diesen hohen Wänden können die Menschen eine altvertraute Erfahrung machen. Sie können sich zum Beispiel fühlen wie in einer Kathedrale. Insofern ist dieses Haus normal.“ Oder eben, sagt Fukasawa, „supernormal“.

Bislang hat nur ein Produkt, das Fukasawa in Köln zeigte, den Weg auf den europäischen Markt gefunden: ein kleiner, an der Wand hängender CD-Player von Muji. Ein Welterfolg, mit dem der Name Fukasawa erstmals auch dem breiten designinteressierten Publikum bekannt wurde – und das einzige Produkt des japanischen Kultlabels für Basic Design, von dem man den Entwerfer kennt.

Als Fukasawa den Discplayer anno 2000 entwarf, nannte man solch streng reduziertes Design in der Art von Jasper Morrison noch „neue Einfachheit“ oder „minimalistisch“. Doch seit dem letzten Sommer, seit Fukasawa zusammen mit Morrison eine kleine Tokioter Ausstellung von unauffälligen, gängigen Gebrauchsgegenständen so nannte, wird es unter dem Schlagwort „supernormal“ wie eine Neuentdeckung gefeiert. Und der Star der Stunde heißt Fukasawa.

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