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16.05.2012

09:55 Uhr

Deutsche Fotoauktionen

Auf keinen Fall stromlinienförmig

VonChristiane Fricke

Die Kataloge der deutschen Fotoauktionen sind immer gut für Entdeckungen. Sie enthalten aber auch etablierte Positionen von sehr guter Qualität. In dieser Mischung liegt ihre Stärke. Anders als die großen internationalen Auktionshäuser bieten sie eben nicht nur das sicher Verkäufliche.

Arnold Newman: "Igor Strawinsky, New York City", 1946, späterer Abzug. (Ausschnitt) Villa Grisebach, Berlin 2012

Arnold Newman: "Igor Strawinsky, New York City", 1946, späterer Abzug. (Ausschnitt)

KölnDie Frühjahrsauktionen für Fotografie stehen vor der Tür. Den Auftakt macht Lempertz am 23. Mai. Knapp 200 Lose kommen zum Aufruf. Wie schon im Herbst sind die inzwischen hoch geschätzten Landschaftsphotographien von August Sander dabei, sämtlich in den fünfziger Jahren abgezogen, mit dem für Sander charakteristischen schwarzen Tuschrand versehen und originalmontiert. Für seine Aufnahme der Rheinschleife bei Boppard von 1938 werden 8.000 Euro erwartet, ebenso für eine Rückenansicht des Fotografen hoch über dem Rhein und die Insel Nonnenwerth.

Die deutschen „Blue-Chips“

Otto Steinert zählt ebenfalls zu den hoch bewerteten deutschen Schwarzweiß-Klassikern. Es ist nicht unendlich viel Material auf dem Markt, da er nur das Beste aus seinen Händen entließ. Später wurde das, was keine Gnade vor seinen Augen gefunden hätte, posthum von seinem Sohn nach Abstimmung mit dem Museum Folkwang in Essen, das seinen Nachlass erhielt, vernichtet. Kein zweitrangiges Material sollte auf den Markt kommen. 1963 nahm der legendäre Lehrer und Vertreter der Subjektiven Fotografie die vom Meer reflektierte „Sonne von Amalfi“ auf und schuf damit ein fast abstraktes Bild. Wie im Herbst kann Lempertz auch diesmal wieder mit einem großformatigen Vintage-Abzug aufwarten – zur Taxe von 8.000 bis 10.000 Euro.

Von Heinz Hajek-Halke werden zwei seiner experimentellen Lichtmontagen zum Schätzpreis von 3.000 bis 4.000 Euro angeboten. Die Spitzenlose der zeitgenössischen Fotografie, darunter große Abzüge der "Anonymen Skulpturen" von Bernd und Hilla Becher, Arbeiten von Jürgen Klauke und Marie-Jo Lafontaine, werden bereits nachmittags im Rahmen der Auktion „Zeitgenössische Kunst“ aufgerufen. Top-Los ist eine farblich attraktive „Spüle“, die Thomas Demand 1995 aus Papier eigens für die Kamera baute (25.000 bis 30.000 Euro).

Aufgetakelte alte Dame

Am 30. Mai folgt die Villa Grisebach in Berlin mit 210 Losen. Wieder ist ein Eduard Boubat dabei, der französische Schwarzweiß-Fotograf, der einst in den siebziger Jahren von Ann und Jürgen Wilde in den damals noch blutjungen deutschen Fotomarkt eingeführt wurde. Grisebach hatte schon im letzten Herbst einen Print im Angebot, der für einen guten Preis verkauft werden konnte. Für seinen im Winter 1955 fotografierten Jardin du Luxembourg werden 5.000 bis 7.000 Euro erwartet. Hohe Erwartungen knüpfen sich an Man Rays signiertes Picasso-Porträt von 1933, das mit 15.000 bis 25.000 Euro bewertet ist.

Historische Bedeutung hat das berühmte Bildnis einer aufgetakelten alten Dame, das Lisette Model in San Francisco 1949 fotografierte. Den Abzug machte Gerd Sander 1977, ein Jahr, nachdem er in Washington sein Debüt als Galerist gegeben hatte – mit niemand geringerem als Model. Als Sander sie wegen dieser Ausstellung angefragt hatte, soll sie ihm geantwortet haben: „Ach Darling, ich hab überhaupt keine Abzüge“. Grisebach hat 3.000 bis 4.000 Euro für den Print angesetzt.

Zu den Top-Lots bei Grisebach zählt sicher Bernd und Hilla Bechers Kassette „Industriebauten“ mit zehn Baryt-Abzügen von 1968; Schätzwert: 15.000 bis 20.000 Euro. Im Bereich der zeitgenössischen Fotografie dürften Arbeiten von Martin Parr und Städtebilder von Thomas Struth von Interesse sein.

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