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29.09.2011

19:39 Uhr

Deutscher Fernsehpreis

„Dschungelcamp“ nominiert

Beim deutschen Fernsehpreis feiert sich die Branche selbst. Die Auszeichnung, die Marcel Reich-Ranicki einst erst nicht annehmen wollte, ist wegen der hohen Zahl der Kategorien und den Nominierungen selbst umstritten.

Berlin/KölnDas Bild am kommenden Sonntagabend wird dem aus den vergangenen Jahren gleichen: Auf dem roten Teppich vor dem Kölner Coloneum werden die Stars der TV-Branche vor den Fotografen posieren, bevor sie sich im Saal die 13. Verleihung des Deutschen Fernsehpreises zu Gemüte führen. Bezahlte Claqueure werden die 1200 Ehrengäste beim Einzug in die Veranstaltungshalle mit Beifall überschütten. Der Privatsender RTL überträgt die von Nazan Eckes und Marco Schreyl moderierte Gala einen Tag später um 20.15 Uhr.

Doch das Schaulaufen der Prominenz kann nicht darüber hinweg täuschen, dass der Fernsehpreis auch nach Jahren der Diskussion immer noch nicht seine endgültige Form gefunden hat. Innerhalb der neunköpfigen
Jury herrschen verschiedene Meinungen über die künftige Ausrichtung: So plädiert zum Beispiel RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger für die jetzige Fassung, die Preise weiterhin in den zwölf wichtigsten Kategorien
zu vergeben. Schauspieler Hans-Werner Meyer will dagegen wieder mehr Vielfalt in den Preis bringen und auch weniger publikumswirksame Kategorien wie Drehbuch, Regie oder Ausstattung bedacht wissen.

Auch der Bundesverband der Film- und Fernsehregisseure kritisierte den Vergabe-Modus. „Ausgezeichnet werden nämlich überwiegend nicht mehr die Schöpfer kreativer Werkleistung, sondern „Sendungen““, hieß es in einer in Berlin verbreiteten Mitteilung.

„Eine amorphe Huldigung des eigenen Sendeprodukts“

„Was als Sammelauszeichnung eher vornehm umschrieben ist, ist im Grund eine amorphe Huldigung des eigenen Sendeprodukts.“ Gerügt wurde insbesondere auch die Haltung von RTL-Unterhaltungschef Sänger.
Sollten auch die anderen Sender mit dieser Einstellung einverstanden sein, deute das auf „eine kaum zu verhehlende Reformunfähigkeit der Sender“.

Dazu gehört auch, dass von den ausrichtenden Sendern stets die Wage bei den Nominierungen gehalten werden muss. Herauskommen Nominierungen für die bei VOX und Kabel eins ausgestrahlten Dokusoaps „Goodbye Deutschland“ und „Stellungswechsel - Job bekannt, fremdes Land“. Auch mögen sich einige Zuschauer fragen, ob das „Dschungelcamp" in der Kategorie Beste Unterhaltung, tatsächlich das beste war, was im vergangenen Jahr über die Bildschirme lief. In der gleichen Kategorie sind außerdem „Let's Dance" und der „Eurovision Song Contest" nominiert. Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki hatte 2008 für einen Eklat gesorgt als er seinen Preis für sein Lebenswerk mit dem Verweis auf die Qualität der nominierten Sendungen abgelehnt hatte: „Ich finde es schlimm, dass ich das hier heute Abend erleben musste - diesen Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen haben", hatte er damals vor laufender Kamera gesagt. Etwas geändert hat es nicht. Und den Preis nahm er auch kurz darauf doch an.

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