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03.02.2017

08:41 Uhr

Deutscher Fernsehpreis

Keine Angst vor Netflix und Amazon

VonNoah Gottschalk

Mehr Mut, mehr Geld: Streaming-Anbieter wie Netflix und Amazon greifen das Fernsehgeschäft an. Noch sieht es gut aus für die Sendeanstalten, das Interesse am klassischen Fernsehen ist ungebrochen hoch. Wie lange noch?

Moderatorin Barbara Schöneberger und Preisträger Tim Mälzer: Vor rund 350 Persönlichkeiten aus dem TV-Geschäft wurde am Donnerstagabend in Düsseldorf der Deutsche Fernsehpreis verliehen. ZDF/Sascha Baumann

Deutscher Fernsehpreis 2017

Moderatorin Barbara Schöneberger und Preisträger Tim Mälzer: Vor rund 350 Persönlichkeiten aus dem TV-Geschäft wurde am Donnerstagabend in Düsseldorf der Deutsche Fernsehpreis verliehen.

DüsseldorfBunte Bilder flackern über den TV-Bildschirm, die gesamte Familie sitzt gebannt vor dem Fernseher. Plötzlich, an der spannendsten Stelle, unterbricht das Programm. Der Werbeblock beginnt - und der ausstrahlende Sender verdient Geld. Dieses klassische Fernsehgeschäft funktioniert noch immer gut, „2016 haben wir mit unseren Sendern beim Gesamtpublikum Marktanteile dazugewonnen“, erklärt Konstantin von Stechow, Pressesprecher der Mediengruppe RTL.

Doch der Samstagabend vor der Flimmerkiste ist in Gefahr: Streaming-Anbieter aus dem Internet greifen die Sendeanstalten an. Mit günstigen Preisen und Werbefreiheit wollen Netflix und Co. die Zuschauer von den Fernsehgeräten weglocken.

Das kommt an: Schon heute sind 43 Prozent aller Internet-Nutzer in Deutschland auf kostenpflichtigen Video on Demand-Angeboten unterwegs - das sind rund 24 Millionen Menschen, fand das Marktforschungsinstitut Goldmedia im vergangenen Jahr heraus.

Der Deutsche Fernsehpreis 2017: Die Preisträger

Filme

Bester Fernsehfilm: „Familienfest“ (ZDF)
Beste Serie: „Club der roten Bänder“ (Vox)
Bester Mehrteiler: „Mitten in Deutschland: NSU – Die Täter/Die Opfer/Die Ermittler“ (ARD/SWR/BR/WDR/MDR)

Schauspieler

Bester Schauspieler: Martin Brambach
Beste Schauspielerin: Sonja Gerhardt

Regie

Beste Regie: Lars Kraume („Terror – ihr Urteil“ (ARD/rbb)) und „Familienfest“ (ZDF)

Unterhaltung

Beste Comedy/Kabarett: „Das Lachen der Anderen“ (WDR)
Beste Unterhaltung Primetime: „Die Beste Show der Welt“ (ProSieben)
Beste Moderation Unterhaltung: „Rocket Beans TV“ (Internetsender)
Beste Unterhaltung Late Night: „NEO MAGAZIN Royale“ (ZDF/ZDF neo)
Bestes Factual Entertainment: „Kitchen Impossible“ (Vox)

Information

Beste Information: „Panama Papers – Im Schattenreich der Offshorefirmen“ (Story im Ersten/ARD/NDR/WDR)
Beste Persönliche Leistung Information: Christiane Meier („ARD Morgenmagazin“/ARD/WDR)
Bestes Infotainment/Talksendung: „Galileo“ (ProSieben)

Report

Beste Dokumentation/Reportage: „Das Schicksal der Kinder von Aleppo – Neue Heimat Deutschland“ („auslandsjournal – die doku“/ZDF)

Sport

Beste Sportsendung: Tennis: Australian- und US Open Finals der Damen (Eurosport)

Buch/Kamera/Schnitt

Bestes Buch: Annette Hess („Ku'damm 56“/ZDF)
Beste Kamera: Frank Lamm („Mitten in Deutschland: NSU - Heute ist nicht alle Tage: Die Täter“/ARD/SWR)
Bester Schnitt: Claudia Wolscht („Die Zielfahnder - Flucht in die Karpaten“/ARD/WDR)

Musik/Ausstattung

Beste Musik: Heiko Maile („Winnetou“/RTL)
Beste Ausstattung: Matthias Müsse („Winnetou“/RTL)

Sonderpreise

Ehrung fürs Lebenswerk: Senta Berger
Förderpreis: „Wishlist“ (Mystery Webserie des öffentlich-rechtlichen Jugendsenders funk)

Bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises in Düsseldorf geben sich die TV-Persönlichkeiten zuversichtlich, dass das Fernsehen auch in Zeiten von Streaming-Anbietern eine Chance hat. Seit Jahren steht Bastian Pastewka als Comedian und Schauspieler vor der Kamera, lebt vom klassischen TV-Geschäft. Für ihn sind Streaming-Dienste und das Fernsehen gar keine Konkurrenten: „Die Idee des Anbietens, sowohl bei den Streaming-Diensten als auch beim Fernsehen bleibt gleich. Das ist eine Frage der Generation.“

„Die Idee des Anbietens, sowohl bei den Streaming-Diensten als auch beim Fernsehen bleibt gleich. Das ist eine Frage der Generation.“ Noah Gottschalk

Bastian Pastewka, Comedian

„Die Idee des Anbietens, sowohl bei den Streaming-Diensten als auch beim Fernsehen bleibt gleich. Das ist eine Frage der Generation.“

Der Comedian geht davon aus, dass sich das Publikum aufteilen wird. Der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF), Willibald Müller, stimmt ihm zu: „Wir werden in Zukunft mehr zeitversetzte Nutzung erleben, die Zuschauer werden sich auch auf verschiedene Plattformen verteilen. Das Rennen ist komplett offen. Netflix ist dabei nicht automatisch als Sieger gesetzt.“

„Wir müssen das weiter machen, was wir am besten können: gute Qualität produzieren“, sagt Tom Buhrow, Intendant des WDR. Großen Veränderungsbedarf sieht er nicht. Kollegin Anke Schäferkodt, die Chefin der Mediengruppe RTL, empfiehlt: „Wir müssen verstärkt auf Eigenproduktionen setzen und Image-prägende Produktionen selber in der Hand haben. Von amerikanischen Serien und Filmen dürfen wir uns nicht zu sehr abhängig machen.“

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