Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.05.2011

20:06 Uhr

Deutscher Kunsthandelsverband

„Reizwort: Vertrauensschutz“

VonChristiane Fricke

Nach dem jüngsten Fälschungsskandal Jägers macht der Kunsthandel Hausaufgaben. Mit welchen Mitteln kann er Vertrauen zurückgewinnen? Diese Frage stand im Zentrum einer Tagung des Deutschen Kunsthandelsverbandes.

Markus Eisenbeis redet dem Kunsthandel ins Gewissen. Quelle: Peter-Paul Weiler, Berlin-event

Markus Eisenbeis redet dem Kunsthandel ins Gewissen.

DüsseldorfFür die meisten Beobachter sind die durch Vertrauensverlust verursachten Schäden, die etwa der Fälschungsfall Jägers auf dem Kunstmarkt anrichtet, eher unsichtbar. Kaufen die Leute jetzt etwa aus Angst weniger Kunst als zuvor? Es sieht nicht so aus. Was aber gewiss ist: Sie gehen mutmaßlich kritischer, also mündiger an diese Art von Handel heran. Das wird Folgen haben. Der angestoßene Lernprozess wird die Geschäftsbeziehung qualitativ verändern.

Offen mit Preisen umgehen

Dreh- und Angelpunkt einer vertrauensvollen Geschäftsbeziehung ist Transparenz, und zwar auch der Preispolitik. Es war ein Auktionator, der dies dem Handel am 10. Mai ins Stammbuch schrieb: Markus Eisenbeis, Inhaber des Kölner Auktionshauses Van Ham und Referent auf der vom Deutschen Kunsthandelsverband (DK) organisierten Tagung über „Vertrauen und Vertrauensschutz im Kunsthandel“.

„Mein Credo lautet: offen mit Preisen umzugehen, gerade wenn die Werke über Auktionen gekauft wurden“, erläutert Eisenbeis in einem Nachgespräch mit dem Handelsblatt. Dieses geradezu revolutionäre Plädoyer schmeckt vielen Kunsthändlern nicht, wie die Diskussion im Anschluss zeigte. Verständlich, Transparenz engt ausgerechnet jene Spielräume ein, die das traditionell diskrete Geschäft eröffnet. „Doch gegen Transparenz zu kämpfen, ist wie ein Kampf gegen Windmühlen“, gibt der Auktionator zu bedenken. Im Übrigen werde das Preisrad nicht selten überzogen, konstatierte Eisenbeis, der seine Ausführungen auf eine grundlegende Käuferuntersuchung der Tefaf stützen konnte. „Mit klaren Margen arbeiten“, schlägt er vor. „Die Leute kriegen es sowieso heraus“. Keiner wolle zuviel zahlen und viele sähen in der Kunst auch ein gutes Investment. „Wenn einer feststellt, dass er das Drei- oder Vierfache bezahlt hat, dann wird er mit dem Händler nicht mehr reden. Dann hat der Händler den Kunden verloren.“

Das Angebot ins Internet stellen

„Mein Credo ist auch: Der Handel muss sein Angebot im Internet präsent machen“, ergänzte Eisenbeis. „Das Internet hat Fakten geschaffen. Der Handel muss eine Strategie entwickeln, wie er damit umgehen kann“. Vorgemacht haben es die Versteigerer mit ihrer Internetpräsenz, Angebotsplattformen und Preisdatenbanken. Sie bieten Service und profitieren davon in zunehmendem Maße. Das beweist nicht zuletzt 82 Millionen Euro-Umsatz, den 2010 insgesamt 173 an der Auktionsdatenbank Lottissimo beteiligte Versteigerer machten. Der Handel hinkt hinterher. „Es gibt keine richtig große Plattform“, moniert der Kölner Versteigerer. Der englischsprachige Dachverband der Kunst- und Antiquitätenhändlervereinigungen, Cinoa, hat jetzt eine vorbildliche Plattform herausgebracht für den Handel, die beworben werden müsse. Eine Plattform lebe vom Angebot. „Wenn nur 20 englische Händler mitmachen, ist das in Deutschland uninteressant“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×