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27.02.2017

07:41 Uhr

Die Oscar-Nacht

Riesenpanne auf der Bühne und dann der Knaller

VonPetrina Engelke

Die 89. Oscar-Verleihung endet mit einer Panne und liefert ein politisches Statement: Nicht das lustige Musical „La La Land“ wird bester Film, sondern das sozialkritische Drama „Moonlight“. Welch eine Überraschung.

Die Oscar-Nacht

Preisverleihung mit Panne - „Moonlight“ gewinnt als bester Film

Die Oscar-Nacht: Preisverleihung mit Panne - „Moonlight“ gewinnt als bester Film

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New YorkDie Oscar-Nacht endet mit einem Knall: „Das ist kein Scherz“ heißt es, mehrfach. Ein paar Leute scheinen dennoch zu lachen. Aber dann wird allen gewahr: Der Oscar für den besten Film geht tatsächlich nicht an „La La Land“, sondern an „Moonlight“.

Bei der Anmoderation hatten die Hollywood-Legenden Warren Beatty und Faye Dunaway den falschen Umschlag in den Händen und verkündeten daher zunächst auch den falschen Gewinner. Nach kurzem Chaos auf der Bühne kommt das sichtlich verwirrte Ensemble von „Moonlight“ auf die Bühne – und legt trotz allem eine tolle Dankesrede hin.

Die für einen reibungslosen Ablauf zuständige Gesellschaft PricewaterhouseCoopers entschuldigte sich nach der Gala: Den Presentern seien versehentlich die Umschläge für die falsche Kategorie überreicht worden, heißt es in dem Statement der Wirtschaftsprüfer, die seit Jahrzehnten auch für die geheime Zählung und Auswertung der Stimmen bei der Oscar-Abstimmung zuständig sind.

Unterdessen titeln viele US-Medien zunächst mit dem falschen Film, und die sozialen Medien sind statt mit Hashtags plötzlich mit Fragezeichen gesprenkelt. Den restlichen Abend lang stand eine andere Frage im Raum. Wird es eine politische Nacht?

Oscar 2017: Historische Panne und die Reaktionen

Das falsche Team

So etwas hat es bei den Oscars noch nie gegeben: Das Team des Musicals „La La Land“ steht in Hollywood bereits jubelnd auf der Bühne und feiert seinen Oscar für den besten Film. Doch dann bricht der Jubel jäh ab.

Umschläge verwechselt

Nicht „La La Land“, sondern das Schwarzen-Drama „Moonlight“ hat den wichtigsten Preis des Abends gewonnen. Schuld an dem Durcheinander ist eine Riesenpanne mit verwechselten Umschlägen, in denen die Karten mit den Gewinnern stecken.

Historisch

Die Hollywood-Legenden Warren Beatty und Faye Dunaway hatten den falschen Umschlag in den Händen und verkündeten daher zunächst auch den falschen Gewinner. Damit wird diese Oscar-Gala nicht - wie erwartet - mit Kritik an US-Präsident Donald Trump in Erinnerung bleiben, sondern mit dem Chaos der letzten Showminuten.

Dunaway prescht vor

Er habe sich gewundert, dass auf dem Zettel „Emma Stone“ und „La La Land“ gestanden habe, sagte ein sichtlich geknickter Beatty (79) kurz nach der Panne. Deswegen zögerte er auf der Bühne wohl auch einige Momente, einen Gewinner zu verkünden. Die neben ihm stehende Dunaway (76) hingegen las dann einfach den Filmtitel ab: „La La Land“. Offenbar hielten die Beiden aber noch den Umschlag der vorausgegangenen Kategorie in den Händen, bei der Emma Stone als beste Hauptdarstellerin gewonnen hatte.

Wie konnte das passieren?

Es gibt jeden Gewinner-Umschlag zweimal! Zwei Angestellte der Wirtschaftsprüfungsfirma PricewaterhouseCoopers haben je eine spezielle Aktentasche mit jeweils einem Set aller 24 Gewinner-Umschläge. Die beiden stehen während der Show rechts und links der Bühne und geben den „Presentern“ - je nachdem aus welcher Ecke diese auf die Bühne kommen - den aktuellen Umschlag, wie die „Los Angeles Times“ erklärt.

Entschuldigung

Der Umschlag mit der Karte „Hauptgewinnerin“ ist offenbar zweimal ausgeteilt worden. Das für die Oscar-Umschläge verantwortliche Unternehmen PricewaterhouseCoopers hat sich für die Panne bei der Oscar-Verleihung entschuldigt. Den Laudatoren seien versehentlich die Umschläge für die falsche Kategorie überreicht worden, heißt es in einem Statement der Wirtschaftsprüfer.

Moderator

Am Ende der Show nahm Moderator Jimmy Kimmel ironisch die Schuld auf sich: „Ich weiß, was passiert ist. Ich gebe mir selbst die Schuld (...). Ich wusste, ich würde diese Show vermasseln. Ich verspreche, ich komme nie wieder.“

Schauspielerin Jessica Chastain

„Gott sei Dank ist die Sache mit dem falschen Umschlag nicht bei einer Schauspieler-Kategorie passiert“. Reaktion auf Twitter.

Filmemacher Michael Moore

„Stellt euch eine einzelne weinende Schauspielerin auf der Bühne vor.“ Er forderte scherzhaft gleich eine neue „Auszählung“ des Wettbewerbs.

Scherze

Andere Nutzer scherzten, dass auch der umstrittene US-Präsident Donald Trump wohl auf ähnliche Weise zum Präsidenten gewählt worden sein müsse.

Sorgen

Viele machten sich auf Twitter Sorgen, dass wegen der Panne nun der eigentliche Gewinner nicht mehr zur Geltung kommen könnte. „Ich hoffe, dieser Mist lenkt nicht davon ab, dass der Sieg von „Moonlight“ als bester Film verdammt nochmal monumental ist“, teilte der US-amerikanische Schauspieler Bryan Safi über den Kurznachrichtendienst mit.

Diese Frage beantwortet sich gleich zu Beginn der 89. Oscar-Verleihung in Los Angeles. „Millionen Amerikaner sehen diese Show, und Menschen in 225 Ländern, die uns neuerdings hassen.“ Talkshow-Moderator Jimmy Kimmel lässt als Gastgeber von Beginn an keine Gelegenheit aus für Seitenhiebe auf Donald Trump, sein Kabinett und seine Politik.

Die zum 20. mal nominierte und mit bereits drei Oscars ausgezeichnete Meryl Streep begrüßt er, indem er ihr für ihre „vielen uninspirierten und überbewerteten Auftritte“ dankt – das Publikum quittiert diese Anspielung an Donald Trumps Reaktion auf Streeps Rede bei den Golden Globes mit tosendem Applaus.

Ebenso gern nimmt TV-Moderator Kimmel die Filmbranche auf die Schippe. Mehrmals regnet es für die Prominenten im Saal Süßigkeiten von der Decke. Es gibt eine Extraversion seines Talkshow-Elements „Mean Tweets“, in dem Schauspieler wie Robert de Niro und Emma Stone böse Tweets über sich vortragen.

Kommentare (12)

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Herr Andreas Kertscher

27.02.2017, 09:12 Uhr

"225 Länder, die uns neuerdings hassen"? Das heisst, diese 225 Länder haben die USA vorher geliebt? Hollywood lebt halt in seiner ganz eigenen Welt, losgelöst vom Rest.

Herr Andreas Kertscher

27.02.2017, 09:14 Uhr

Nach Wikipedia gibt es überhaupt nur 194.

Herr Andreas Kertscher

27.02.2017, 09:29 Uhr

Ach so, ja klar: "Künstlerische Freiheit". Hollywood, CNN und Böhmermännchen dürfen ja sagen, was sie wollen. Wahrheit ist da nicht gefragt.

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