Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2007

07:00 Uhr

Die richtige Schlafunterlage

Titanic-Bettgeschichte

VonStefan Wimmer

Einst ruhten die Passagiere der Titanic auf ihnen, jetzt reisen sie auf der Queen Mary II durch die Weltmeere. Doch für eine Nacht auf den Matratzen der britischen Manufaktur Vi-Spring muss niemand in See stechen.

Manche mögen denken, ein dickes Bankkonto sei ein gutes Ruhekissen. Falsch. Ein kleines Vermögen wiegt einen erst richtig gut in den Schlaf, wenn es in die richtige Schlafunterlage investiert wurde. Und wenn die Matratze von der britischen Manufaktur Vi-Spring stammt, ist das Konto sehr schnell um einen fünstelligen Betrag erleichtert.

Vi-Spring ist jetzt gute 105 Jahre alt und schreibt sich selbst die Erfindung der Taschenfederkern-Matratze auf die Fahnen. Vorher federte ein zusammenhängendes Geflecht den Schlafwilligen an den Rand der Seekrankheit. Doch die Briten nähten einzelne Federn in Stoffsäckchen und fügten diese zu einer Unterlage zusammen. Über 1000 Stück können das bei Vi-Spring leicht sein.

Diese neuartigen Matratzen wurden mit Vorliebe in den besten Hotels genutzt. Und auf den Luxuslinern, die Passagiere von Europa in die USA brachten. Auch an Bord der Titanic schipperten Vi-Springs, und vielleicht fände man heute noch die ein oder andere Taschenfeder auf dem Meeresgrund. Die Passagiere jedenfalls kamen auf den Geschmack, sich privat ebenfalls mit einer Nobelmatratze auszustatten.

Die Großeltern und Eltern von manchem Vi-Spring-Arbeiter haben zu Titanic-Zeiten schon in dem kleinen Werk in Ernesettle bei Plymouth die Polster gestopft. Kein Wunder, ist die Bettenkunde doch beinahe so etwas wie eine Geheimwissenschaft. Bei Vi-Spring trainieren neue Arbeiter acht Monate lang, bis sie an den Belag der einfachen Modelle gelassen werden. Wer ein Signatory-Modell zusammensetzen will, der braucht auf jeden Fall fünf Jahre Übung.

Den Kern der Signatory-Matratze, des Flaggschiffs der Bettenkollektion, bilden zwei Lagen Federn. 3 360 Federn werden in einem Zwei-mal-zwei-Meter-Bett verarbeitet. Die Taschen werden wabenförmig angeordnet, damit sie nicht kippen oder verrutschen können. Die Wollbüschel, mit denen die Liegestatt gepolstert wird, sortiert der Bettenbauer von Hand und befestigt sie schließlich auf der Federunterlage. Natürlich handelt es sich nicht um schnöde Baumwolle, sondern um feinste Lambswool, Rosshaar und Kaschmir. Über 20 Kilo Polstermaterial liegen schließlich obenauf.

Natürlich kann man sich auch Matratzen in Sondergrößen, -formen oder in speziellen Stoffen nähen lassen. Und damit die Haushälterin auch weiß, an welchem edlen Schlafgemach sie sich mit der Bettwäsche zu schaffen macht, zieren die Signatory-Matratzen Schilder mit dem Namen des Besitzers.

Wer knapp 20 000 Euro für sein Bett ausgibt, der gibt sich natürlich nicht mit Ikea-Bettwäsche zufrieden. Die richtigen Kopfkissen und Federbetten sind natürlich aus Eiderdaune, die wird nicht gerupft, sondern ganz ökologisch grammweise aus den Gänsenestern gesammelt. Aus Nanobatist und mit isländischen Eiderdaunen kosten solche Decken etwa 4 000 Euro pro Stück. Bettwäsche von Pratesi schlägt schnell mal mit 1 500 Euro pro Hülle zu Buche.

Wer allerdings über solch eine Entscheidung lieber eine Nacht schlafen möchte, kann durchaus Probe schlafen – in einem britischen Hotel. In London nutzen beispielsweise das Hempel, Goring, Cranley und eine ganze Reihe weiterer Fünf-Sterne-Häuser Vi-Spring-Matratzen (vorher fragen, nicht alle Zimmer sind so ausgestattet). Und auf der Queen Mary II fahren – wie seinerzeit auf der Titanic – ebenfalls die edlen Unterlagen mit. Der Test an Bord empfiehlt sich jedoch nur für Menschen, die nicht zum Aberglauben neigen. Die finden sonst ob des schlechten Omens nicht in den Schlaf.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×