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22.09.2016

10:46 Uhr

Die Serie „Moni's Grill“ startet

Derbe Kost aus München

Der Regisseur Franz Xaver Bogner setzt in seiner neuen Serie starke Frauenfiguren in Szene. Derbe bayerische Sprüche sind dabei inklusive. Und nicht nur am Grill sind Experimente erlaubt.

In der Serie geht nicht zuletzt um die derben bayerischen Sprüche der lebensfreudigen Wirtin Moni Schweiger – gespielt von Monika Gruber. dpa

„Moni's Grill“

In der Serie geht nicht zuletzt um die derben bayerischen Sprüche der lebensfreudigen Wirtin Moni Schweiger – gespielt von Monika Gruber.

München„Zefünferl jetzt ist die ganze Soß im Arsch“, grantelt Köchin Toni aus der Küche und schleudert den Kochlöffel weg. Das fiktive Lokal „Moni's Grill“ am Münchner Viktualienmarkt ist Schauplatz eines skurrilen, bayerischen Familienunternehmens – oder besser: Frauenunternehmens. Denn was man als Zuschauer in der neuen, gleichnamigen Serie von Franz Xaver Bogner serviert bekommt, geht weit über Braten und Knödel hinaus – es geht nicht zuletzt um die derben bayerischen Sprüche der lebensfreudigen Wirtin Moni Schweiger (Monika Gruber) und ihrer temperamentvollen Schwester und Köchin Toni (Christine Neubauer) sowie ihrer sarkastischen Mutter Christa (Sarah Camp), die die Fäden in der Hand hält.

Die Serie startet an diesem Donnerstag (22. September, 23.30 Uhr) im Ersten. Die Folgen sind außerdem freitags um 19.30 Uhr im BR Fernsehen zu sehen. Wie so oft in Bogners Werk übernehmen auch diesmal starke Frauen die Führung. „Ich halte Männer für viel schwächer“, sagte der Regisseur der Deutschen Presse-Agentur anlässlich der Fernsehpremiere, „deshalb wirken sie auch oft so komisch“. Frauen zeichneten sich bei ihm zumeist durch charakterliche Stärke, Kraft, Mut und Abenteuerlust aus, sagte Bogner. Diese Eigenschaften spiegeln sich auch in der Wahl der Schauspielerinnen wider.

9,5 mögliche Gründe gegen den Tatort

1. Zuviel

„Nennen Sie aus dem Stand alle aktuellen „Tatort“-Teams!“ Gar nicht so einfach. Über 20 Teams sind zurzeit im Einsatz, manche kommen nicht mal mehr jedes Jahr ins Fernsehen. Da bekommt mancher den Eindruck, dass die Dachmarke „Tatort“ ziemlich verwässert wird.

2. Deja-Vu

Oft sind im „Tatort“ dieselben Schauspieler als Opfer, Angehörige oder Tatverdächtige zu sehen, so als gäbe es nur ein paar Darsteller im deutschsprachigen Raum. In diesem Jahr war das bereits etwa bei Uwe Bohm, Jenny Schily, Emily Cox oder Armin Rohde auffällig. „Tatort“-Koordinator Gebhard Henke sagt dazu: „Die Rollen werden oft sehr kurzfristig besetzt. Und es gibt ja keine Zentralredaktion, sondern jede ARD-Anstalt organisiert das selber.“ Er leide auch darunter, glaube aber, dass es die Zuschauer kaum störe.

3. Polizeiarbeit-Darstellung

Wohl kaum jemand erwartet, dass es in Fernsehkrimis zugeht wie in der Realität. Aber mancher findet das Ausmaß an Falschheit, mit dem manchmal die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft dargestellt wird, erschreckend. Schon zu Zeiten von „Prügelkommissar“ Schimanski kam die Frage auf: Untergräbt der „Tatort“ den Rechtsstaat?

4. Fehlender Regionalbezug

Per Definition sollen die verschiedenen „Tatorte“ regional gefärbt sein. Viele Darsteller der Kommissare und auch die Drehbuchautoren wohnen allerdings in Berlin. Ist das vielleicht der Grund, dass oft vieles austauschbar wirkt?

5. Vorspann

Wehe, man sagt etwas gegen den „Tatort“-Vorspann. Til Schweiger wagte das mal: „Den würde ich gerne ändern“, sagte er beim Jupiter Award 2012, „den Vorspann, der ist jetzt wirklich outdated.“ Das Echo war enorm, Titelmusik-Komponist Klaus Doldinger sagte zum Beispiel, solch ein Markenzeichen dürfe man nicht aufgeben. Schweiger ruderte zurück. Aber vielleicht hatte er ja einfach mal recht.

6. Selbstbezüglichkeit

Eigentlich lebt die Reihe von in sich abgeschlossenen Filmen mit Auflösung in der jeweiligen Folgen, nur die Ermittlerfiguren bleiben über mehrere Fälle. Doch mit Doppelfolgen und immer mehr Episoden, die an ältere Fälle anknüpfen, wird dieses Konzept zunehmend untergraben.

7. Twitter-Phänomen

Mancher genießt es, mancher ist einfach nur genervt, wenn Freunde und Bekannte am Sonntagabend scheinbar zusammenhangslos beim „Tatort“-Gucken Kommentare bei Twitter oder Facebook absetzen. Komiker Michael Kessler etwa findet Gucken, um zu kommentieren, „befremdlich“. In einem „taz“-Interview sagte er: „Man sollte sich auch einfach mal 90 Minuten auf etwas einlassen können. Ich lese ja auch nicht neben dem Fernsehen ein Buch.“

8. Tatort-Stars, die selbst kaum Tatort gucken

Immer wieder gibt es „Tatort“-Schauspieler, die selber sagen, dass sie ja eigentlich keine „Tatort“-Fans seien. Meret Becker (Berlin) gab im dpa-Interview zu, sie schaue den Sonntagskrimi selten: „Klar, manchmal bleib ich hängen und guck eher aus Versehen als aus beruflichem Pflichtbewusstsein.“

9. Betulichkeit

Angestrengt am deutschen Alltag orientiert und oft sozialpädagogisch und mit langweiligen Dialogen - das Klischee vom „Tatort“ ist hart, aber manchmal auch wahr. Viele jüngere Zuschauer haben sich längst an die schnelleren US-Serien gewöhnt.

Und der Grund neineinhalb

Ins Hintertreffen beim „Tatort“-Hype gerät oft der kleine Bruder mit DDR-Vergangenheit: das ARD-Format „Polizeiruf 110“. Dabei halten viele dessen Fälle oft für spannender. Ist der „Polizeiruf“ vielleicht der bessere „Tatort“?

Denn die Serie ist kein Zufallsprodukt, sie ist entstanden aus einer jahrelangen Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur Bogner und den drei Schauspielerinnen, die schließlich Bogners Vorbilder für ihre eigenen Rollen wurden. In Bogners Polizistenserie „München 7“ waren Gruber, Neubauer und Camp ebenfalls vertreten. „Moni's Grill“ spielt mit ihrer derben, direkten und manchmal komischen Art, mit der die Frauen Drohungen des Vermieters, des Finanzamts und anderen Problemen in der Münchner Gastronomie begegnen. Doch das eigentliche Kernstück der Serie gipfelt in einem Formatwechsel: von der Fiktion zum Talk.

In jeder Folge ist ein anderer Prominenter zu Gast, den Moni beim Essen interviewt. Doch selbst in diesen Szenen ist die Grenze zwischen Inszenierung und Interview schwer nachzuvollziehen, wechseln sich doch Spiel und ernsthaftes Gespräch stets ab – und selbst der Talk ist gewissermaßen Show. Dieses Verschwimmen der Grenze zwischen Fiktion und Talk, zwischen Drehbuch und freiem Gespräch, sei ausdrücklich erwünscht, so Bogner. Genau diese „angenehm merkwürdige Mischung zwischen dem, was tatsächlich Fiktion ist und dem, was echt ist“ habe er ausprobieren wollen, sagte der Regisseur.

„Moni's Grill“ zeigt ein München mit vielen Klischees, aber auch sehr realistischen Facetten, etwa bayerischem Humor und Grantlerei, Mietpreiserhöhungen und Geldnöten von gastronomischen Familienbetrieben. Ob Bogner glaube, dass die bayerische Art und der bayerisch-münchnerische Dialekt im Ersten gut ankomme? „Keine Ahnung“, sagte der Regisseur. „Vieles an „Moni's Grill“ ist Risiko.“

Von

dpa

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