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09.06.2012

17:17 Uhr

Die Toten Hosen

Punk und Profit an Tagen wie diesen

Tage wie diese – der Hit der Punkrockband Die Toten Hosen wird zur Fußball-EM sicher eine Art zweite deutsche Nationalhymne. Die Düsseldorfer Band um Sänger Campino wird es freuen. Macht sie doch damit ordentlich Kasse.

Erfolgreich wie nie: Die Toten Hosen haben nach 30 Jahren zum ersten Mal gleichzeitig in Deutschland, der Schweiz und Österreich die Spitze der Album-Charts erklommen. dpa

Erfolgreich wie nie: Die Toten Hosen haben nach 30 Jahren zum ersten Mal gleichzeitig in Deutschland, der Schweiz und Österreich die Spitze der Album-Charts erklommen.

DüsseldorfDie Toten Hosen sind geschickter als ihre Wettbewerber. Die 30 Jahre alte Formation ist längst auch zu einer Firma geworden, die den eigenen Reichtum mehrt. So gesehen werden wollen Campino & Co. aber auf keinen Fall. Auch deswegen haben sie gegen die Veröffentlichung eines Artikels in der Wirtschaftswoche über das kleine Imperium der Punk-Gruppe eine einstweilige Verfügung erwirkt. Die „tatsächliche Mentalität“ der Toten Hosen, so ihre Anwälte, sei „eben nicht nur betriebswirtschaftlich ausgerichtet“. Das zeige das „vielfältig ausgestaltete soziale Engagement“ der Band für „verschiedene gemeinnützige Zwecke“. Mag sein. Gegen die Grundaussage, dass die Toten Hosen auch erfolgreiche Kapitalisten sind, können sie allerdings nicht vorgehen.


In den 30 Jahren ihres Bestehens hat Deutschlands erfolgreichste Punk-Gruppe ein Minifirmenimperium aufgebaut, das die Marke nach allen Regeln der Betriebswirtschaft auf eigene Rechnung ausschlachtet.
Wie ein Derwisch fegt Campino über die Bühne. Sein Spagatsprung erreicht noch immer formidable Höhen. Beim Bad in der Menge wirft der Frontmann der Toten Hosen seinen athletischen, pitschnassen Körper in die ausgestreckten Arme der aufgewühlten Fans, die ihn durch das schweiß- und bierschwadengetränkte Hallenrund wuchten.
So kennen ihre Anhänger die Düsseldorfer Punk-Gruppe seit ihrer Gründung im April 1982. Helmut Kohl wurde Kanzler, das Telefon hatte noch eine Wählscheibe, da machten sich fünf picklige, großmäulige Rotzlöffel im Stile einer Schülerband auf die Tour durch Clubs und Hallen.

Kommentare (3)

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smarty_32

10.06.2012, 09:14 Uhr

ich finde die Kritik unangemessen.
Wenn man das ganze liest, spürte man eher den Wille alles selber auf die Beine stellen zu wollen und der Erfolg gibt den Herren recht.
Warum darf man als Punker nicht betriebswirtschaftlich denken? Um bei der Moral zu bleiben gilt immernoch: Wer Leistung erarbeitet hat den Ertrag VERDIENT, im Gegensatz zu den vielen Ziellesern aus der Banken- und Spekulantenwelt. KEINER erarbeitet Wertschöpfung, sondern sie bereichern sich mit dem Vermitteln oder der Spekulation, natürlich immer auf kosten anderer.
Ergo: Die DTH sind Vorbild für Grundtugenden: Leistung, Anstand, Fleiss, Beharrlichkeit...und die Musik ist einfach KLASSE! Danke Jungs und Gratulation für den (verdienten) Erfolg!

Realist

10.06.2012, 13:33 Uhr

@ smarty: das ist eine starke Relativierung. Man kann sich die Welt natürlich so zurechtbiegen, wie man sie sehen will. Fakt ist, dass sich die Kapitalismuskritik der Linken nicht nur auf Spekulanten bezieht sondern auf jegliche Individuen und Institutionen, die nach materiellem Reichtum streben. Es kommt dann eben nicht nur auf den Weg an, wie dieser Reichtum erwirtschaftet wird, sondern welche Bedeutung diesem beigemessen wird. Ergo ist es eben doch ein Widerspruch und in gewisser Weise verlogen. Kommt damit klar - es gibt eben keine "besseren" Menschen auf dieser Welt und die Jungs sind keine Heilsbringer sondern auch nur Menschen.

aptituz

11.06.2012, 21:14 Uhr

@ Realist

"die Kapitalismuskritik der Linken" – sicher, dass das nicht eine starke Verallgemeinerung der Dinge ist?

Woher kommt diese Überzeugung, dass die Hosen die Anti-Kapitalisten schlechthin wären, woher der Glaube, sie wären kommunistisch eingestellt?

1999 sangen sie: "Wir sind Helden, wir sind Diebe, wir nehmen’s so wie es grad kommt. Und wenn ihr an etwas glauben wollt, glaubt an Euch selbst und nicht an uns." –– klingt das vielleicht, als würden sie sich selbst als Helden sehen oder wollen, dass man sie derartig handhabt?

Richtig ist: Es sind keine Heilsbringer. Doch wo haben sie das behauptet?

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