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documenta-Rundgang

Die Weltlage im Blick

VonSusanne Schreiber

Die Documenta in Kassel reflektiert die aktuelle Zeit voller Unsicherheiten. Kunst behandelt hier die Themen Flucht und Migration, Demokratie und Bildung, Kolonialismus und Freiheit. Vieles davon ist nicht unumstritten. Hier eine Auswahl aus zehn Künstlern, die der Besucher nicht verpassen sollte.

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„WhenWeWereExhaling Images“ heißt die Installation aus 20 Röhren, die der aus dem Irak stammende Künstler Hiwa K gemeinsam mit Studierenden wohnlich einrichtet hat.  Die Studierenden leben und übernachten dort. Diese prekären Behausungen sind ein Bild für die Flucht und die gefährdete Existenz, ein Leitmotiv der documenta 14. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Hiwa K: „When We Were Exhaling Images“

„WhenWeWereExhaling Images“ heißt die Installation aus 20 Röhren, die der aus dem Irak stammende Künstler Hiwa K gemeinsam mit Studierenden wohnlich einrichtet hat. Die Studierenden leben und übernachten dort. Diese prekären Behausungen sind ein Bild für die Flucht und die gefährdete Existenz, ein Leitmotiv der documenta 14.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt

Das Leben in der Röhre ist drastisch reduziert, dem begegnen die Studierenden mit Witz: Hängematte, Schlafsack, aber auch eine Bibliothek ist eingerichtet. Es gibt Licht, einen Reinraum mit Kernseife und Bürsten und eine Küche. Auf ein paar abendliche Bier müssen sie nicht verzichten. Das Kneipen-Rohr heißt „Runde Spelunke“. Wer sie verlässt, darf noch nicht torkeln, denn er braucht die Leiter noch für den Abgang. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Hiwa K: Die runde Spelunke

Das Leben in der Röhre ist drastisch reduziert, dem begegnen die Studierenden mit Witz: Hängematte, Schlafsack, aber auch eine Bibliothek ist eingerichtet. Es gibt Licht, einen Reinraum mit Kernseife und Bürsten und eine Küche. Auf ein paar abendliche Bier müssen sie nicht verzichten. Das Kneipen-Rohr heißt „Runde Spelunke“. Wer sie verlässt, darf noch nicht torkeln, denn er braucht die Leiter noch für den Abgang.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt

Hiwa K erzählt der Handelsblatt-Redakteurin Susanne Schreiber, dass er selbst bei seiner Flucht, auf seinem Fußmarsch aus dem Irak, oft in Tunnels übernachtet hat. Hiwa mit dem kurzen Nachnahmen K ist eigentlich Maler. Seitdem er in Berlin lebt, macht er lieber Videos und Installationen. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Hiwa K im Gespräch mit Susanne Schreiber vor "The tunnel"

Hiwa K erzählt der Handelsblatt-Redakteurin Susanne Schreiber, dass er selbst bei seiner Flucht, auf seinem Fußmarsch aus dem Irak, oft in Tunnels übernachtet hat. Hiwa mit dem kurzen Nachnahmen K ist eigentlich Maler. Seitdem er in Berlin lebt, macht er lieber Videos und Installationen.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt

Halit Hozgat wurde in Kassel vom NSU in seinem Internet-Café erschossen. Sekundengenaue forensische Untersuchungen, die einen dort anwesenden Mitarbeiter des Verfassungsschutzes der Lüge überführen, blieben vor deutschen Gerichten ungehört. Jetzt nutzt die „Gesellschaft der Freund_innen von Halit“ die documenta 14, um ihre gut aufbereitete Computer-Dokumentation bekannt zu machen. Rudolf Wichert für Handelsblatt

„Gesellschaft der Freund_innen von Halit“

Halit Hozgat wurde in Kassel vom NSU in seinem Internet-Café erschossen. Sekundengenaue forensische Untersuchungen, die einen dort anwesenden Mitarbeiter des Verfassungsschutzes der Lüge überführen, blieben vor deutschen Gerichten ungehört. Jetzt nutzt die „Gesellschaft der Freund_innen von Halit“ die documenta 14, um ihre gut aufbereitete Computer-Dokumentation bekannt zu machen.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt

Kolonialismus ist eines der Themenfelder der d14. Theo Eshetu bricht den wertenden Blick der Völkerkundler in dem auf riesige Wände projizierten Digitalvideo „Atlas Fractured“ in schnellem Rhythmus. Ausgangspunkt sind Plakatmotive aus den Ethnologischen Museen in Berlin. Die überblendet er auf packende Art und Weise mit Gesichtern von lebenden Menschen. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Theo Eshetu: „Atlas Fractured“

Kolonialismus ist eines der Themenfelder der d14. Theo Eshetu bricht den wertenden Blick der Völkerkundler in dem auf riesige Wände projizierten Digitalvideo „Atlas Fractured“ in schnellem Rhythmus. Ausgangspunkt sind Plakatmotive aus den Ethnologischen Museen in Berlin. Die überblendet er auf packende Art und Weise mit Gesichtern von lebenden Menschen.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt

Der als Kind mit seinen Eltern aus Kamerun nach Paris emigrierte Bili Bidjocka liebt – ganz französisch – das Spiel mit den Worten und dem Esprit. In Athen und in Kassel lässt er Mannschaften Schach spielen. Immer entscheidet die Mehrheit über jeden Zug. In diesem so „eleganten wie ironischen Spiel kann man die Zeit anhalten“, erzählt er den Handelsblatt-Mitarbeitern. Rudolf Wichert für Handelsblatt; VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Bili Bidjocka

Der als Kind mit seinen Eltern aus Kamerun nach Paris emigrierte Bili Bidjocka liebt – ganz französisch – das Spiel mit den Worten und dem Esprit. In Athen und in Kassel lässt er Mannschaften Schach spielen. Immer entscheidet die Mehrheit über jeden Zug. In diesem so „eleganten wie ironischen Spiel kann man die Zeit anhalten“, erzählt er den Handelsblatt-Mitarbeitern.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt; VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Das projizierte Schachspiel schwebt auf einer Wasserfläche in einer alten Halle. Ein Perlenvorhang teilt sie vom übrigen Raum ab, auf dem ein Jacques Tati-Zitat steht, das er Künstler zwar liebt, das aber nichts zur Sache tut. Bili Bidjocka ist vor allem die Frage wichtig: „Spielen wir miteinander Schach oder gegeneinander?“ Rudolf Wichert für Handelsblatt; VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Bili Bidjocka: "The Chess Society"

Das projizierte Schachspiel schwebt auf einer Wasserfläche in einer alten Halle. Ein Perlenvorhang teilt sie vom übrigen Raum ab, auf dem ein Jacques Tati-Zitat steht, das er Künstler zwar liebt, das aber nichts zur Sache tut. Bili Bidjocka ist vor allem die Frage wichtig: „Spielen wir miteinander Schach oder gegeneinander?“

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt; VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Alina Szapocznikow (1926-1973) zählt zu den erst in den letzten zehn Jahren wieder entdeckten Künstlerinnen der 1960er-Jahre. Mit Abdrücken ihres schwer erkrankten Körpers führt sie mal surreale, mal dokumentarische Motive, wie hier das Bild der Freundinnen, ein in das, was später “Körperkunst” heißen wird. Rudolf Wichert für Handelsblatt; VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Alina Szapocznikow, “Souvenir I”

Alina Szapocznikow (1926-1973) zählt zu den erst in den letzten zehn Jahren wieder entdeckten Künstlerinnen der 1960er-Jahre. Mit Abdrücken ihres schwer erkrankten Körpers führt sie mal surreale, mal dokumentarische Motive, wie hier das Bild der Freundinnen, ein in das, was später “Körperkunst” heißen wird.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt; VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Die documenta will den kolonialen Blick auf Masken und Kunstwerke, die bis heute für Rituale indigener Völker benutzt werden, überwinden. Beau Dick (1955-2017) ist Indianer aus Kanada, der für Kassel und für Athen eine Vielzahl aufwendig gestalteter Masken geliehen hat. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Beau Dick: Masken aus der Serie "Atlakim"

Die documenta will den kolonialen Blick auf Masken und Kunstwerke, die bis heute für Rituale indigener Völker benutzt werden, überwinden. Beau Dick (1955-2017) ist Indianer aus Kanada, der für Kassel und für Athen eine Vielzahl aufwendig gestalteter Masken geliehen hat.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt

In Kassels neuestem Museum, der Grimmwelt, soll es um tröstende Erzählungen gehen. Das ist zwar bei der Shylock-Version des Israeli Roee Rosen nicht wirklich tröstlich. Dafür lernt der Besucher aber einen fabelhaft vielseitigen Zeichner kennen, in dessen Buchseiten man sich gerne vertieft. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Roee Rosen: The Blind Merchant

In Kassels neuestem Museum, der Grimmwelt, soll es um tröstende Erzählungen gehen. Das ist zwar bei der Shylock-Version des Israeli Roee Rosen nicht wirklich tröstlich. Dafür lernt der Besucher aber einen fabelhaft vielseitigen Zeichner kennen, in dessen Buchseiten man sich gerne vertieft.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt

In der Orangerie in der Karlsaue zieht betörender Acapella-Gesang von Mönchen den Besucher in die Video-Arbeit „Byzantion“ von Romuald Karmakar. Eigens für die documenta hat der bekannte Dokumentarfilmer „Byzantion“ in Griechenland und in Russland gedreht. Eine Gruppe Geistlicher singt traditionelle Lieder, die von einer langen Geschichte künden. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Romuald Karmakar: "Byzantion"

In der Orangerie in der Karlsaue zieht betörender Acapella-Gesang von Mönchen den Besucher in die Video-Arbeit „Byzantion“ von Romuald Karmakar. Eigens für die documenta hat der bekannte Dokumentarfilmer „Byzantion“ in Griechenland und in Russland gedreht. Eine Gruppe Geistlicher singt traditionelle Lieder, die von einer langen Geschichte künden.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt

Im Gespräch mit Susanne Schreiber erzählt der Künstler, der immer wieder vom Kino in die Kunst wechselt: „Anders als im Kino versuche ich bei Arbeiten für Ausstellungen den Film genau in den Raum zu integrieren.“ Die akustisch und optisch einnehmende Präsentation hat einen aktuellen Hintergrund. Für Karmakar, der als Kind in Griechenland lebte, geht die Trennung in Europa nicht von Nord nach Süd, sondern von West nach Ost. Das lateinische Europa versus das byzantinische Europa. So wie Vladimir Putin gerade agiert, bestätigt er Karmakars These. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Romuald Karmakar im Gespräch mit Susanne Schreiber

Im Gespräch mit Susanne Schreiber erzählt der Künstler, der immer wieder vom Kino in die Kunst wechselt: „Anders als im Kino versuche ich bei Arbeiten für Ausstellungen den Film genau in den Raum zu integrieren.“ Die akustisch und optisch einnehmende Präsentation hat einen aktuellen Hintergrund. Für Karmakar, der als Kind in Griechenland lebte, geht die Trennung in Europa nicht von Nord nach Süd, sondern von West nach Ost. Das lateinische Europa versus das byzantinische Europa. So wie Vladimir Putin gerade agiert, bestätigt er Karmakars These.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt

„Von Athen lernen“ lautet das Motto der noch bis zum 17. September dauernden documenta 14.  Als Verneigung vor dem von der Austeritätspolitik der EU gebeutelten Land überlässt der d14-Leiter Adam Sczymczyk dem Athener Museum of Contemporary Art (EMST) seine wichtigste Spielstätte. Das EMST hat zwar eine Sammlung zeitgenössischer Kunst, kann sie aber nicht ausstellen. Maria Loizidou packt Persönliches und Generationstypisches in eine Art Sammlerschrank. Nach außen hat „Collective Autobiography“ eine untadelige Fassade; nach innen viel, was im Verborgenen bleiben soll. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Maria Loizidou: "Collective Autobiography"

„Von Athen lernen“ lautet das Motto der noch bis zum 17. September dauernden documenta 14. Als Verneigung vor dem von der Austeritätspolitik der EU gebeutelten Land überlässt der d14-Leiter Adam Sczymczyk dem Athener Museum of Contemporary Art (EMST) seine wichtigste Spielstätte. Das EMST hat zwar eine Sammlung zeitgenössischer Kunst, kann sie aber nicht ausstellen. Maria Loizidou packt Persönliches und Generationstypisches in eine Art Sammlerschrank. Nach außen hat „Collective Autobiography“ eine untadelige Fassade; nach innen viel, was im Verborgenen bleiben soll.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt

Diese documenta dreht sich um Demokratie, Migration, Kolonialismus und unrechtmäßige Enteignung. Das Wahrzeichen der politischen d14 ist der zentral platzierte Tempel-Nachbau von Marta Minujin. Die heute 74-jährige Argentinierin rief zu Spenden von Büchern auf, die weltweit einst oder heute auf dem Index stehen: Von Bertolt Brecht bis Salman Rushdie. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Marta Minujin: "Der Parthenon der Bücher"

Diese documenta dreht sich um Demokratie, Migration, Kolonialismus und unrechtmäßige Enteignung. Das Wahrzeichen der politischen d14 ist der zentral platzierte Tempel-Nachbau von Marta Minujin. Die heute 74-jährige Argentinierin rief zu Spenden von Büchern auf, die weltweit einst oder heute auf dem Index stehen: Von Bertolt Brecht bis Salman Rushdie.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt

Die Struktur bietet ein Stahlgerüst in den Abmessungen des berühmten Parthenon-Tempels in Athen. In Plastik regensicher verpackt hängen die verbotenen Bücher an der Nachbildung. Marta Minujin hat dieses Mahnmal für Demokratie am Ende der Militärregierung schon einmal in Buenos Aires aufbauen lassen. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Marta Minujin: "Der Parthenon der Bücher"

Die Struktur bietet ein Stahlgerüst in den Abmessungen des berühmten Parthenon-Tempels in Athen. In Plastik regensicher verpackt hängen die verbotenen Bücher an der Nachbildung. Marta Minujin hat dieses Mahnmal für Demokratie am Ende der Militärregierung schon einmal in Buenos Aires aufbauen lassen.

Bild: Rudolf Wichert für Handelsblatt

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