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24.05.2013

09:20 Uhr

Dorotheum

Alpenmaler bleibt ein Dauerbrenner

VonOlga Kronsteiner

Noch nie in seiner über 300-jährigen Geschichte hat das Dorotheum im Mai so viel Umsatz gemacht. Hohe Zuschläge verbuchen insbesondere die Sparten moderne und zeitgenössische Kunst. Auch die Silber-Offerte schließt mit einem hervorragenden Ergebnis ab. Die Käufer kommen mehrheitlich aus Russland.

Alfons Walde: "Alpensommer", Öl auf Leinwand, 1936. (Ausschnitt) VG Bild-Kunst Bonn 2013

Alfons Walde: "Alpensommer", Öl auf Leinwand, 1936. (Ausschnitt)

WienIm Zuge der jüngsten Auktionswoche vom 13. bis 16. Mai 2013 im Dorotheum wechselten nicht weniger als fünf Gemälde des Alpenmalers Alfons Waldes den Besitzer. Ihr Gegenwert beträgt fast 780.000 Euro. Darunter befand sich der 1936 ausgeführte „Alpensommer“ für 293.100 Euro (inkl. Aufgeld). Ihn fischte sich der oberösterreichische Kunsthändler Walter Freller aus dem Angebot ebenso wie die verschneite Ansicht von Aurach aus dem Jahr 1932. Für sie musste er mit beachtlichen 341.900 Euro ein Vielfaches der Taxe (80.000 bis 100.000 Euro) aufwenden.

Überschaubares Repertoire

Einsame Almen mit oder ohne Berghof, aufsteigende Skifahrer, die Pfarrkirche von Aurach oder die Silhouette Kitzbühels gegen Süden: Das waren die Sujets, die bei den Wintersportgästen am beliebtesten waren und die Alfons Walde immer wieder malte. Insofern blieb sein motivisches Repertoire zeitlebens überschaubar und wurde dennoch ab Mitte der 1920er-Jahre zum Inbegriff des alpinen Tirols. Die Nachfrage nach Walde ist ungebrochen; bis heute begeistert sein leicht erkennbares Oeuvre und damit die Marke „Walde“. In Österreich gelten seine Arbeiten gar als Bestseller der frühen Moderne. Knapp 82 Prozent des weltweiten Umsatzes mit diesem Maler entfallen auf die Alpenrepublik; rund 10 Prozent werden in Deutschland erwirtschaftet.

Weltrekord für Hutters Witwe

Den höchsten Zuschlag der Klassische Moderne erteilte man einem anonymen Kunden für Giorgio Morandis Bild „A Pietro Feroldi“ bei 389.300 Euro. Als Titelbild des Katalogs verführte Fernand Légers Gemälde „Composition au fond jaune“ von 1932 zu einem Kaufpreis von 366.300 Euro. 238.200 Euro für Wolfgang Hutters Gemälde „Die Witwe (II)“ markierten abschließend noch einen Weltrekord für den Hauptvertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Insgesamt summierten sich die Verkäufe auf einen historischen Höchstwert von 4,1 Millionen Euro.

Dämonisierte Comic-Ikone

Den Umsatz sollte die Sparte Zeitgenössische Kunst noch übertreffen: Mit 5,7 Millionen Euro lag der Wert über der hauseigenen Rekordmarke vom Vorjahr, die bei 5,6 Millionen Euro lag. Ein österreichischer Sammler sicherte sich Anish Kapoors hohlspiegelartige Arbeit für 754.800 Euro gesichert hatte. Der aktuell verzeichnete Spitzenzuschlag fiel allerdings bescheidener aus: Im Bereich des Limits wechselte Ilya Kabakovs „Die Toilette“ (2001) bereits für 366.300 Euro den Besitzer (Taxe 300.000 bis 400.000 Euro). Sie wurde einst von dem Galeristen Michael Kewenig (Köln) in eine niederländische Sammlung vermittelt.

Postschiff von Hundertwasser

Hingegen gefiel Enrico Castellanis „Superficie nera“ (1963) besser als erwartet und bescherte 280.900 Euro. Der Einbringer aus Italien hatte 80.000 bis 120.000 Euro erwartet. Unbekannt bleibt, wer Hundertwassers extremes Querformat „Das Postschiff kommt“ (1960) sicherte. Es erzielte 215.380 Euro, erwartet wurden 130.000 bis 160.000 Euro. Ob die aktuell in der Österreichischen Galerie Belvedere laufende Einzelausstellung des Künstlers Begehrlichkeiten weckten? Der Käufer wollte seine Nationalität nicht bekannt geben. Aus den Reihen des Auktionshauses war lediglich zu erfahren, dass es sich nicht um einen Österreicher handelte.

Für einen weiteren Künstler mit österreichischen Wurzeln galt es passend zur jetzt anlaufenden Retrospektive in der Albertina einen Auktionsrekord zu notieren: 110.100 Euro war einem unbekannten Bieter Gottfried Helnweins dämonisierte Comic-Ikone „Mouse III“. Der Schätzwert für das aus deutschem Privatbesitz stammende Bild lag bei 55.000 bis 70.000 Euro.

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