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05.03.2012

14:30 Uhr

Dorotheum

Verkannter Fürstenkitsch

VonOlga Kronsteiner

Gemessen an der Verkaufsquote gilt es die Dorotheums-Auktion „Nachlass Fürst Kinsky“ als Erfolg zu werten. Ob im Zuge der Katalogisierung auch angemessen recherchiert wurde, scheint eine völlig andere Geschichte zu sein.

Sogen. Boulle-Tisch mit feiner Pietra-Dura-Platte, die auf Augentäuschung zielt. Dorotheum

Sogen. Boulle-Tisch mit feiner Pietra-Dura-Platte, die auf Augentäuschung zielt.

WienIm Eigentum der Namensgebenden fürstlichen Familie ist das im Herzen der Wiener Innenstadt gelegen Palais Kinsky schon längst nicht mehr. In den 1980er-Jahren hatte Franz-Ulrich, seines Zeichens der in Argentinien lebende elfte Kinsky-Fürst, das 1713 bis 1719 von Johann Lucas von Hildebrandt erbaute Barockjuwel verkauft und ein Wohnrecht auf Lebenszeit behalten. Im Zweiten Stock residierte er dort, sofern auf Stippvisite in Wien, auf 300 Quadratmeter. In der Bel Etage hatte 1999 das Auktionshaus „Wiener Kunst Auktionen“ Einzug gehalten, das sich – dem historischen Refugium angepasst –2003 in „Im Kinsky“ umbenannte.

2009 war Franz-Ulrich verstorben und natürlich habe man der Familie angeboten, in der Art eines „House Sales“ eine Versteigerung vor Ort abzuhalten, bestätigt Ernst Ploil, einer der beiden Kinsky-Geschäftsführer. Der eine Erbe habe das Angebot goutiert, der andere halt nicht. Internationale Auktionshäuser sollen dem Vernehmen nach abgewinkt haben und so kam das Dorotheum zum Zug. Bis auf einige wenige Stücke, die bei den Erben verblieben, wurde die Wohnung im August 2011 geräumt und der aristokratische Hausrat in der Dorotheergasse eingelagert, der nun am 28.Februar unter dem Titel „Nachlass Fürst Kinsky“ versteigert wurde.

Niedrige Taxen, hohe Steigerungen

Zeit genug, um die 330 Positionen zu katalogisieren und die fachliche Zuordnung um detaillierte Recherchen zu ergänzen. Der Aufwand hielt sich erwiesenermaßen in Grenzen. Für den Großteil der Offerte blieb das auch ausreichend. Denn laut dem verantwortlichen Dorotheums-Experten Alexander Docy, fielen etwa Möbel hauptsächlich in die Kategorie „zweite Zeit“. Diese Exponate würden eher die wechselhafte Ausstattungsgeschichte des Palais dokumentieren, in der Nachempfindungen historischer Stile mit Wertvollerem, Geerbtes mit später Ergänztem zu einem eklektischen Mix verschmolzen. Die Taxen seien deshalb alles in allem bewusst niedrig angesetzt worden.

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