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28.05.2011

16:22 Uhr

Dorotheum

Wiener Eigensinn

VonOlga Kronsteiner

Das Dorotheum gibt vor den Auktionen die Schätzwertsummen nicht mehr bekannt. Man fürchtet den Vergleich nach der Versteigerung, der unter Umständen siebenstellige Differenzen sichtbar macht.

Alexej Jawlensky, Wasserburger Landschaft mit Häusern und Wiese (Ausschnitt) Quelle: Dorotheum/VG Bild-Kunst

Alexej Jawlensky, Wasserburger Landschaft mit Häusern und Wiese (Ausschnitt)

WienIm deutschsprachigen Raum sei man das größte Auktionshaus. Mit Abstand, schon weil das Dorotheum deutlich mehr Umsatz erzielt, als die gesamte deutsche Branche zusammen (2010: 144 Millionen Euro). Solche Attribute lassen sich gut vermarkten, zumal man damit ja quasi in der internationalen Liga spielt. Daran bemessen wirkt es fast provinziell, dass im Vorfeld von Auktionen neuerdings keine Schätzwertsummen mehr bekanntgegeben werden. Das würde ja doch nur zu Missinterpretationen führen. Gemeint ist der Abgleich zwischen dem erzielten Bruttoumsatz und dem bislang bezifferten Nettoschätzwert, den man vermutlich bei siebenstelligen Differenzen nicht in der Öffentlichkeit breitgetreten wissen möchte.

Für die zweite Auktionsserie des Jahres (16. bis 20. Mai) hieß es nur, es stünden 1960 Kunstwerke in sieben Sitzungen auf dem Programm. Knapp 64 Prozent des Angebots fanden neue Besitzer. Das Wochentotal beläuft sich auf 12,7 Millionen Euro.

Den mit Abstand souveränsten Auftritt der Woche durften die Protagonisten der Klassischen Moderne für sich verbuchen. Die Offerte bescherte mit 4,1 Millionen Euro den höchster Spartenumsatz. Das Gerangel um Alexej Jawlenskys Landschaft mit Häusern und Wiese (180.000 bis 200.000 Euro) entschied bei 593.800 Euro brutto ein anonymer Saalbieter, während sich ein italienischer Sammler den abstrakten Kopf etwas über der oberen Taxe für 398.300 Euro sicherte. Bei einem der kommerziell erfolgreichsten Motive des Malers Alfons Waldes, dem „Aufstieg“ (s. Foto), bewilligte ein heimischer Telefonbieter den vorläufigen Künstlerweltrekord von 582.300 Euro.

Deutlich unter diesem Preisniveau blieb das italienlastige Angebot zeitgenössische Kunst, bei dem die Top-Zuschläge im Bereich der angesetzten Taxen dümpelten: Enrico Castellanis „Superficie bianca n. 22“ (467.300 Euro) oder Tancredis unbetitelte Mischtechnik von 1955 (202.800 Euro). Insgesamt spielte diese Sparte weitere 3,7 Millionen Euro (2010: 2,55 Millionen) ein.

Das Match um einen großen Moskauer Deckelbecher mit einem fürstlichen Wappen (14.000 bis 18.000 Euro) wurde erst bei 104.000 Euro entschieden zugunsten eines Bieters aus Großbritannien. In die USA reichte man eine seltene Tiffany- Lampe („Oriental Poppy“) zum Gegenwert von 202.800 Euro weiter, nach Deutschland eine von Josef Hoffmann entworfene Zuckerdose aus der Wiener Werkstätte für 85.700 Euro.

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