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09.08.2017

14:05 Uhr

Duden um 5000 Wörter reicher

Sprachpanscher oder Spiegel der Zeit?

Für viele ist der Duden eine Instanz in Rechtschreibfragen. Jetzt hat die Redaktion das Stichwörter-Verzeichnis wieder einmal erweitert. Das Ziel: Weg vom verstaubten Image und Spaß an der Sprache vermitteln.

Berlin„Noch weiter verbreitet als Hasskriminalität: kriminelle Schreibweise.“ „Überhaupt nicht sexy: wenn Sie tindern falsch schreiben.“ Mit einer Reihe von Werbesprüchen wie diesen weist der Duden in der nächsten Zeit auf seine um 5000 Stichwörter erweiterte Neuauflage hin. Die erscheint an diesem Mittwoch. Der Tonfall der Kampagne gibt den Kurs vor: Der Duden will weg vom Image des angestaubten Nachschlagewerks und auch Spaß an Sprache vermitteln.

„Wir möchten zeigen, was man mit Sprache alles machen kann - eben nicht nur relativ dröge Wörterbücher“, sagt Redaktionsleiterin Kathrin Kunkel-Razum der Deutschen Presse-Agentur. Alle drei bis fünf Jahre wird das Nachschlagewerk aktualisiert.

„Nach dieser Zeit gibt es genug Entwicklungen im Wortschatz, die man gerne abbilden möchte“, sagt Kunkel-Razum. Hinzu kommen diesmal einige wenige Rechtschreib-Änderungen, wie die kürzlich vom Rat für Rechtschreibung beschlossene Einführung eines großen Eszetts.

Wort des Jahres: Seit 2005

2005

Bundeskanzlerin

2006

Fanmeile

2007

Klimakatastrophe

2008

Finanzkrise

2009

Abwrackprämie

2010

Wutbürger

2011

Stresstest

2012

Rettungsroutine

2013

GroKo

2014

Lichtgrenze

2015

Flüchtlinge

2016

postfaktisch


Diesmal reicht das Spektrum der neuen Wörter von Selfie bis facebooken und von postfaktisch bis Fake News. Internetblog ist ebenso dabei wie die Eigennamen der Apps Instagram und Snapchat. Andere Wörter waren, teils erstaunlicherweise, bisher nicht verzeichnet: Kopfkino zum Beispiel. Auch für die Aufnahme aller Bundeskanzler hat sich die Redaktion nun erst entschieden. „Merkel, Angela“:

Auch das ist damit ein Stichwort von insgesamt 145 000 der 27. Auflage - mehr als fünfmal so viele wie im Urduden von 1880. Noch schaffen es die Buchbinder, das in einem Band unterzubringen. Bei Duden weiß man, dass neu aufgenommene Wörter stets als Gesprächs-, ja Debattenthema taugen.

Zwar habe ein rund 15-köpfiges Kernteam die neue Ausgabe erarbeitet, sagt Kunkel-Razum. „Im Prinzip reden aber 80 Millionen Menschen mit.“ Die Neuauflage dürfte auch einen Werbeeffekt für die anderen Produkte mit dem Schriftzug „Duden“ auf dem Titel haben, von Sprachratgebern bis Lernmaterialien.

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