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28.01.2011

12:53 Uhr

Düsseldorf-Flingern

Provokante Kunst

VonSusanne Schreiber

Hervorragende Galerieausstellungen locken in den Düsseldorfer Stadteil Flingern. Hier stoßen Arbeiter und Boheme aufeinander. Das verleiht der Ausstellung einen besonderen und eigenen Reiz.

Ausschnitt aus Terry Haggerty: In to Position. Cosar HMT

Ausschnitt aus Terry Haggerty: In to Position.

DÜSSELDORF . Seit einem Jahr veranstalten sechs Galerien in Düsseldorfs Stadtteil Flingern gemeinsame Rundgänge und einen Internetauftritt. Das Niveau ist hoch, der Publikumszuspruch groß, der Überraschungsfaktor gewaltig, die Preise bezahlbar.

Charlotte Posenenskes Kunst hat schon in den sechziger Jahren provoziert. Auch 50 Jahre später können die Skulpturen der 1985 verstorbenen Minimalistin den Betrachter noch verwirren.

Posenenskes Arbeiten aus feuerverzinktem Stahlblech sehen aus wie liegengebliebene Lüftungsschächte. Für ihre Reliefs lässt sie Alubleche knicken und lackieren. Die dürfen dann die "Konsumenten" genannten Sammler oder Kuratoren als Serie selbst reihen. "Die Gegenstände sollen den objektiven Charakter von Industrieprodukten haben", schrieb die Künstlerin in ihrem Manifest. Und: "Sie werden immer weniger erkennbar als Kunstwerke."

Einem größeren Publikum wurde die kompromisslose Künstlerin, die ihre künstlerische Tätigkeit 1968 beendete, 2007 auf der Documenta 12 bekannt. In Kassel begeisterte sie die Vertreter der Tate Modern so, dass die eine große Arbeit kauften. Zuvor hatte die Künstlerin mit der kurzen Karriere schon Eingang gefunden in die Daimler Kunst Sammlung.

Jetzt stellt die Galerie Konrad Fischer die in der Kunstwelt als Geheimtipp gehandelte Posenenske aus. 35 Skulpturen und Zeichnungen geben Einblick in ihr künstlerisches Denken, das bis heute nichts an Frische verloren hat (bis 5.3.).

Wer durch die drei Galerieetagen läuft, verfeinert schrittweise seine Wahrnehmung. Die "Vierkantrohre Serie D" sorgen hier eben nicht für gute Luft, sondern für Einblicke ins Innere der Kunst: Raum und Proportion, Variabilität und die Beteiligung des Konsumenten sind zentral für Posenenske. Zusammengesetzt aus vier Elementen kosten sie 14 000 (alle Preise zzgl. 7 % MwSt.), aus sechs 21 000 Euro. Ob hoch aufragend an der Wand, geknickt am Boden oder doppelt winklig aufgebaut - das entscheidet der Kunstkäufer selbst.

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