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29.01.2010

08:35 Uhr

Düsseldorf-Flingern

Spannende Kunst entlang einer neuen Achse

VonSusanne Schreiber

Abseits von Altstadt und Shopping-Meile haben sich sieben Galerien aus Flingern zusammengetan. Ein Flyer, eine Website und gemeinsame Eröffnungsabende sind ein gelungener Impuls für die Szene und eine Bereicherung für die angereisten Besucher.

Wenn der Schmerz übermächtig wird, die Frau die Fassung verliert - genau diesen Moment hat die Fotokünstlerin Rosemary Laing festgehalten. Ausschnitt aus einem querformatigen Foto der Serie "A dozen useless actions for grieving blondes". Galerie Conrads, Düsseldorf

Wenn der Schmerz übermächtig wird, die Frau die Fassung verliert - genau diesen Moment hat die Fotokünstlerin Rosemary Laing festgehalten. Ausschnitt aus einem querformatigen Foto der Serie "A dozen useless actions for grieving blondes".

DÜSSELDORF. Die schönste Galerie von Düsseldorf war einst eine hydraulische Fabrik und liegt in einem Hinterhof von Flingern. Flingern, das ist ein charmanter Stadtteil, in dem Bourgeoisie und Arbeiterschaft noch aufeinander treffen. Der überwiegend im Sekundärmarkt tätige Paul Schönewald hat drei durchgängig mit Oberlicht versehene Säle weltstädtisch dimensionieren lassen. Was bei Schönewald Fine Arts hängt, muss sich behaupten können. Das tun 62 Arbeiten in Öl, Tempera, Acryl, Gouache, Pastell und Bleistift aus fünfzig Jahren von Rudi Tröger mit Leichtigkeit (bis 6.3.). Tröger? Nie gehört? Kein Problem.

Die Überraschung kommt aus München


Schönewald schüttelt wieder mal sein Trumpf-Ass aus dem Ärmel: den Münchener Kollegen Fred Jahn und dessen Schützling, den Einzelgänger Tröger. Der ist Jahrgang 1929, putzmunter und ein Meister der "Peinture", der verfeinerten Farbkultur. Trögers Landschaften, Blumenstillleben und Figurenbilder geben den Ausgangspunkt im Gegenständlichen nie auf. Aber der Maler legt Gespinste von Farben und Linien drüber, die das Sehen selbst problematisieren und das Motiv zum Vibrieren bringen. Denn das Sehen kann der sichtbaren Welt nicht mehr recht habhaft werden, schreibt Siegfried Gohr im substanziellen Katalog (15 Euro).

Alles schart sich um die Galerie Konrad Fischer


Großformate von Tröger kosten 40.000 bis 50.000 Euro. Schon für 4.200 Euro ist die hinreißende Bewegungsstudie im eiskalten Winterlicht ("o.T. Eisläufer", 1996) zu haben, für 11.000 Euro das Aquarell auf Hartfaserplatte "Zuckerfabrik" von 1965 mit seiner Maschinendynamik. Schon vor anderthalb Jahren zog der Ex-Xantener Schönewald nach Flingern, jenes Viertel, von dem aus die Galerie Konrad Fischer seit 1974 die Avantgarde in alle Welt vermittelt. Ergänzend zu den Museumsausstellungen in Bottrop und Duisburg zeigt Dorothee Fischer die systematisch aufgebauten Fotoserien zu Kohlebunkern und Wassertürmen von Bernd und Hilla Becher (Auflage 5, 25.000 Dollar o. Mwst.). Vor der Kamera der Bechers wirken die Industriedenkmale wie Skulpturen mit schwingenden Betonkörpern.

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