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28.08.2012

09:22 Uhr

Edouard Vuillard

Salonlöwe an der Staffelei

VonOlga Grimm-Weissert

Edouard Vuillard konnte sich erst spät beim breiten Publikum durchsetzen. Über den Sommer und Herbst ist der französische Maler der Klassischen Moderne gleich in mehreren Ausstellungen vertreten. Auffällig im Kunstmarkt ist sein hohes Preis- und Qualitätsgefälle.

Edouard Vuillard, Misias Nacken (Ausschnitt). Archives Vuillard, Paris

Edouard Vuillard, Misias Nacken (Ausschnitt).

Le Cannet/ParisDer Maler und Fotograf Edouard Edouard Vuillard (1868 – 1940) lehnte sich gegen die Konventionen in der Kunst auf. Gemeinsam mit seinen Freunden Pierre Bonnard, Ker-Xavier Roussel, Maurice Denis oder Paul Serusier gründete er 1888 die Künstlergruppe „Nabis“. Das ist ziemlich selbstbewusst, denn „Nabis“ heißt auf arabisch und hebräisch „Erwählter oder Prophet“. Ziel der selbst ernannten Propheten war es, der Malerei neue Anstöße durch kräftige Farben und den Verzicht auf die Perspektive zu geben. Vorbild der Nabis war Paul Gauguin, der die Anwendung der „Farbe, so wie sie aus der Tube quillt“, proklamierte.

Die „Nabis“-Periode bis 1900 war die beste Epoche im Schaffen Vuillards. Es war der Zeitraum, zu dem er und seine Freunde das Ehepaar Misia und Thadée Natanson frequentierten. Thadée Natanson und sein Bruder Louis-Alfred gaben die literarisch und künstlerisch bedeutende Zeitschrift „La Revue blanche“ heraus, für die sie die Nabis und Henri de Toulouse-Lautrec zur Gestaltung heranzogen. Die schöne Misia, rasch im witzig formulierten Aburteilen, sicher im Beurteilen und Fördern künstlerischer Talente, war jahrelang die Muse und Mäzenin von Malern, Dichtern und Komponisten. Sie herrschte quasi über das künstlerische Paris der „Belle Epoque“ bis zu den „Années folles“ der 1920er/1930er-Jahre.

Libido umgesetzt in Kreativität

Vuillard gehörte zum engen Kreis ihrer sich nach ihr verzehrenden  Verehrer. Solange er sich im Schatten der launischen Misia befand, setzte er seine Libido in Kreativität um. Mit der Jahrhundertwende wird seine Farbpalette dumpfer bis stumpf. Während des  Ersten Weltkriegs wurden Vuillard, Bonnard Denis und Vallotton als „Armeemaler“ in die Vogesen geschickt, um die Kriegsereignisse festzuhalten. Die in Jahr 1917 entstandenen Gemälde sieht man derzeit im Centre Pompidou-Metz in der Ausstellung „1917“ (bis 24.9.)

Kommentare (1)

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22.09.2012, 17:59 Uhr

Kampf bis nach dem Tod...

Sehr geehrte Damen und Herren,

Kampf bis nach dem Tod... oder der Kampf beginnt erst nach dem Tod. Die Anerkennung eines Künstlers ist ein schwieriger Prozess. Können Sie einen Künstler nennen, den sie verehren, dem Sie großen zu trauen? Es ist eine schwierige Frage. Wie hätten Sie als Zeitgenosse auf Edouard Vuillard reagiert oder auf Paul Gauguin. Bleiben wir bei Gauguin, weil er unlängst in einigen Literaturerzeugnissen wieder einmal seine Aura versprüht hat. "Das Paradies ist anderswo", von einem Literaturnobelpreisträger geschrieben, Gauguins große Hauptrolle. Oder die "Bretonischen Verhältnisse". So viele lieben jetzt die Bretagne und glauben Gauguin zu verstehen. Im Jahre 1891 oder gar im Jahre 1902 hätte niemand Gauguin bewundert, ihn vielleicht bemitleidet, wenn überhaupt. Seien Sie ehrlich, mögen sie seine Kunst oder sind Sie nur auf den Zug aufgesprungen. Kunst ist etwas sehr Kompliziertes, Literatur ebenfalls.
Edouard Vuillard und Paul Gauguin danken für Ihre Aufmerksamkeit.

Hochachtungsvoll,
Ole R. Börgdahl

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