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09.10.2012

04:37 Uhr

Ehrung in Frankfurt

Deutscher Buchpreis geht an Ursula Krechel

Es geht um Schuld und Sühne in den Nachkriegsjahren. Mit ihrem Roman „Landgericht“ hat Ursula Krechel den Deutschen Buchpreis gewonnen. Sie war die einzige Frau unter den sechs Finalisten.

Schriftstellerin Ursula Krechel wird für ihren zweiten Roman ausgezeichnet. dpa

Schriftstellerin Ursula Krechel wird für ihren zweiten Roman ausgezeichnet.

FrankfurtFür ihren Nachkriegsroman „Landgericht“ hat Ursula Krechel den Deutschen Buchpreis 2012 erhalten. Dies gab die Jury am Montagabend in Frankfurt bekannt. Die 64-jährige Autorin erzählt in ihrem auf einem dokumentarischen Fall beruhenden Buch die Geschichte eines jüdischen Richters. Nach seiner Flucht aus Nazi-Deutschland kehrt er 1947 in seine Heimat zurück und stößt erneut auf Abwehr.

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Sie war die einzige Frau unter den letzten sechs Kandidaten: Ursula Krechel gewann in diesem Jahr den Deutschen Buchpreis. Was die Berliner Autorin antreibt und was sie von solchen Preisen hält, verrät sie im Interview.

Im nüchternen Chronikstil beschreibt Krechel zugleich den schwierigen Neuanfang nach dem Krieg und die Verdrängung der Nazi-Vergangenheit. Das Buch sei für sie auch eine „persönliche Wiedergutmachung“ an den Opfern, sagte Krechel bei der Preisverleihung in einer kämpferischen Dankesrede. „Das Trauma kennt keine Zeit, weder Vergangenheit noch Gegenwart“, sagte die Autorin.

„Bald poetisch, bald lakonisch, zeichnet Krechel präzise ihr Bild der frühen Bundesrepublik - von der Architektur über die Lebensformen bis hinein in die Widersprüche der Familienpsychologie“, heißt es in der Begründung der Jury für die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung. Das Buch sei ist ein „bewegender, politisch akuter, in seiner Anmutung bewundernswert kühler und moderner Roman.“

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In Frankfurt ist der Deutsche Buchpreis vergeben worden. Die Kandidatenliste war illuster: Eine Spätberufene gewann gegen den ewigen Geheimtipp, einen Jungstar, einen Strukturalisten – und einen unheilbar Kranken.

Krechel hat sich mit 13 Gedichtbänden vor allem als preisgekrönte Lyrikerin einen Namen gemacht. „Landgericht“ ist erst ihr zweiter Roman. Schon in ihrem 2009 erschienenen Erstling „Shanghai fern von wo“ hat sie sich mit dem Schicksal von in der Nazizeit vertriebenen Juden beschäftigt. Dabei stieß sie auf die Personalakte eines Juristen, den sie zur Hauptperson ihres neuen Romans machte.

Krechel, in Trier geboren, arbeitete nach ihrer Promotion in Germanistik zunächst als Journalistin und Dramaturgin. 1973 ließ sie sich als freie Autorin und Dozentin nieder. Sie lebt in Berlin.

Im Finale setzte sich Krechel gegen fünf weitere literarische Neuerscheinungen durch. Auf der Shortlist standen außerdem noch Wolfgang Herrndorf mit seinem Wüstenroman „Sand“, Ernst Augustin mit „Robinsons blaues Haus“, Clemens J. Setz mit „Indigo“, der Roman „Fliehkräfte“ von Stephan Thome und Ulf Erdmann Zieglers Buch „Nichts Weißes“. Der Deutsche Buchpreis wird traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse verliehen.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

09.10.2012, 08:21 Uhr

Man muß sich nicht Banausentum vorwerfen, wenn man die Dame sowie die anderen Kandidaten nicht kennt: diese Flagellanten aus dem 68er Mainstream ejakulieren eh nur die sattsam bekannten, mit etwas Dekonstruktivismus aufgepeppten Kollektivschuldmärchen; die deutsche Geschichte beginnt bekanntermaßen erst 1933.
Und 'Ehrungen' in diesem Juste Millieu sagen nichts über eine wie auch immer geartete Originalität aus: es gilt das Primat weiblicher Geschlechtsteile.
Nicht nur Goethe dreht sich im Grabe um.

hoppala

09.10.2012, 08:53 Uhr

Woher wissen denn Sie wer Goethe ist und was er alles gemacht hatte außer Dichten?

Drehen Sie sich gar gleich mit im Grabe um?

Andererseits auch Ihr "juste Millieu" verströmt jenen stattsam bekannten Odeur des Vergangenen, den 68er wenigstens noch zu überwinden gedachten, ohne dass es ihnen im Übrigen zur idealisierten Gänze hätte gelingen können: wie auch, bei Zeitgenossen wie Ihnen.

Und doch will Ihr Ton, der im "Kollektivschuldmärchen" zu versumpfen scheint, jenen houtgout nicht abstreifen wie man ihn bereits bei Demonstrationen von Mitgliedern der schwarzen Reichswehr v o r 1933, Sie sehen, es gab deutsche Geschichte gar schon vor 1933, schon bei Straßenschlägerkommandos um 1921 erahnen durfte.
Ein EKI mag es dafür nicht umgehend gegeben haben, wurde mitunter danach dann gar posthum noch verliehen - wie man lesen kann, wenn man kann.
Umso erfreulicher Ihre historische Expertise zum Zustand der Gegenwartliteratur, die, von jedweder Kenntnis befreit, umso sicherer daherkommt.

globalpayer

09.10.2012, 09:39 Uhr

Man hat langsam das Gefühl, dass derjenige, der uns deutsche ordentlich in den "Hintern tritt" und uns nie aus der "Schuld" unserer Vorfahren entläßt, die größte Chance auf eine Würdigung seiner "Leistung" hat. Noch nie hat es das in der Geschichte gegeben, dass man ein Volk 70 Jahre nach Beendigung des Krieges noch an der Kandarre führt, dass es noch immer als "Feindstaat"deklariert ist und noch immer unter Besatzung steht. All die EU Verbindlichkeiten, die unsere Politiker und ich sage nicht mehr Volksvertreter,eingegangen sind, sind eine Fortführung der Reparationsleistungen mit anderem Namen. Man nennt das heute Solidarität, nur eben nicht mit dem deutschen Volk.

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