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19.05.2012

10:19 Uhr

El Greco: „Laokoon", 1610-14 National Gallery of Art, Washington, Samuel H. Kress Collection

El Greco: „Laokoon", 1610-14

DüsseldorfHypes gab es schon vor 100 Jahren. Die „Greco-Manie" im frühen 20. Jahrhundert etwa, ein Phänomen, über das selbst ein hartgesottener Verfechter der Moderne wie der Galerist Herwarth Walden beißenden Spott ausgoss: „Und dann spreizt der Wahnsinn der Moderne seine Fangarme aus", schrieb er 1912 über den Berliner Künstlertreff „Café Größenwahn".

„Lange Arme, viel länger als anatomisch denkbar und erweislich wahr ist, mit Flederhänden, die es so wenig gibt als das Wort selbst, und Neo-Krallen." Walden sah weißlich grüne Gischt „den Besessenen vor den Mund treten" und Augen, die „van-Goghisch grün" werden. Keine zehn Jahre später war die „Greco-Manie" schon wieder Geschichte.

Die Düsseldorfer Ausstellung lässt die Früchte der El-Greco-Begeisterung nun Revue passieren. Sie zeigt, wie seine Art zu stilisieren, zu deformieren und zu verfremden die Bildwelten und Malweisen der jungen Avantgarde infiziert, wie sie sich an seinem schwer zu packenden, aus glühenden, grünlich-gelben Grautönen entwickeltem Kolorit reiben; eine Farbgebung, von der Paul Klee schreibt, sie sei „so merkwürdig verarbeitet, wie verdaut und in höhere Säfte verwandelt".

Künstler wie Ludwig Meidner und Max Beckmann staunen über unverhältnismäßige Maßstabsprünge und alogische, in den Himmel wachsende Figuren, mit denen El Greco kühne, nachtschwarze Bildräume konstruiert. Oskar Kokoschka, Egon Schiele und Max Oppenheimer lassen sich von den sensiblen späten Porträts des Altmeisters inspirieren. Großartig und irritierend zugleich.

Es ist eine ebenso großartige wie schwierige und streckenweise auch irritierende Ausstellung, die im Museum Kunst Palast zu besichtigen ist. Großartig schon allein deshalb, weil sie die Begegnung mit immerhin 44 Originalen und Werkstattarbeiten El Grecos (um 1541-1614) möglich macht.

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