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21.01.2014

17:58 Uhr

Elaine Wynn

Bacons bestes Porträt

VonBarbara Kutscher

142,2 Millionen Dollar bewilligte eine New Yorker Galerie vor zwei Monaten für ein Triptychon von Francis Bacon. Dahinter steckte die US-Milliardärin Elaine P. Wynn.

Francis Bacon's Triptychon von Lucian Freud,1969, das Elaine Wynn am 12. November 2013 für 142.4 Millionen Dollar (105.96 Millionen Euro) bei Christie's ersteigerte. dpa

Francis Bacon's Triptychon von Lucian Freud,1969, das Elaine Wynn am 12. November 2013 für 142.4 Millionen Dollar (105.96 Millionen Euro) bei Christie's ersteigerte.

New YorkAls am 12. November 2013 Francis Bacons großformatiges Triptychon „Three Studies of Lucian Freud“ für erstaunliche 142,2 Millionen Dollar zugeschlagen wurde, gab Christie’s nur soviel bekannt: siegreicher Telefonbieter sei die große New Yorker Kunsthandlung Acquavella. Der Meistbietende hatte sowohl die (unveröffentlichte) Erwartung von 85 Millionen Dollar und Mitbewerber wie Larry Gagosian als auch einige asiatische Bieter im Saal und an den Telefonen abgehängt.

Kennern war klar, dass Acquavella im Auftrag geboten hatte. Käuferin war nicht die junge Sheikha Al-Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al-Thani Katar, wie zuerst spekuliert wurde, sondern die bisher eher im Hintergrund agierende amerikanische Milliardärin Elaine P. Wynn, 71, aus Las Vegas. Laut Forbes Magazin liegt ihr Reinvermögen bei 1,9 Milliarden Dollar (Stand September 2013).

Betreiberin von Kasinobetrieben

Gemeinsam mit ihrem als Kunstsammler bekannteren Ehemann Stephen A. Wynn gründete Elaine zwei Hotel- und Kasinobetriebe, darunter zuletzt 2002 die börsennotierte Firma Wynn Resorts Ltd., die zwei Kasinoresorts in Las Vegas und eines in Macau, China, betreibt. Bei ihrer Scheidung von Stephen Wynn im Jahr 2010 erhielt sie – nach 42 Ehejahren – eine Abfindung von 741 Millionen Dollar in Aktien und auch Teile von Stephen Wynns bedeutender Kunstsammlung, die aus Alten Meistern und Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts besteht.

Posieren im Hemd

Das Nevada Museum of Art in Reno hatte 2004/2005 im Winter 14 Gemälde aus der damals gemeinsamen Sammlung ausgestellt, anschließend waren sie kurz bis 2006 im Wynn Las Vegas gegen Geld zu besichtigen. Schon bald nach dem Zuschlag im November 2013 in New York hatte der Chefkurator Bruce Guenther vom Portland Art Museum in Portland, Oregon, Elaine Wynn als Käuferin identifiziert und überredet, das Triptychon für seine Serie „Masterworks / Portland“ zur Verfügung zu stellen (noch bis zum 30. März 2014).

Es zählt zu Bacons besten Porträts. In den fast zwei Meter hohen Bildern schildert der Maler 1969 seinen damals engen Künstlerfreund Lucian Freud aus drei verschiedenen Winkeln vor grellgelbem Hintergrund. Später zerstritten sie sich. Der englische Maler Freud, Enkel von Sigmund, windet sich da in seinem weißen Oberhemd auf einem Thonetstuhl. Sie malten sich gegenseitig häufig. „Francis Bacon enthüllt das Psychologische und Physische, das Sinnliche und Intellektuelle”, analysiert Bruce Guenther. Erst in den 1990er-Jahren wurde das in den Siebzigern in drei verschiedene Sammlungen verkaufte Trio von einem italienischen Anwalt wieder vereint.

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