Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2017

14:40 Uhr

Elbphilharmonie

Hamburg braucht nun ein Super-Festival

VonChristoph Kapalschinski

Ein teurer Musikpalast allein reicht nicht. Die Hansestadt sollte den Schwung durch die neue Elbphilharmonie nutzen, um ihre Vorzüge auszuspielen: mit einem Hamburg-Festival nach dem Muster der Berlinale. Ein Kommentar.

Visualisierung: Ein Querschnitt durch die Elbphilharmonie in Hamburg. dpa

Elbphilharmonie

Visualisierung: Ein Querschnitt durch die Elbphilharmonie in Hamburg.

HamburgDas Versprechen der Olympia-Gegner in Hamburg war luftig. „Etwas Besseres als Olympia“ wollten sie mit dem Geld anfangen, lautete der Slogan. Vor gut einem Jahr setzten sie sich gegen das politische Establishment durch.

Die Bürger erteilten der geplanten Bewerbung um die Spiele 2024 in einer Abstimmung eine Absage. Eine bessere Verwendung für die 200 Millionen Euro jährlich, die Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) für das Projekt reservieren wollte, ist bislang jedoch noch nicht aufgetaucht.

Doch die Eröffnung der Elbphilharmonie bietet die Chance auf zumindest einen Teil der internationalen Aufmerksamkeit für Standort und Reiseziel, die die Olympia-Bewerbung bringen sollte. Das Konzerthaus eröffnet an diesem Mittwoch.

Elbphilharmonie: Chronologie einer Kostenexplosion

Jahrelange Querelen

Nach neuneinhalb Jahren Bauzeit und jahrelangen Querelen um Kostensteigerungen und Bauverzögerungen übergibt der Baukonzern Hochtief die Elbphilharmonie an die Stadt Hamburg. Eine Chronologie der Ereignisse.

2001-2005: Gläserne „Welle“ auf dem alten Kaispeicher

Oktober 2001: Der Architekt Alexander Gérard tritt an den Hamburger Senat mit der Idee heran, eine neue Konzerthalle auf dem Kaispeicher A zu realisieren.

Juni 2003: Die Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron präsentieren den ersten Entwurf der Elbphilharmonie: eine gläserne „Welle“ auf dem alten Kaispeicher.

Juli 2005: Die erste Machbarkeitsstudie geht von Gesamtkosten in Höhe von 186 Millionen Euro aus. Der Anteil der öffentlichen Hand soll bei 77 Millionen Euro liegen. Geplante Eröffnung 2010.

2006-2008: Es wird teurer

November 2006: Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gibt bekannt, dass die Elbphilharmonie teurer wird als geplant. Die Kosten steigen auf 241,3 Millionen Euro, der Anteil der Stadt auf 114,3 Millionen Euro.

April 2007: Grundsteinlegung Elbphilharmonie.

November 2008: Kultursenatorin Karin von Welck räumt ein, dass sich die Kosten für den Steuerzahler um 209 Millionen Euro auf 323 Millionen Euro erhöhen. Neuer Eröffnungstermin ist im Mai 2012. Tatsächlich steigen die Kosten für die Stadt durch diesen vereinbarten Nachtrag auf 495 Millionen Euro.

2010: Richtfest

Mai: Der von der Hamburger Bürgerschaft eingesetzte parlamentarische Untersuchungsausschuss nimmt seine Arbeit auf, um die Ursachen der Kostensteigerungen herauszufinden.

Mai: Richtfest auf der Baustelle der Elbphilharmonie. Die Feierlichkeiten werden von Protesten begleitet.

2011: Stillstand auf der Baustelle

Juli: Der Baukonzern kündigt erneut eine Verzögerung an. Nun soll die Elbphilharmonie am 15. April 2014 übergeben werden.

November: Stillstand auf der Baustelle: Hochtief stellt die Arbeiten am Dach wegen Sicherheitsbedenken ein.

2012: 200 Millionen Euro mehr für Hochtief

2. Februar: Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sagt vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus. Er übernimmt die politische Verantwortung, würde aber wieder so entscheiden.

14. April: Der Senat legt einen Plan zum Weiterbau der Elbphilharmonie vor. Gleichzeitig setzt die Stadt Hochtief ein Ultimatum, das Dach bis zum 31. Mai abzusenken.

23. November: Das Saaldach der Elbphilharmonie wird erfolgreich abgesenkt, d.h. mit dem Gebäude verbunden. Der Streit darüber war einer der wesentlichen Gründe für den Baustillstand.

15. Dezember: Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) verkündet, dass die Stadt die Elbphilharmonie mit Hochtief zu Ende bauen will. Dafür erhält der Baukonzern erneut 200 Millionen Euro, übernimmt aber auch sämtliche Risiken. Fertigstellungstermin: Oktober 2016.

2013: Zehnmal so teuer wie geplant

Juni: Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gibt bekannt, wie viel die Elbphilharmonie insgesamt - mit Hotel und Parkhaus - die Stadt kosten wird: 789 Millionen Euro, zehnmal so viel wie geplant.

2014: Überforderte Politiker

April: Der parlamentarische Untersuchungsausschuss legt seinen Abschlussbericht vor. Danach sind eine unfertige Planung und überforderte Politiker für das Baudesaster verantwortlich.

2015: „Da bleibt einem die Spucke weg“

26. Juni: Die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe wird der Presse vorgestellt. Kommentar von Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos): „Da bleibt einem die Spucke weg.“

2016: „FERTIG“

3. Februar: Die „weiße Haut“ des japanischen Akustikers Yasuhisa Toyota im Großen Saal ist fertig. Die innovative Wandverkleidung soll auf 2100 Plätzen vollen Klanggenuss ermöglichen.

11. April: Generalintendant Christoph Lieben-Seutter stellt das Programm für die erste Saison in der Elbphilharmonie vor. Das NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Leitung von Thomas Hengelbrock wird das Konzerthaus am 11. Januar 2017 unter anderem mit einer Uraufführung von Wolfgang Rihm eröffnen.

30. Juni: Der große Konzertsaal mit 2100 Plätzen wird vom Bauunternehmen Hochtief an die Stadt übergeben. Neben Restarbeiten stehen nun die Abnahme des Saals und der technische Probebetrieb an.

September: Erste Geheimprobe des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Leitung von Thomas Hengelbrock. Sein Kommentar: „Prima, Herr Toyota. Den nehmen wir!“

31. Oktober: Der Baukonzern Hochtief übergibt intern das fertige Gebäude an die Stadt Hamburg. Auf der gläsernen Fassade erscheint durch erleuchtete Fenster das Wort „FERTIG“.

4. November: Festakt zur Übergabe des Gebäudes. Die Plaza, das Hotel und die Gastronomie werden für die Besucher geöffnet.

Quelle: dpa

2017: Eröffnung

1. Januar 2017: Uraufführung der Performance „Figure Humaine“ von Sasha Waltz & Guests in den Foyers der Elbphilharmonie.

11. Januar 2017: Eröffnung der Elbphilharmonie mit einem Festakt und einem Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Leitung von Thomas Hengelbrock. Erwartet werden auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die erste Spielzeit ist bereits komplett ausverkauft. Doch allein mit dem glänzenden Bauwerk darf sich die Stadt nicht zufrieden geben. Es braucht mehr – zum Beispiel ein klar profiliertes regelmäßiges Hamburg-Festival. Damit die 789 Millionen Euro Steuergeld teure Elbphilharmonie über Jahre ihre Anziehungskraft behält, braucht sie nicht nur baulich, sondern auch inhaltlich ein klares Profil.

Ein gutes Zeichen ist, dass die Hansestadt den Jahreszuschuss für die Gesellschaft, die bislang schon die alte Musikhalle betreibt, auf sechs Millionen Euro verdoppelt. Das Konzept „Haus für alle“ verspricht zusammen mit dem bislang eher unauffälligen Hausorchester des NDR jedoch noch keine klare Positionierung unter den Konzerthäusern.

Hier konkurriert die Elbphilharmonie mit etlichen Neubauten – von Bochum über Kopenhagen und Helsinki bis hin zu Los Angeles. Dabei hat Hamburg die Chance, mit dem international beachteten Bau seine Stärken als Musikstadt stärker herauszustellen. Denn anders als das zur Olympia-Bewerbung selbstverliehene Attribut „Sportstadt“ ist dieses Label tatsächlich angebracht.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.01.2017, 14:59 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr chris schnitzler

11.01.2017, 16:18 Uhr

Teurer uberflüssiger Bau mit erheblichen Mehrkosten für die Steuerzahler zum Wohle der oberen zehntausend- Bravo HHer Bauamt für diese Katastrophenbau -Bausenator und Bürgermeister sollten zurücktreten für diesen Bauskandal- nächstes Millardengrab wird die HSH Bank pleite mit Hilfe des korrupten Bankvorstands, der nun in Leipzig erneut vor Gericht gestellt wird- Scholz und Albig haben schon 10 MRD versenkt anstatt die Bankster endlich vor Gericht zu bringen- Steurzahler hat alles zu zahlen - Glückwunsch Hansestadt Hamburg! Da nützrn auch keine teuren Promis die heute abend auf Kosten der Bürger eingeladen sind- sehr sozial alles in HH!

Herr Paule 50

12.01.2017, 11:01 Uhr

Dass nun auch im Handelsblatt unsachliche und unqualifizierte Kommentare möglich sind, ist sehr bedenklich!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×