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20.06.2013

10:47 Uhr

Elbphilharmonie

Hochtief baut zum Pauschalpreis weiter

Seit anderthalb Jahren hat sich an der Baustelle der Elbphilharmonie nichts getan. Bald macht der Hochtief-Konzern aber weiter. Die Hamburgische Bürgerschaft hat einem Vertrag zugestimmt. Der ist umstritten.

Philharmonie-Baustelle an der Elbe im Hamburger Hafen. dpa

Philharmonie-Baustelle an der Elbe im Hamburger Hafen.

HamburgNach mehr als eineinhalb Jahren Stillstand können die Bauarbeiten an der Hamburger Elbphilharmonie weitergehen. Die Bürgerschaft segnete am Mittwoch in einer Sondersitzung mit den Stimmen der alleinregierenden SPD die von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) ausgehandelte Neuordnung von Deutschlands größtem Kulturprojekt ab. Danach übernimmt der Essener Baukonzern Hochtief nun sämtliche Risiken und baut das Konzerthaus bis Oktober 2016 zum „Globalpauschalfestpreis“ von 575 Millionen Euro zu Ende.

Die Gesamtkosten inklusive aller Neben- und Planungsposten belaufen sich laut Senat inzwischen auf 789 Millionen Euro. Die Elbphilharmonie kommt den Steuerzahler damit mehr als zehnmal so teuer wie angekündigt, als das Konzerthaus 2005 vom damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) mit rund 77 Millionen Euro veranschlagt wurde.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

CDU, Grüne und Linke stimmten gegen die Neuordnung des Baus der Architekten Herzog & de Meuron, die FDP enthielt sich der Stimme. Zuvor hatte Scholz noch vergeblich um Unterstützung aus der Opposition geworben. Er verwies etwa auf die zuletzt angehörten Sachverständigen, die alle für die ausgehandelte Neuordnung plädiert hätten. Der Vertrag biete nicht nur einen Festpreis und sichere die Bauqualität. Dazu gehöre auch eine Haftungs- und Garantieübernahme durch Hochtief, die „kein anderer öffentlicher Bauherr in künftigen Verträgen jemals bekommen wird“, sagte Scholz. Die Zusatzkosten und den Verzicht auf Schadenersatz durch die Stadt erklärte Scholz mit Blick auf nach wie vor bestehende Risiken, die nun jedoch sämtlich bei Hochtief lägen.

Scholz betonte, die Stadt sei bis Dezember vergangenen Jahres auf Kündigungskurs gewesen. Das Szenario sei bereits durchgerechnet gewesen. Der Bruch mit Hochtief habe nur durch ein letztes Angebot durch den Konzern abgewendet werden können. Trotz der Bitten um Unterstützung konnte sich Scholz jedoch eine Spitze gegen Opposition und Vorgängersenate nicht verkneifen: „Nur wer starke Nerven hat, nur wer hart verhandelt, wer nicht mit den Logiken des politischen Prozesses, sondern mit einer klaren Interessenvertretung der Stadt in dieser Sache agiert, kann ein so gutes Ergebnis erzielen.“

Kommentare (5)

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Micha

20.06.2013, 11:04 Uhr

789 Millionen statt 77 Millionen!
Das zeigt die Kompetenz unserer Steuergeldverschwender!!!
Was passiert den Verantwortlichen, wenn es überhaupt welche gibt? NICHTS!!! das ist zum K.....!!!
Wäre interessant zu erfahren, welche Person im Gegenzug einen Luxusurlaub, eine Ferienwohnung oder sonstiges bekommen hat :-)

Account gelöscht!

20.06.2013, 13:09 Uhr

Irgendwie größenwahnsinnig anzusehen...

Haegar

20.06.2013, 13:37 Uhr

Wäre doch sehr interessant zu hören, wie Ole von Beust zu seiner Offerte für 77 MEUR kam, was genau darin stand, und warum er daran glaubte.
Wird das dem Steuerzahler vielleicht auch mal unverschleiert offengelegt?

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