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29.01.2005

13:00 Uhr

Elektro-Stimulation soll straffe Muskeln liefern

Stromschläge für Bauch, Beine und Po

VonKirsten Niemann (Handelsblatt)

Die Annonce einer Berliner Tageszeitung las sich verführerisch: Ein Gesundheitsstudio suchte Probanden für eine Versuchsreihe. Das Motto: "Der ultimative Weg zum Superkörper - ohne Diät und ohne Sport."

HB DÜSSELDORF. Mit einem neuartigen Muskeltraining per Elektro-Stimulation, kurz EMS, sollte das funktionieren. Birgit Beseler hatte keine Lust zu hungern und war gleich dabei. Dreimal die Woche zwängt sich die 43-jährige PR-Beraterin nun in eine spezielle Korsage. Sie lässt sich vom Hals bis zu den Füßen mit Elektroden verkabeln und von einem Gerät mit dem grimmigen Namen "Bodytransformer" unter Strom setzen.

In Rehabilitation und Physiotherapie wird die elektrische Muskelstimulation schon seit langem erfolgreich eingesetzt. Auch im Leistungssport ist das Stromgerät beliebt: Die Leichtathletin Heike Drechsler und der Radfahrer Erik Zabel schwören auf ein Training mit Stromschlägen. Jetzt hat die Maschine den Weg ins normale Fitness-Studio gefunden.

Acht Kilo hat Beseler in den vergangenen fünf Monaten abgenommen. Jetzt fühlt sie sich kompakter, muskulöser und viel besser in Form.

Auch Michael Drechsler lässt sich zweimal die Woche mit dem Stromkasten verkabeln. Der 51-Jährige leidet seit Jahren an Rheuma und Arthritis. Zwei Bandscheibenvorfälle hatten ihn bereits niedergestreckt. Den linken Arm konnte er kaum noch bewegen. "Hinzu kamen Gelenkschmerzen und Morgensteife", erzählt er.

Schon nach kurzer Zeit bemerkte Michael Drechsler die erste Erfolge: Der Oberkörper ist gestrafft worden, der linke Arm fühlt sich an wie neu, und die Rückenmuskulatur ist so weit gestärkt, dass sie nicht mehr schmerzt. 100 Euro kostet der Spaß im Monat, die Krankenkassen zahlen nichts dazu. Aber Drechsler trainiert weiter. Er sieht erstmals seine Muskeln wachsen. "Ich sehe mich schon als Schwarzenegger", witzelt er.

Geschichten wie diese und Werbespots aus dem Verkaufsfernsehen könnten suggerieren: Wer fit und gesund sein will, darf weiterhin faul auf dem Sofa liegen und einfach einen Apparat für sich trainieren lassen. Doch die Geräte aus der Fernsehwerbung haben nichts mit dem speziell für Fitness-Studios entwickelten Bodytransformer zu tun.

Das Gerät hat den Vorteil, dass es innerhalb von einer halben Stunde etwa 600 Muskeln gleichzeitig bearbeitet. "Um denselben Effekt zu erzielen, müsste man 20 Stunden intensives Krafttraining betreiben", sagt Harald Lütkemüller, Betreiber des Gesundheitsparks Gifhorn. Er ist Produzent des Geräts.

Seit vier Jahren trainiert der 54-Jährige an seinem Apparat. Um den Effekt wissenschaftlich untermauern zu lassen, hat sich Lütkemüller an den Fitnessforscher Wend-Uwe Boeckh-Behrens gewandt. "Dem Muskel ist es egal, ob er aus der Steckdose stimuliert wird oder durch Bewegung", erklärt der Sportwissenschaftler an der Uni Bayreuth. Hanteln gehören in die Steinzeit. Das 21. Jahrhundert will Spitzentechnik.

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