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08.03.2011

09:11 Uhr

Elizabeth Peyton

Zeitlos schöne Porträts

VonMarc Peschke

Die amerikanische Malerin Elizabeth Peyton fasziniert die Kunstwelt mit Porträts der Popwelt, die wie aus der Zeit gefallen wirken. Die Opelvillen in Rüsselsheim zeigen jetzt das attraktive druckgraphische Werk.

Elizabeth Peyton Flower Ben (Two) 2002 Monotypie mit Malerei auf handgeschöpftem Twinrocker-Papier Elizabeth Peyton, 2002 Sammlung Boros Courtesy neugerriemschneider, Berlin Quelle: Elizabeth Peyton

Elizabeth Peyton Flower Ben (Two)

2002 Monotypie mit Malerei auf handgeschöpftem Twinrocker-Papier

Elizabeth Peyton, 2002 Sammlung Boros Courtesy neugerriemschneider, Berlin

RüsselsheimEminem, Peter Doherty, Noel Gallagher, Jarvis Cocker oder Kurt Cobain sind sehr unterschiedliche Figuren der Popkultur, die eines eint: Sie alle wurden von der amerikanischen Künstlerin Elizabeth Peyton porträtiert. Und nicht nur sie. Oscar Wilde oder Richard Wagner gehören auch zum Kreis der Auserwählten. William Shakespeare, Künstler wie Frida Kahlo, David Hockney oder Robert Mapplethorpe, aber auch einige enge Freunde Peytons, die immer wieder in ihrer Bildwelt auftauchen.

Duftig und farbenfroh

Porträts all dieser Menschen sind jetzt in einer Ausstellung in den Rüsselsheimer Opelvillen zu sehen, ausgeführt ausschließlich in druckgraphischen Techniken wie Lithographie, Holzschnitt, Radierung und Monotypie (Einblattdruck). Die Schau in der so eleganten Autobauer-Villa am Mainufer ist ein Genuss schon in architektonischer Hinsicht: Das großbürgerliche Ambiente der Räume bietet den Rahmen für etwa 60 Arbeiten, die sich der Gegenwart auf den ersten Blick konsequent entziehen. Duftig, farbenfroh, leicht, ätherisch, so sind diese kleinen und großen Porträts, die an Vergangenes erinnern. Denn die Art des Strichs, die Farben, all das scheint aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts zu stammen. Manches wirkt noch älter, erinnert an das späte 19. Jahrhunderts. An Manet, Cézanne oder Degas. An manche Blumenbilder von Matisse.

 

Auf der Suche nach der Schönheit

 

Das große Thema der New Yorkerin ist die Schönheit. Als Malerin, aber auch als Grafikerin. Oscar Wilde ist einer ihrer Helden. Und ihre Kunst ist reiner Schönheit tatsächlich manchmal ganz nah, etwa wenn Florales in die Bilder einbricht. In leuchtendem Rosa, in Hellgrün, in Schmetterlings-Gelb. Selten sieht man heute solche Kunst, erlebt solche Momente des „visuellen Wohlgefallens“, wie es Beate Kempfert, die Kuratorin der Ausstellung ausdrückt.

Elizabeth Peyton Kiss (Tony), 2000 Lithografie Courtesy neugerriemschneider, Berlin Quelle: Elizabeth Peyton

Elizabeth Peyton

Kiss (Tony), 2000 Lithografie

Courtesy neugerriemschneider, Berlin

 

Man mag sich die Werke der von der Berliner Galerie Neugerriemschneider vertretenen Künstlerin gerne und lange anschauen – und der Markt reagiert entsprechend: Viele der gezeigten Arbeiten sind nach Auskunft des Galeristen seit etlichen Jahren ausverkauft, die noch verfügbaren Werke kosten zwischen 3.500 und 15.000 Dollar, die unikaten Monotypien rangieren deutlich höher zwischen 35.000 und 45.000 Dollar.

 

Und so durchlaufen wir die 1931 errichtete Industriellen-Villa, beinahe die gesamte Peyton-Druckgraphik ist hier unter dem Titel „Ghost“ versammelt, historisches Parkett knirscht unter den Sohlen. „Drucken hat auch so eine Leichtigkeit, was dazu führen kann, dass ich einen Druck von jemandem herstelle, den ich nicht malen würde“, sagt Peyton – und diese Leichtigkeit durchzieht die sorgsam-sparsam behängten Räume.

 

Plattencover als Vorlage

 

Andy Warhol erklärte 1975, jeder Mensch sei zu einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens schön. Seine Idee war es, diesen Moment als visuelles Ereignis zu feiern. Peytons Porträtkunst – die stets nur den Vornamen des Dargestellten als Titel trägt – ist intimer, auch wenn ihr als Vorlagen oft Fotos aus Magazinen oder auch Plattencover dienen.

 

Androgyne Jugendlichkeit

 

In Rüsselsheim sehen wir nun, was man aus solchen Schnappschüssen der Medienwelt machen kann: sehr bekannte und gleichzeitig äußerst privat anmutende Bilder fragiler Schönheit und androgyner Jugendlichkeit. Kunst, die auf der Suche nach dem Schönen frei durch die Dekaden springt und gerne mal in den Rückspiegel blickt. Die nostalgisch ist und gegenwärtig im selben Moment, modern und romantisch – und irgendwie dann doch vollkommen aus der Zeit gefallen. Bewundert werden wollen all diese schönen Geister, wie der junge britische Künstler Nick Relph, den Peyton über Jahre immer wieder porträtiert hat. Kunst zum Bewundern, bewundernswerte Kunst – daran muss man sich erst einmal wieder gewöhnen.

Nick in L.A. 2002 Radierung in Sepiafarbe auf Somerset-Papier Elizabeth Peyton, 2002 Courtesy neugerriemschneider, Berlin Quelle: Elizabeth Peyton

Nick in L.A.

2002 Radierung in Sepiafarbe auf Somerset-Papier

Elizabeth Peyton, 2002

Courtesy neugerriemschneider, Berlin

Elisabeth Peyton: "Ghost" 

Bis 15. Mai

Opelvillen

Ludwig-Dörfler-Allee 9

Rüsselsheim

Mi/Do 10-12 Uhr, Fr-So 10-18 Uhr

www.opelvillen.de

 

Der gelungene, schön gestaltete Katalog erschien im Hatje Cantz Verlag: 168 Seiten, 91 farbige Abbildungen, 48 Euro.

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