Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.07.2014

16:23 Uhr

Enteignete Kunstschätze

Haus Wettin erhält Millionenabfindung

18 Jahre nach dem ersten Gerichtsverfahren haben sich das Haus Wettin und der Freistaat Sachsen auf eine weitere Abfindung geeinigt. Damit ist der Streit um durch die DDR enteignete Kunstwerke final beigelegt.

Alexander Prinz von Sachsen-Gessaphe vor einem Gemälde des sächsischen Königs August des Starken: Werke aus der einstigen Sammlung der Wettiner blieben im öffentlichen Besitz. dpa

Alexander Prinz von Sachsen-Gessaphe vor einem Gemälde des sächsischen Königs August des Starken: Werke aus der einstigen Sammlung der Wettiner blieben im öffentlichen Besitz.

DresdenLetzter Akt nach 18 Jahren: Mit einer weiteren Abfindung für historische Kunstschätze sowie Rückgaben hat der Freistaat Sachsen einen Schlussstrich unter den Streit mit der einstigen sächsischen Herrscherfamilie gezogen. Vertreter des Landes und des Hauses Wettin unterzeichneten am Donnerstag in Dresden einen Vergleichsvertrag, der auch eine Erledigungsklausel enthält.

Im Gegenzug für Kunstgegenstände und Bücher aus ihrem Besitz bekommen die Wettiner rund 4,8 Millionen Euro. Der überwiegende Teil der etwa 10 000 verhandelten Objekte bleibt in den staatlichen Sammlungen. 1312 Bücher, Handschriften, Musikalien und Karten aus der Landesbibliothek sowie elf Möbel und Waffen aus den Dresdner Kunstsammlungen werden zurückgegeben und sollen verkauft werden.

Verhandlungen zwischen beiden Parteien begannen 1996. Der nach 1999, 2006 und 2011 vierte Vergleich schaffe unter Wahrung aller Beteiligten Rechtsfrieden und Rechtssicherheit, betonte Kunst-Staatssekretär Henry Hasenpflug. Wichtige und unverzichtbare Kulturgüter von herausragendem historischen und wissenschaftlichen Wert könnten für Öffentlichkeit und Forschung erhalten werden. Mit dieser „endgültigen und abschließenden Einigung“ sind jegliche Ansprüche des Hauses Wettin an den Freistaat abgegolten.

Nach dem Entschädigungsgesetz von 1994 erhalten Adelige und private Sammler, die zwischen 1945 und 1949 in der DDR enteignet wurden, bewegliche Sachen wie Bilder, Möbel, Porzellan und Tafelsilber zurück. Es schreibt die Rückgabe der Kunstgegenstände Ende 2014 vor, falls es vorher zu keiner gütlichen Einigung gekommen ist.

Auch die Wettiner freuten sich „über diesen abschließenden Akt der Wiedergutmachung“, wie Rechtsanwalt Gerhard Brand sagte. Ursprünglich wollten sie eine 100-prozentige Abfindung für Möbel, Gemälde, Grafik, Pretiosen, Bücher und Handschriften. Der Freistaat aber bestand auf Teilrückgabe. „Der Vergleich ist naturgemäß ein Kompromiss“, erklärte Brand. Die Wettiner planen, die restituierten Stücke mit einem Schätzwert von rund 1,15 Millionen Euro zu verkaufen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×