Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.10.2013

14:15 Uhr

Entscheidung in Stockholm

Alice Munro erhält den Literaturnobelpreis

VonHelmut Steuer

Der Literaturnobelpreis geht dieses Jahr zum ersten Mal nach Kanada. Die Jury in Stockholm entschied sich für Alice Munro, die sich vor allem mit ihren Kurzgeschichten einen Namen gemacht hat.

Stockholm

Literatur-Nobelpreis geht an Alice Munro

Stockholm: Literatur-Nobelpreis geht an Alice Munro

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

StockholmDer diesjährige Literaturnobelpreis geht an die kanadische Schriftstellerin Alice Munro. In der Begründung der Schwedischen Akademie heißt es, sie sei eine „Virtuosin der zeitgenössischen Novelle“. Einer breiten Öffentlichkeit wurde sie durch ihre Kurzgeschichten bekannt. In Deutschland erschien erst vor Kurzem „Was ich dir schon immer sagen wollte/13 Erzählungen“.

Munro wird wegen ihrer feinstimmigen Erzählkunst von vielen als kanadischer Tschechow angesehen. Ihre Kurzgeschichten spielen häufig im Kleinstadtmilieu, „wo der Kampf von Menschen für ein würdiges Leben oft Beziehungsstörungen und moralische Konflikte erzeugt“, wie die Schwedische Akademie schreibt.

Der ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, Peter Englund, sagte, Munro habe die Kurzgeschichte „zur Perfektion“ gebracht. Zu den in Deutschland erhältlichen Büchern gehören „Zu viel Glück“ (2011), „Tanz der seligen Geister“ (2010) und „Der Bär kletterte über den Berg“ (2008). Der deutsche Literaturkritiker Dennis Scheck bezeichnete die Wahl Munros als „sensationell“. Die Kanadierin habe die Kurzgeschichte in das 21. Jahrhundert gerettet. Mit der Auszeichnung Munros geht erstmals ein Literaturnobelpreis nach Kanada. Munro ist erst die 13. Frau in der langen Liste der Literaturnobelpreisträger.

Literaturnobelpreis - Die Preisträger seit 2000

Superlative Ehrung

Der Nobelpreis für Literatur wird seit 1901 vergeben. Nach dem testamentarischen Willen des schwedischen Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) erhält derjenige den Preis, „der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat“. Es folgen die Preisträger seit dem Jahr 2000.

2000

Gao Xingjian (China/Frankreich)

2001

V.S. Naipaul (Trinidad und Tobago/Großbritannien)

2002

Imre Kertész (Ungarn)

2003

John M. Coetzee (Südafrika)

2004

Elfriede Jelinek (Österreich)

2005

Harold Pinter (Großbritannien)

2006

Orhan Pamuk (Türkei)

2007

Doris Lessing (Großbritannien)

2008

J.M.G. Le Clézio (Frankreich)

2009

Herta Müller (Deutschland)

2010

Mario Vargas Llosa (Peru/Spanien)

2011

Thomas Tranströmer (Schweden)

2012

Mo Yan (China)

Die Kanadierin lebt sehr zurückgezogen. Auch der Schwedischen Akademie gelang es nicht, die Preisträgerin persönlich zu informieren. Stattdessen hinterließ Englund eine Mitteilung auf ihrem Anrufbeantworter. Noch ist nicht klar, ob die scheue Schriftstellerin zur Preisverleihung am 10. Dezember nach Stockholm reisen wird.

Die 83-jährige Kanadierin aus Wingham in Ontario galt seit Langem als eine der Favoritinnen auf den Literaturnobelpreis. In diesem Jahr war allerdings  die weißrussische Autorin und Journalistin Swetlana Alexijewitsch der Top-Tipp. Sie erhält auch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Am Freitag wird der Friedensnobelpreisträger bekanntgegeben. Dieser Preisträger wird traditionell als einziger Preis nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo präsentiert. Der Preisstifter, der schwedische Industrielle und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel, hatte das in seinem Testament festgelegt, da Schweden und Norwegen bis 1905 eine politische Union bildeten.

Als Favoritin wird die 16-jährige pakistanische Bloggerin Malala Yousafzai gehandelt. Auf sie war im vergangenen Jahr ein schweres Attentat verübt worden, nachdem sie sich gegen die Taliban und deren Schulgangsverbot für Mädchen ausgesprochen hatte.

Im vergangenen Jahr hatte die Europäische Union den Friedensnobelpreis erhalten. Die Nobelpreise sind in diesem Jahr mit jeweils acht Millionen Kronen (899.000 Euro) dotiert. Sie werden am 10. Dezember, dem Todestag ihres Stifters, in Stockholm und Oslo überreicht.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

auslaender

10.10.2013, 13:49 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

arbeiter

10.10.2013, 14:03 Uhr

und die finden sich vmtl ganz phantastisch, wenn sie ein paar Flocken austun: Das muß jawoll ganz Nobel sein.
Und die Ehre?
[...]
Schriftsteller werden andere Sorgen haben auch künftig als diesen [...] Nobelpreis.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

leser

10.10.2013, 14:17 Uhr

Mir von einem Sprengstofffabrkanten mit bislang ungezählten Toten auch noch einen Preis zuerkannt zu bekommen.

Weißgott, da haben aber andere anderes zu tun.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×