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03.05.2011

15:44 Uhr

Eurovision Song Contest

Düsseldorf zwischen Goldgräberstimmung und Panikmache

Lena Meyer-Landrut ist für Düsseldorf zum Tourismusfaktor geworden. Doch Fans des Eurovision Song Contest fürchten, dass am 14. Mai in der Rheinmetropole keine Betten mehr frei sind - oder nur zu astronomischen Preisen.

Tourismus-Faktor Lena: Für Düsseldorf soll die Sängerin und ihre Mission Titelverteidigung beim ESC zum Klassenschlager werden. Quelle: dpa

Tourismus-Faktor Lena: Für Düsseldorf soll die Sängerin und ihre Mission Titelverteidigung beim ESC zum Klassenschlager werden.

DüsseldorfZur Mission Titelverteidigung von Lena Meyer-Landrut droht Düsseldorf aus allen Nähten zu platzen. Das hat eine Mischung aus Goldgräberstimmung und Panikmache entstehen lassen. So beschreibt jedenfalls Rainer Spenke, Geschäftsführer des Düsseldorfer Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), die Stimmung vor dem Eurovision Song Contest (ESC). In heller Erwartung auf das Großereignis versprachen sich Hoteliers satte Gewinne. Fans befürchteten hingegen exorbitante Preise für eine Unterkunft oder gar reihenweise ausgebuchte Hotels.

Genährt wurde diese Gemengelage noch zusätzlich dadurch, dass mit der "Interpack" die weltgrößte Messe der Verpackungsindustrie mit 180.000 Besuchern parallel zum ESC in Düsseldorf stattfindet. Der Ausnahmezustand schien programmiert.

"Wir kriegen noch alle Besucher unter", ist sich Spenke sicher. Die im Vorfeld geäußerten Erwartungen und Befürchtungen seien mittlerweile von der Realität eingeholt worden. Hotels verfügten noch über freie Betten und nicht jeder Hotelbetreiber verlange astronomische Preise. Ein Doppelzimmer im Zwei-Sterne-Hotel in der Nacht nach dem ESC-Finale (14. Mai) sei zum Beispiel ab 260 Euro erhältlich. "Das ist natürlich ein recht hohes Preisniveau. Aber für die Hotels ist im Moment Hochsaison", sagt Spenke.

Die wichtigsten Fragen zum ESC

Was ist eigentlich der ESC?

Im Jahr 1955 beschloss die Europäische Rundfunkunion (EBU) - ein Zusammenschluss der staatlichen und öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten diesseits des Eisernen Vorhangs - ein gemeinsames Projekt: den Grand Prix of the Eurovision. 1956 wurde der Musikwettbewerb dann erstmals in der Schweiz veranstaltet - mit sieben Ländern.

Wieso heißt es nicht mehr Grand Prix?

Der Wettbewerb hat viele Namen: Das deutsche Fernsehen nannte ihn anfangs Grand Prix Eurovision de la Chanson oder auf Deutsch Großer Preis der Eurovision, die erste Ausgabe in Lugano hatte den italienischen Titel Gran Premio Eurovisione Della Canzone Europea. Schon 1960 hieß der Wettbewerb in Großbritannien Eurovision Song Contest, 1992 wurde dieser Titel international vereinheitlicht.

Wo findet der ESC statt?

Nach den ersten drei Wettbewerben in der Schweiz, in Deutschland und den Niederlanden (1956/1957/1958) wurde die Regel eingeführt, dass das Siegerland den nächsten ESC ausrichten darf. Doch in der Vergangenheit wurde auch schon auf diese Ehre verzichtet - unter anderem wegen der hohen Kosten. Die Niederlande (1960), Frankreich (1963), Monaco (1972) und Luxemburg (1974) ließen Großbritannien ran; Israel überließ 1980 den Niederlanden den Grand Prix.

Hauptstadt oder Provinz?

Der ESC-Zirkus gastiert gerne mal außerhalb der großen Metropolen: So siegte Nicole 1982 in Harrogate und Guildo Horn hatte 1998 alle lieb in Brighton. Die Hauptstädte sind bei den Austragungsorten jedoch in der Mehrheit - 35:21 steht es derzeit, wobei sich Deutschland gegen den Trend stellte. Für das Finale am 14. Mai 2011 wurde Düsseldorf gewählt, und auch die Wettbewerbe 1983 und 1957 fanden nicht in der Hauptstadt, sondern in München und Frankfurt am Main statt.

Wie viele Länder haben bisher teilgenommen?

Insgesamt 49 Länder finden sich in den Ergebnislisten des ESC, darunter auch Kleinstaaten wie Andorra, Monaco und San Marino. Marokko ist das einzige afrikanische Land, das bislang mitmachte (1980). In diesem Jahr sind 43 Länder dabei, so viele Teilnehmer gab es bisher nur im Jahr 2008.

Hat schon mal jemand wie Lena versucht, seinen Titel zu verteidigen?

Ja, Titelverteidigungsversuche gab es bereits, aber keiner war erfolgreich. Die Siegerin des ersten Grand Prix 1956, die Schweizerin Lys Assia, trat 1957 nochmals an - und wurde Vorletzte. Und die Gewinnerin des 1957er Wettbewerbs, Corry Brokken aus den Niederlanden, wurde im Folgejahr sogar Letzte. Allerdings gibt es einen Teilnehmer, der zweimal gewonnen hat: Johnny Logan holte 1980 und 1987 den Titel für Irland.

Gibt es Top- und Flop-Nationen?

Ja, eindeutig. Irland ist mit sieben Siegen top, auch wenn der letzte Gewinn 17 Jahre zurückliegt; Deutschland ist bei den Teilnahmen top, 55 Mal war die Bundesrepublik dabei. Großbritannien ist Top-Gastgeber, acht Mal war der ESC auf der Insel zu Gast. Als Flop-Länder kann man wohl die bezeichnen, die nie gewonnen haben - das sind immerhin 24 von 49 Teilnehmern. Und von denen die schlechtesten sind Andorra, Montenegro und San Marino, sie haben insgesamt null Punkte auf ihrem Eurovisions-Konto. Noch eine Stufe tiefer geht es nur für Tschechien: Bei drei Teilnahmen 2007, 2008 und 2009 wurde nie das Finale erreicht.

Als die Ausrichtung des Song Contests im Oktober 2010 an Düsseldorf vergeben wurde, hatte der NDR als Veranstalter bereits vorgesorgt. Für Mitarbeiter, Teilnehmerdelegationen und Journalisten wurde ein Bettenkontingent von 2.500 Plätzen reserviert. "Die sind aber nicht alle abgerufen worden", sagt Spenke. Zurück auf dem Markt wurde dadurch das Bettenangebot vergrößert, und Fans konnten die Zimmer buchen.

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