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27.05.2012

09:17 Uhr

Eurovision Song Contest

Schweden triumphiert, Deutschland zufrieden

Favorit Schweden hat den Eurovision Song Contest in Baku gewonnen. Sängerin Loreen verwies die russischen Pop-Omas auf Rang zwei. Deutschland wird Achter, hat aber den besten Auftritt des Abends - dank Anke Engelke.

Der Eurovision Song Contest wird im kommenden Jahr in Schweden ausgetragen. Die große Favoritin des ESC, Sängerin Loreen, konnte in der Nacht zu Sonntag beim ESC-Finale in Baku jubeln. dpa

Der Eurovision Song Contest wird im kommenden Jahr in Schweden ausgetragen. Die große Favoritin des ESC, Sängerin Loreen, konnte in der Nacht zu Sonntag beim ESC-Finale in Baku jubeln.

BakuSchweden hat zum fünften Mal den Eurovision Song Contest gewonnen. Mit ihrem mystischen Popsong „Euphoria“ landete die Sängerin Loreen im Finale in Baku deutlich vor der Konkurrenz. Am Ende hatte sie 372 Punkte und damit 113 mehr als die russische Oma-Gruppe Buranowskije Babuschki („Party for Everybody“) auf Platz zwei. Der deutsche Teilnehmer Roman Lob (21) kam mit seiner Ballade „Standing Still“ auf Rang acht und war sehr zufrieden mit seiner Platzierung. Die deutsche Jury-Chefin Anke Engelke glänzte bei ihrem Kurzauftritt zur Punktevergabe mit deutlichen, aber charmant verpackten Worten an die Adresse der autoritären Führung Aserbaidschans.

„Heute Nacht konnte ja niemand für sein eigenes Land abstimmen. Aber es ist gut, abzustimmen, und es ist gut, eine Wahl zu haben. Viel Glück auf eurer Reise, Aserbaidschan. Europa schaut auf euch“, sagte Engelke in der Live-Schalte nach Baku, bevor sie von der Grand-Prix-Party in Hamburg die deutsche Punktwertung verkündete.

Um den Musikwettbewerb in der früheren Sowjetrepublik im Südkaukasus hatte es im Vorfeld heftige Diskussionen gegeben. Die Regierung des Landes unter Präsident Ilcham Alijew steht wegen ihres Umgangs mit Oppositionellen und wegen Verstößen gegen die Rede- und Pressefreiheit in der Kritik. Bis zum Tag des Finales kam es immer wieder zu Protesten, die die Führung mit Polizeigewalt unterband. Dutzende Regierungsgegner wurden allein in der letzten Grand-Prix-Woche verprügelt und festgenommen.

Einen Tag vor dem Finale verlangte das Internationale Presseinstitut (IPI) in Wien vom aserbaidschanischen Präsidenten Aufklärung über Berichte von Angriffen auf Journalisten. In dem offenen Brief wurde Alijew zudem aufgefordert, er solle die Fälle von sechs inhaftierten Reportern überprüfen.

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Berichte über Angriffe auf mehrere Journalisten sollten vollständig und transparent untersucht werden, mahnte IPI-Direktorin Alison Bethel McKenzie an. Viele internationale Beobachter hätten berichtet, dass die Beschuldigungen, die zur Inhaftierung der Journalisten führten, konstruiert worden seien wegen ihrer kritischen Berichterstattung. Sollte sich dies als wahr herausstellen, sei dies eine Verletzung der Menschenrechte.

Während der Finalshow, die der gigantischen Gala in Düsseldorf im vergangenen Jahr kaum nachstand (und eben auch von der deutschen Firma Brainpool produziert wurde), gab es keine politischen Aktionen oder Äußerungen der Künstler - dies verbieten die Regeln der Europäischen Rundfunkunion EBU, die den Wettbewerb veranstaltet.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

27.05.2012, 10:56 Uhr

Schön, wenn man seine private Meinung - die jedem zusteht - als unterdrückte Mehrheitsmeinung verkaufen möchte. Bei nahezu allen Freunden und Bekannten war Schweden unter den Top 3 und ist auch meiner Meinung nach ein verdienter Sieger.

Dass Dänemark so weit hinten lag, hat mich gewundert. Serbien war dagegen eine positive Überraschung.

Was mich jedesmal wundert, sind die Kommentare zu den Nachbarschaftspunkten. Da geht es insbesondere auf dem Balkan und in der ehemaligen Sowjetunion weniger um den zufällig gleichen Musikgeschmack als vielmehr um Herkunft. Es leben eben viele Russen in der Ukraine und viele Serben in Montenegro, und die wählen dann sehr intensiv ihr Heimatland. Ebenso wie die Deutschen türkischer Herkunft. Gewinnen kann daher nur jemand, der es schafft, alle Länder anzusprechen. Aserbaidschan war ein typisches Beispiel: Völlig westliche Musik aus einem (mehrheitlich) muslimischen "Oststaat". Damit kann man von überall Punkte abgreifen.

Ansonsten ist es natürlich jedes Jahr das gleiche: Sehr viel Schrott mit 5 oder 6 netten Highlights.

Account gelöscht!

27.05.2012, 11:08 Uhr

Schweden war der klare Sieger. Diese Frau hat wirklich Talent. Einfach grossartig.

Blinse

27.05.2012, 12:50 Uhr

Wenn wir uns aus diesem "Wettbewerb" zurückzögen, bräche dann der Euro auseinander? : D

An alle Fans: Weiterhin viel Vergnügen mit dieser Freakshow inkl. schlechter Musik.

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