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01.02.2011

09:11 Uhr

Eurovision Song Contest

Überdosis Lena vor den Meyer-Landrut-Spielen

Düsseldorf rüstet sich für den Eurovision Song Contest. Mit der Veranstaltung will die Stadt ihren veralteten Ruf als Schicki-Micki-Stadt abschütteln. Gleichzeitig zeichnet sich jedoch ab, dass ausgerechnet "Everybody's Darling" Lena viel von ihrem Zauber eingebüßt hat. Eine Feststellung, die der ESC-Vorentscheid noch unterstreicht.

dpa

bia/HB DÜSSELDORF/KÖLN. Es ist schon weit nach Mitternacht, als sich Lena Meyer-Landrut (19) mit der Hand durch die Haare fährt. „Ich hau ab“, sagt sie zu Stefan Raab. Todmüde sieht sie aus - und das ist kein Wunder: Am Montagabend musste sie in der ersten Ausgabe von „Unser Song für Deutschland“ einen ganzen Castingwettbewerb im Alleingang bestreiten. Einzige Teilnehmerin war sie selbst - so hatte es Raab schon wenige Stunden nach ihrem Grand-Prix-Sieg verfügt.

Noch in der Nacht von Oslo hatte Lenas Entdecker, Mentor und Übervater Stefan Raab bestimmt, dass sie den Titel dieses Jahr im eigenen Land verteidigen müsse. Für die Sendergewaltigen der ARD muss es eine ungewohnte Situation gewesen sein, auf diese Weise vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Sie haben seither immer beteuert, dass Herr Raab da wieder eine famose Idee gehabt hat. Aber Zweifel sind geblieben, selbst bei den Fans.

Lena startete am Montag in den Vorentscheid, bei dem sie sich selbst schlagen kann, darf und muss. Einzig der Titel steht noch zur Disposition. "Es kommt darauf an, dass Song und Künstler eine Synthese bilden", verkündete Raab zu Beginn. Klar, das eine Lied passte besser zu Lena, das andere weniger. Aber die Begeisterung vom letzten Jahr, das Entzücken und Erstaunen über Fräulein Frech, das wollte sich bei keinem Song wieder einstellen.

Geht ja auch gar nicht, schließlich ist Lenas Art mittlerweile allseits bekannt. Sie tritt zudem einfach gegen sich selbst an, nach dem Motto: "Das war Lena Meyer-Landrut. Und nun begrüßen Sie mit mir: Lena Meyer- Landrut!" Sie muss sich halt zwischendurch mal umziehen und hoffen, dass es nicht so auffällt. Denn: eine drohende Überdosis Lena ist mittlerweile greifbar.

Am Montagabend gab's erst mal Lena im Six Pack: Jeweils in einem anderen Outfit gab sie sechs Lieder zum Besten, aus denen die Fernsehzuschauer drei auswählten. Kommenden Montag gibt's noch mal das gleiche Procedere, und dann wird im Vorentscheid-Finale am 18. Februar „Unser Song für Deutschland“ gekürt. Für alles, was dann geschieht, trägt der Zuschauer die Verantwortung, denn er hat das Lied schließlich ausgesucht.

Wie man es bei einem Wettbewerb mit nur einer Teilnehmerin erwarten kann, war die von ProSieben übertragene Show nicht gerade spannungsgeladen. Die größte Überraschung war noch, dass das von Raab geschriebene „That Again“ prompt durchfiel. Favorit des Studiopublikums war der Elektro-Song „Taken By A Stranger“, den Raab mit den Worten kommentierte: „Man findet es faszinierend, weil man nicht so genau weiß, was das soll.“ Ins Finale gewählt wurden außerdem der Mainstream-Song „Maybe“ und die Lena/Raab-Komposition „What Happened To Me“, bei der Lena stimmliche Probleme erkennen ließ.

Nicht gerade zur Belebung beigetragen hat die kreuzbrave Jury. Als „Jurypräsident“ agierte wie gehabt Stefan Raab, der auf diese Weise zwei seiner eigenen Lieder zu beurteilen hatte. Dann gab's den Chartkönig aus der Schwarzen Szene, „Der Graf“, von dem jeder in der Branche weiß, dass er trotz seines Dracula-Images keiner Fliege was zuleide tut und folglich alle Lieder einmütig lobte. Dritte im Bunde war die Silbermond-Frontfrau Stefanie Kloß, die noch die qualifiziertesten Kommentare abgab, aber auch alles irgendwie toll fand. „Anders, aber mutig“ war noch das Kritischste.

Kommentare (3)

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zarakthuul

01.02.2011, 14:57 Uhr

Fräulein M.-L. schreibt die Tradition mittelmäßiger Teilnehmer an diesem "Gesangswettbewerb" weiter. Kein ernstzunehmender Musiker stellt sich für diese Farce zur Verfügung.

widerstand10

01.02.2011, 17:51 Uhr

Wenn man nicht wüsste, dass Stephan Raab wie ein Schaufelbagger durch die Medien flügt um ordentlich Kohle abzusahnen, könnte M,-L die Vorzeige Ouoten-Frau-Girl-Mädchen 2011 werden. Mehr Ouote geht nicht.

Wespe

02.02.2011, 09:57 Uhr

ich zitiere aus einem guten Artikel,"langweilig wie eine DDR-Wahl"...

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