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04.12.2015

13:41 Uhr

Expressionistische Künstlerpostkarten

„Mit Dank quittiert“

VonSabine Spindler

Die Hamburger Zahnärztin Elsa Hopf war eine Expressionismus-Sammlerin der ersten Stunde. Jetzt kommen bei Quittenbaum in München 80 Werke aus ihrem Nachlass zur Versteigerung. Darunter Künstlerpostkarten von Karl Schmidt-Rottluff und eine verschollen geglaubte Gouache von Walter Gramatté. Für Sammler bedeutet das einen Schub an marktfrischer Ware.

Walter Gramatté (1897-1929): "Portrait Rosa Schapire", 1920. Das Aquarell mit Gouachefarben kommt aus der Sammlung Dr. Rosa Schapire und gelangte dann in die Sammlung Dr. Elsa Hopf. Quelle: Quittenbaum

Rosa Schapire im Strahlenkranz

Walter Gramatté (1897-1929): "Portrait Rosa Schapire", 1920. Das Aquarell mit Gouachefarben kommt aus der Sammlung Dr. Rosa Schapire und gelangte dann in die Sammlung Dr. Elsa Hopf. Quelle: Quittenbaum

MünchenDas Auktionshaus Quittenbaum ist bekannt für Muranoglas, Bauhausentwürfe und Design der Nachkriegszeit. Die junge Sparte „Moderne Kunst“ stand stets im Schatten der angewandten Kunst. Doch wenn Askan Quittenbaum am 9. Dezember 2015 fast 20 Künstlerpostkarten von Karl-Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Franz Radziwill aus dem Nachlass der Hamburger Sammlerin Elsa Hopf aufruft, dann wird er seinen Aufmerksamkeitsradius in punkto Kunst des 20. Jahrhunderts um einiges erweitern. Frühe Künstlerpostkarten sind bei Sammlern sehr gefragt. Schon vor vier, fünf Jahren kreisten die Auktionspreise um die 30.000 bis 40.000 Euro.

Die Expressionisten hielten um 1908/1910 vorgedruckte Postkarten für ein komfortables Doppelmedium. Auf der Rückseite eine kurze Mitteilung im Stil heutiger E-Mails, auf der Vorderseite ein kleines originales Kunstwerk. Mit der trockenen Bemerkung „Mit Dank quittiert…“ schickte Karl Schmidt-Rottluff 1911 seiner Förderin Elsa Hopf einen kantigen, farbig staffierten, liegenden Akt. Er ist mit einem Schätzpreis von 15.000 bis 20.000 Euro eines der höchst dotierten Kunstgrüße dieser Auktion. Mit den Postkarten und 60 expressionstischen Graphiken aus dem Nachlass dieser Expressionismussammlerin der ersten Stunde breitet Quittenbaum nicht nur einen marktfrischen Gabentisch aus. Er erzählt ein Kapitel emanzipierter, weiblicher Sammlungsgeschichte der Moderne.

Vor der Emigration der Freundin anvertraut

Die promovierte Zahnärztin Elsa Hopf war seit 1910 passives Mitglied der Avantgarde-Künstlergruppe „Die Brücke“ und gehörte damit zum Kreis engagierter Hamburger Moderne-Sammler um Gustav Schiefler und Elsa Schapire. Auf den Namen der Ausstellungskuratorin und Verfasserin des ersten, 1924 erschienen Verzeichnisses der Druckgraphik Schmidt-Rottluffs stößt man in dem Nachlass denn auch öfter.

Rosa Schapire soll bis zu ihrer Emigration mehr als 120 Künstlerpostkarten besessen haben. Einen Teil davon hat sie rechtzeitig in die Hände ihrer Freundin Elsa Hopf gelegt. Erich Heckels „Liegende mit Hund“ und „Liegender Weiblicher Akt mit Hund“ zur unteren Taxen von je 6.000 Euro und zehn zwischen 1.000 und 4.000 Euro geschätzte Postkarten von Franz Radziwill stammen eindeutig aus dieser Quelle. Mit dem auf 6.000 bis 7.000 Euro geschätzten Porträt Elsa Schapires von Walter Gramatté ist ein verschollen geglaubtes Werk wieder zutage gefördert. Die Gouache entstand wohl zeitgleich mit dem Gemälde „Elsa Schapire“ von 1920, das in der Berliner Nationalgalerie hängt.

Kirchners Badende wirft mit Schilf

Während über Elsa Schapires Rolle als Mäzenin der Moderne kein Zweifel mehr besteht, liegt die Bedeutung der 1943 verstorbenen Elsa Hopf weitgehend im Dunkeln. Mehr als 20 Jahre förderte sie das Werk Schmidt-Rottluffs. Wie wichtig sie ihm war, deutet der Eigendruck „Akte vor dem Vorhang“ an. Nur für Ausgewählte hat er den Holzschnitt höchstens zehn Mal abgezogen. Er erschien nie in einem Mappenwerk und erfordert mindesten ein Gebot von 18.000 Euro.

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