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28.09.2012

16:32 Uhr

Fälscherskandal

Beltracchi-Geschädigte bekommen Schadensersatz

Das Gemälde „Rotes Bild mit Pferden“ war eines der teuersten Bilder, die je in Deutschland versteigert wurden. Dann wurde es als Beltracchi-Fälschung enttarnt. Nun soll das Auktionshaus dem Käufer Schadensersatz zahlen.

Wolfgang Beltracchi (links) und sein Anwalt Reinhard Birkenstock sitzen während des Kunstfälscherprozesses im Gerichtssaal. dpa

Wolfgang Beltracchi (links) und sein Anwalt Reinhard Birkenstock sitzen während des Kunstfälscherprozesses im Gerichtssaal.

KölnMit einer gehörigen Portion Dreistigkeit nutzte der inzwischen verurteilte Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi die teils leichtfertige Prüfungspraxis des Kunstmarkts aus. Im Urteil gegen Beltracchi und seine Komplizen stellte das Landgericht Köln 2011 fest, dass der Kunstmarkt ihnen den Betrug „verblüffend einfach“ gemacht habe. „Ernsthafte Kontrollen haben nicht stattgefunden.“

Knapp ein Jahr später ist nun erstmals ein spektakuläres Urteil in einem Zivilprozess über die Schadenersatzklage eines geprellten Käufers gesprochen worden. Zur Kasse gebeten wird nicht etwa der vor einem Jahr zu einer sechsjährigen Gefängnisstrafe verurteilte Beltracchi - er verbüßt die Strafe im offenen Vollzug -, sondern das renommierte Kölner Kunsthaus Lempertz.

Es soll laut Urteil gut zwei Millionen Euro an das maltesische Unternehmen Trasteco zahlen. Trasteco hatte 2006 das Gemälde „Rotes Bild mit Pferden“ als ein im Katalog angepriesenes lange als verschollen geglaubtes Werk des rheinischen Expressionisten Heinrich Campendonk ersteigert. Das Bild erzielt einen Rekordpreis von fast 2,9 Millionen Euro mit Aufschlag und war auf der Titelseite des Auktionskatalogs abgebildet.

Das Landgericht Köln warf Lempertz in seinem Urteil Fahrlässigkeit bei der Prüfung vor. „Für eine sichere Zuschreibung des Bildes zu Heinrich Campendonk fehlte eine hinreichend tragfähige Grundlage.“ In diesem Fall hätte nach Ansicht des Gerichts wegen des „Rekordfundes“ und des sich abzeichnenden „Rekordpreises“ für das Bild und weil es keine Abbildung davon in der Fachliteratur gab, ein naturwissenschaftliches Gutachten eingeholt werden müssen.

Kommentare (3)

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muellerkeller

29.09.2012, 12:04 Uhr

Alle Experten haben das fragliche Bild doch bestaetigt und sich geirrt.Die WVZ Bearbeiterin Dr. Andrea Firmenich hat es sogar nach einem Gutachten des Doerner Institutes bestaetigt.Insofern verstehe ich den Richter nicht.Was soll den der Auktionator noch mehr tun?Und er kann doch lt. BGH nicht fuer etwas haften,was ihm nicht gehoert.Der Einlieferer hat den Erloes bekommen und sollte ihn nun wieder auskehren.Das renomierte Auktionshaus hat seinen Kommission honorig zurueckbezahlt.Im uebrigen war in einer Pressemeldung des Gerichtes doch zu lesen,dass das Auktionshaus nicht haette vorgewarnt sein muessen.Das ist kein Urteil mit dem der Markt leben kann.Immerhin sind viele davon betroffen wie Sothebys und Christies auch.
Mueller Keller

KurtMertz

30.09.2012, 13:30 Uhr

Es ist eigentlich grotesk mit ansehen zu müssen wie angesehene Kunsthändler,die unschuldig Opfer diese üblen Gauners Beltracchi geworden sind,haften sollen.Alle haben sich geirrt.Im Nachhinein sind alle schlauer auch der vorwitzige Versteigerer Eisenbeis. Er möge uns Sammlern doch bitte nicht weiß machen,dass sein interne Datenbank uns vor solchen Betrügereien hätte schützen können.Das ist schlicht albern.Da vertrauer ich lieber RFA und anderen Laboruntersuchungen,denn schließlich ist es dadurch in London herausgekommen. Der Gauner muss haften nicht der unschuldige Versteigerer!

Sammler

17.12.2012, 12:13 Uhr

Ich finde, dass das Urteil so vollkommen in Ordnung geht. Insbesondere weil das Auktionshaus Lempertz in diesem Fall Hinweise, die auf eine dubiose Herkunft des Bildes hindeuteten, einfach verschwiegen hat. Desweiteren bringt das Urteil Kunstsammlern, die bewusst bei renommierten Auktionshäüsern steigern, mehr Sicherheit. Bevor ein renommiertes Auktionshaus ein Werk in seinem Auktionskatalog aufnimmt, hat es alles dafür zu tun, um die Echtheit zu beweisen. Der Hinweis, es hätten sich keine Verdachtsmomente auf Fälschung ergeben, ist mir da zu wenig.

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