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15.07.2011

00:00 Uhr

Fälschungsskandal

Nichts Vergiftetes bei Werner Spies

VonPeter Raue

Kommentar zu "Vergiftetes Geschenk", erschienen im HB am 01.07.2011. Peter Raue vertritt die Interessen von Werner Spies.

Werner Spies vor dem Max-Ernst-Museum in Brühl. Quelle: LAIF

Werner Spies vor dem Max-Ernst-Museum in Brühl.

BerlinEin offensichtlich genialer Fälscher hat nach bisherigem Stand 47 Kunstwerke gefälscht, die in Auktionen versteigert, in Galerien gehandelt, in Museen ausgestellt wurden. Die Fälschungen sind so gut, dass die Fachleute sie nicht erkennen konnten. Unter den 47 Werken befinden sich sieben Arbeiten von Max Ernst, deren Authentizität Werner Spies bestätigt hat. Spies hat sich getäuscht wie alle anderen, als sie Arbeiten aus dieser Fälscherhand erworben haben.
Diesen unbestreitbaren Vorgang nimmt das Handelsblatt zum Anlass, Mutmaßungen über das Verhalten von Werner Spies im Umgang mit dem Werk von Max Ernst anzustellen. So sei es kein "harmloses Ei" gewesen, das der Inhaber der Galerie Cazeau-Béraudière dem Max Ernst Museum in Brühl geschenkt hat (ein Max-Ernst-Porträt). Das Ei entwickle gar noch "ungeahnte Kräfte", die die Frage rechtfertigten, "ob es nicht gar eine Verbindung zum 7-Millionen-Verkauf des angeblich 1927 gemalten Max-Ernst-Gemäldes ,La Forêt' (2) gebe". Cazeau ist seit Jahrzehnten ein Freund von Werner Spies, einer der wichtigsten Galeristen für den Surrealismus und Spies dankbar für seinen lebenslangen Kampf um das Œuvre von Max Ernst. Als er erfuhr, dass Spies sich an der Gründung eines Max Ernst Museums in Brühl beteiligen wollte, sagte er ihm spontan ein Geschenk zu. Warum sich aus dieser schönen Geste ungeahnte Kräfte entwickelt haben, die Anlass zu der Frage geben, ob eine Verbindung zum 7-Millionen-Verkauf von "La Forêt" (2) besteht, bleibt unerfindlich. Es gibt keine solche Verbindung!
Die Fäden zur unzulässigen Verknüpfung des Arbeitens von Spies mit dem Gemälde "La Forêt" (2) werden weitergesponnen mit der Behauptung, Werner Spies habe einer Mitarbeiterin des Museums bereits 2004 angekündigt, er werde dieses Bild zur Eröffnungsausstellung bekommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Spies aber keine Ahnung, dass er das Bild einst als Leihgabe erhalten könne. Besorgt fragt die Verfasserin des Artikels, wie es möglich sei, dass "vom Steuerzahler finanzierte öffentliche Institutionen sich als Durchlauferhitzer für offenbar ungenügend geprüfte Kunstmarktware" hergeben. Dass ein einziges (!) Werk, das alle Max-Ernst-Kenner für echt gehalten haben, in den Leihbestand des Museums aufgenommen wird, ist das Natürlichste der Welt und hat mit einem "Durchlauferhitzer" nichts zu tun. Den vergifteten Faden anlässlich eines in Wahrheit nicht vergifteten Geschenkes spinnt die Verfasserin weiter, wenn sie berichtet, das Bild "La Forêt" (2) sei im Katalog der von Spies kuratierten Max-Ernst-Ausstellung in der Pariser Galerie Malingue aufgetaucht. Mit dieser Ausstellung hat aber Werner Spies nichts zu tun.

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