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20.01.2015

10:26 Uhr

Fall Achenbach

Offenbarungen einer Belastungszeugin

VonLucas Elmenhorst

Babette Albrecht gewährt im Achenbach-Prozess aufschlussreiche Einblicke, wie auf dem Kunstmarkt Geschäfte gemacht werden. Zugleich berichtet sie über die Beweggründe der Familie, Kunst zu erwerben.

Ankunft im Landgericht Essen am 19. Januar 2015: die Hauptbelastungszeugin im Achenbach-Prozess, Babette Albrecht, Witwe von Berthold Albrecht. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa dpa

Ankunft im Landgericht Essen am 19. Januar 2015: die Hauptbelastungszeugin im Achenbach-Prozess, Babette Albrecht, Witwe von Berthold Albrecht. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

EssenSie war es, die mit ihrer Strafanzeige gegen Helge Achenbach überhaupt den Prozess ins Rollen brachte. Nicht in Escada gekleidet, sondern eher burschikos mit einer überdimensionierten weißen Rüschenbluse, Blazer mit Goldknöpfen, kniehohen Wildlederstiefeln und einer Vokuhila-Dauerwelle, aber mit Hermès-Handtasche trat Babette Albrecht (54), die Ehefrau des 2012 verstorbenen Berthold Albrecht, vor dem Landgericht Essen am Montag auf. Sie ist eine der Hauptbelastungszeuginnen.

Ihre Aussage gab einen erhellenden Einblick in die als notorisch öffentlichkeitsscheu bekannte Milliardärsfamilie. Bei einer Eröffnung der von Achenbach initiierten Sammlung Rheingold im prachtvollen Schloss Dyck 2008 seien ihr und ihrem Mann der Gedanke gekommen, Kunst zu kaufen, erklärte Babette Albrecht. Ihr Mann habe für Ende 2008 einen größeren Geldbetrag erwartet. „Eine Aktie ist eine Aktie, Kunst kann man sich wenigstens anschauen und sich daran erfreuen“, so habe Achenbach sie beide für die Kunst begeistert.

Minutiöse Rekonstruktion durch den Richter

Von der einstmaligen Duz-Freundschaft („In der Kunstszene ist man schnell befreundet und duzt sich“, erklärte Albrechts Witwe), ist nicht mehr viel übrig geblieben; respektvoll spricht sie nur von „Herrn Achenbach“. Im Rahmen ihrer fast sechsstündigen Vernehmung rekonstruierte der Richter Johannes Hidding geduldig und minutiös den Aufbau der von Achenbach für rund 120 Millionen Euro aufgebauten Kunst- und Oldtimersammlung.

Nur 14 der 40 von ihm vermittelten Bilder sind Teil der Anklage. Bei ihnen soll Achenbach eigenmächtig Preisaufschläge genommen haben, bei den übrigen hielt er sich an die Vereinbarung, die Werke zum Einkaufspreis nebst einem lediglich fünfprozentigen Aufschlag für seine Vermittlung an Albrecht weiterzugeben, wie auch Babette Albrechts Aussagen bestätigten. („Das war kein Freundschaftsdienst, dann sollte Herr Achenbach auch seine Provision bekommen.“)

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