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08.06.2013

08:57 Uhr

Festivalsaison 2013

Rocken als Geschäftsmodell

VonLisa Hegemann

Mit „Rock am Ring“ beginnt dieses Wochenende die heiße Phase der Festivalsaison. Galten die Live-Events früher als chaotische Treffen für Musikverrückte, sind sie inzwischen ein knallhart durchorganisiertes Geschäft.

Auch in diesem Jahr werden wieder Menschenmassen zu Deutschlands wohl bekanntestem Festival „Rock am Ring“ pilgern. dpa

Auch in diesem Jahr werden wieder Menschenmassen zu Deutschlands wohl bekanntestem Festival „Rock am Ring“ pilgern.

DüsseldorfDen ersten Vertrag mit der Rockband Deep Purple skizzierte Marek Lieberberg auf einer Papiertischdecke. In einem Gartenlokal einigte sich der damals noch unerfahrene Konzertveranstalter 1972 mit dem Manager der Musikgruppe auf deren ersten Auftritt in Deutschland – ganz informell.

Heute zählt Marek Lieberberg mit seiner Konzertagentur MLK zu den erfolgreichsten Veranstaltern Europas. Und die Deep-Purple-Geschichte, die er einmal in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erzählte, wäre inzwischen undenkbar. Das Konzert- und Festivalgeschäft ist professioneller geworden. Auftritte müssen heutzutage oftmals Monate oder Jahre im Voraus geplant werden.

Wie sehr sich das Geschäft verändert hat, lässt sich besonders am Beispiel von Deutschlands bekanntestem Aushängeschild der Branche zeigen. „Rock am Ring“ sollte eigentlich ein einmaliges Event bleiben. Das Festival startete 1985 mit 17 Bands im Programm, darunter Marius Müller-Westernhagen, U2 und Joe Cocker.

Kleines Festival-ABC (A-G)

A

...wie Anfahrt
Der Weg ist das Ziel. Die Party beginnt meist schon im Auto beziehungsweise im Stau.

B

...wie Bethel
Ortschaft im US-Bundesstaat New York, in der 1969 das legendäre Woodstock-Festival (u.a. mit Jimi Hendrix und Janis Joplin) stattfand. Der eigentliche Ort Woodstock liegt 70 Kilometer entfernt.


C

...wie Camping
Stickige Zelte, harte Isomatten und klamme Schlafsäcke: Der Festivalbesuch ist kein Luxustrip. Aber geschlafen wird ohnehin kaum.

D

...wie Dixi-Klo
Darf nicht fehlen. Der Ekel-Faktor auf den mobilen Toiletten steigt proportional mit der Dauer des Events.

E

...wie Einlass-Bändchen
Gilt vielen Besuchern als Erinnerung und wird stolz noch über Wochen oder gar Monate am Handgelenk getragen.

F

...wie Full Metal Village
Preisgekrönter Dokumentarfilm der koreanischen Regisseurin Sung-Hyung Cho über das angeblich größte Heavy-Metal-Festival der Welt im schleswig-holsteinischen Dorf Wacken.

G

...wie Glastonbury
Laut britischem Sender BBC das beliebteste Festival weltweit. Die mehr als 150.000 Tickets für die dreitägige Sause im Südwesten Englands sind meist innerhalb weniger Stunden vergriffen.

Sie alle teilten sich dieselbe Bühne. Doch dank des Erfolges fand das Musikhappening jedes Jahr wieder statt. Und wurde von Jahr zu Jahr mehr zum Magneten für Bands und Fans. Auch an diesem Wochenende pilgern wieder zahlreiche namhafte Musiker zum Nürburgring.

Statt 17 Musikgruppen treten bis Sonntag aber 83 Bands in der Eifel auf. Auf inzwischen drei Bühnen werden an den drei Partytagen nonstop unter anderem Thirty Seconds To Mars, The Killers und Green Day spielen. Wie am Anfang zieht das Festival die ganz Großen des Business an.

Was auch so geblieben ist: das Zuschauerinteresse. Schon bei der ersten Auflage kamen rund 75.000 Besucher zum Nürburgring. 2007 war das Festival erstmals im Vorverkauf ausverkauft. Doch auch das ist kein Vergleich mehr zu heute: In diesem Jahr waren schon im Januar alle 85.000 Karten weg.

Dieser Trend gilt nicht nur für „Rock am Ring“. Nach Angaben des Deutschen Musikinformationszentrums finden inzwischen jährlich rund 500 Festivals statt. Allein 2011 besuchten 6,5 Millionen Menschen eines dieser Massen-Musikevents, wie eine GfK-Studie im Auftrag des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft (BDV) zeigt.

Kommentare (10)

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RiP-Dude

08.06.2013, 09:40 Uhr

The Offspring, Linkin Park, Billy Talent, Metallica und die Toten Hosen waren 2012 bei Rock am Ring. Wenn Ihr schon einen Artikel aus dem Vorjahr recycelt, dann bringt ihn jedenfalls auf den aktuellen Stand.

RiP-Fossil

08.06.2013, 11:27 Uhr

Danke, ist mir auch sofort aufgefallen. So etwas geht wirklich nicht.

Wer den mittlerweile zu durchkommerzialisierten Festivals (und deren Publikum) ausweichen möchte und eher das ursprünglichere, etwas chaotische Festival-Flair mag: Es gibt immer noch genügend Alternativen:

http://www.festivalticker.de/festivals-2013/

Viel Spass beim suchen.

holyowly

08.06.2013, 23:34 Uhr

Ja es kostet Geld, aber für so viele Bands ist der Preis vollkommen okay. Wo kriegt man das denn sonst noch? Wenn ich nicht schon so alt wär, würde ich glatt auch noch hingehen. Für die jungen Leute sind das ein paa wunderbare unvergessliche Tage. Ich kann sie ihnen gönnen und das mit einem guten Gefühl. Meine Tochter ist jetzt gerade da und ich weiss, das sie eine tolle Zeit hat und das sie relativ sicher ist, weil auch wirklich viel für die Sicherheit getan wird. Bis vor zwei jahren war ich mit dabei und muss sagen, dass ich ohne Angst und Sorge sein kann.
Und VERDIENEN wollen alle wenn sie etwas arbeiten. Das Preis/Leistungsverhältnis stimmt bei RaR und RiP.

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