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17.02.2015

13:28 Uhr

Fifty Shades of Grey

Der Hype um die Haue im Softporno

Weltweit ist die SM-Schmonzette mit viel Trara gestartet. Die Macher geben sich euphorisch, doch erste Zahlen liegen unterhalb der Erwartungen. Schlechte Kritiken und Mundpropaganda könnten den Erfolg nun trüben.

Weltpremiere in Berlin

50 Shades of Grey: Das sagen die Kritiker

Weltpremiere in Berlin: 50 Shades of Grey: Das sagen die Kritiker

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New YorkEs gibt kein Entkommen vor Christian und Anastasia: Überall wird die leicht verruchte SM-Geschichte „50 Shades of Grey“ zum Kino-Hit des Jahres hochstilisiert. In rund 60 Ländern lief die Romanze am vergangenen Wochenende an - und jetzt zeigt sich allmählich, ob der Hype gerechtfertigt war. Ein Blick auf die Zahlen.

In den US-Kinos hat der Film laut „Hollywood Reporter“ 85 Millionen Dollar (rund 75 Millionen Euro) in den ersten drei Tagen eingespielt, den besten Valentinstag in der US-Kinogeschichte inbegriffen. Für den Verleiher Universal ist das angeblich ein Riesenerfolg.

Er kommunizierte zuvor vorsichtige 60 Millionen Dollar als Ziel. Angesichts einer 92-Millionen-Vorhersage der gewöhnlich gut schätzenden Experten von „Box Office Mojo“ ist das erste Einspielergebnis trotzdem eine kleine Enttäuschung.

Alle Infos zu „Fifty Shades of Grey“

Die Autorin

E. L. James ist das Pseudonym der britischen Autorin Erika Leonard. Sie lebt in London und ist Mutter von zwei Söhnen. „Fifty Shades of Grey“ war ihr erster Roman. Ursprünglich schrieb sie die Geschichte als Fanfiction zur „Twilight“-Saga.

Die Handlung

Die 21-jährige Literaturstudentin Anastasia Steele (Dakota Johnson) lernt bei einem Interview den 27-jährigen Unternehmer und Milliardär Christian Grey (Jamie Dornan) kennen und fühlt sich von ihm angezogen. Christian die Kontrolle über Anas Gefühlswelt. Als sie ihn näher kennenlernt, erfährt sie, dass seine sexuellen Neigungen Bondage, Dominanz und Sadismus beinhalten. Ana lässt sich darauf ein mit Hoffnung, Christian auch emotional näher zu kommen.

Musical-Adaption

Die Musical-Parodie „49 1/2 Shades of Grey“ feierte im vergangenen Jahr in Hamburg Premiere. Die Regisseurin Gerburg Jahnke inszenierte ein Musical-Persiflage auf den Erotik-Bestseller.

Soundtrack zum Buch

Bereits Mitte September 2012 erschien der Soundtrack zur Buchtrilogie in Deutschland. Klassische Musik spielt im Buch eine größere Rolle, die Autorin E.L. James selbst hat die Stücke für das Album ausgewählt.

Film-Budget

Die Macher der Verfilmung von „Fifty Shades of Grey“ hatten ein Budget von circa 40 Millionen US-Dollar zur Verfügung.

Vorverkaufsrekorde

Der Vorverkauf zu Fifty Shades of Grey begann am 11. Januar 2015 in den Vereinigten Staaten. Innerhalb einer Woche wurde mehr Tickets verkauft als 2012 „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ erzielte. Außerdem waren die Vorführungen am Eröffnungstag sowie für das Valentinstag-Wochenende innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft.

Fortsetzungen

Nach einer Testvorführung in New York City am 6. Februar 2015 verkündete die Regisseurin Taylor-Johnson, dass es zwei Fortsetzungen geben wird und dass der zweite Teil bereits 2016 in die Kinos kommen soll.

Im wichtigsten Kinomarkt der Welt hat „50 Shades“ ein „R-Rating“ bekommen, Zuschauer müssen entweder mindestens 17 Jahre alt sein oder einen Erziehungsberechtigten dabei haben. Doch nicht einmal in diesem eher kleinen Blockbuster-Segment hat der Film den Einspielrekord gebrochen. Der gehört weiter „Matrix: Reloaded“ mit 91,7 Millionen Dollar im Jahr 2003 – inflationsbereinigt läge dieses Einspielergebnis heutzutage deutlich höher.

Dafür gibt es Anzeichen, dass das Kinopublikum deutlich gemischter ist als die Leserschaft der Romanversion. Rund ein Drittel der Kinozuschauer sind laut Erhebungen von Universal männlich, 42 Prozent der Zuschauer unter 25 Jahre alt.

Wer von „Fifty Shades of Grey“ profitiert

Orion

Der Erotikhändler Orion verkauft seit dem Bucherfolg von „Fifty Shades of Grey“ nach eigenen Angaben deutlich mehr Peitschen, Fesseln und Liebeskugeln.

Baumarktkette B&Q

Die Mitarbeiter der britischen Baumarktkette B&Q sollen sich durch die Lektüre des Buchs oder dem Anschauen des Films auf „sensible“ Fragen von Kunden vorbereiten, um diese auf „höfliche, hilfreiche und respektvolle Art“ beantworten zu können. Das Rundschreiben weist auf eine Szene von „Fifty Shades of Grey - Geheimes Verlangen“ hin, in der der reiche Unternehmer Christian Grey in einen Baumarkt geht, um Kabelbinder, Seil und Klebeband zu kaufen. „Mehr als für Ausbesserungen zu Hause sind diese Produkte dafür gedacht, Herrn Greys unkonventionelle sexuelle Wünsche zu erfüllen“, wird in dem Memo vornehm formuliert.

Audi

Auch Audi springt auf den Zug auf und produzierte gleich zwei Spots mit Bezug auf den kommenden Blockbuster. Kein Wunder: Der Automobilhersteller gab erst kürzlich eine Kooperation mit Universal Pictures für „50 Shades of Grey” bekannt. So werden in dem Film fünf unterschiedliche Modelle der Ingolstädter zu sehen sein.

Kondomhersteller

Der US-Kondomhersteller Trojan nutzt die Gunst der Stunde, seine „50 Shades of Real Pleasure” zu vermarkten. In dem Clip versucht sich ein Pärchen daran, die Szenen aus dem Buch stümperhaft nachzustellen – und scheitert.

Lego

Selbst der Bauklötzchenhersteller Lego beteiligt sich am „Grey“ Hype und veröffentlichte eine Version des offiziellen Kino-Trailers in Lego-Optik.

Cinestar

Die Kinokette CineStar, nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland, hat eine Woche vor Kinostart schon mehr als 80 000 Karten verkauft. „Das ist schlicht sensationell und selbst bei Filmen wie „James Bond“ oder bei der „Der Herr der Ringe“-Trilogie noch nicht vorgekommen“, sagt CineStar-Geschäftsführer Oliver Fock.

Besser sieht es außerhalb der USA aus. Dort hat der Film starke 158 Millionen Dollar in 58 Ländern eingespielt. Allein in Deutschland gingen rund 1,35 Millionen Menschen ins Kino, was laut „Insidekino.de“ ungefähr Platz 35 der besten Anläufe hierzulande bedeutet.

Laut Verleiher freut man sich aber dennoch über den Startrekord für einen Film, bei dem eine Frau Regie geführt hat. Diese Statistik führt etwas in die Irre, denn laut „Celluloid Report 2013“ ist die Konkurrenz in dieser Sparte nicht groß. Bei 93 Prozent aller Hollywood-Filme sitzen demnach Männer auf dem Regiestuhl.

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